26. Februar 2018, 20:51 Uhr

Von Ebola bis Dengue-Fieber

26. Februar 2018, 20:51 Uhr
Karen_werner
Von Karen Werner

Gießen (kw). Ebola, Zika-Virus, Dengue-Fieber. Diese Krankheiten sind in den vergangenen Jahren vor allem dann in die Schlagzeilen geraten, wenn sie für die Bewohner der reichen Staaten zur Gefahr zu werden drohten. Tatsächlich beträfen tropische Infektionskrankheiten zunehmend auch die Menschen in Mitteleuropa, unter anderem wegen verstärkter Migration und des Klimawandels. Doch auch aus humanitären Gründen sei die Erforschung und Bekämpfung sogenannter armutsassoziierter vernachlässigter Tropenerkrankungen (Neglected Tropical Diseases, NTD) »eine Notwendigkeit«, sagt Katja Becker, Professorin für Biochemie und Molekularbiologie an der Justus-Liebig-Universität. Ein neues hessisches Zentrum solle dazu »weltweit sichtbar« beitragen.

Arme haben »zu wenig Marktmacht«

Becker ist Sprecherin des neuen LOEWE-Zentrums DRUID (Novel Drug Targets against Poverty-Related and neglected Tropical Infectious Diseases), das am Montag mit einem Symposium in Gießen startete. Fünf hessische Institutionen bündeln dafür ihre Arbeit: Neben der JLU sind beteiligt die Philipps-Universität Marburg, Goethe-Universität Frankfurt, Technische Hochschule Mittelhessen und das Paul-Ehrlich-Institut. Rund 40 Wissenschaftler wollen an der Entwicklung neuer Wirkstoffe und Therapien arbeiten. Das Land Hessen investiert bis Ende 2021 insgesamt rund 19 Millionen Euro in das Vorhaben. Um das Landesprogramm LOEWE »beneiden uns alle anderen Bundesländer«, sagte Becker.

Hessens Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) überreichte vor etwa 120 Gästen in der Uni-Aula die Förderurkunden. Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit litten an vernachlässigten ansteckenden Tropenkrankheiten, sagte er. Bezahlbare und wirksame Medikamente ohne schwerwiegende Nebenwirkungen sowie Impfstoffe zu entwickeln, sei eine »globale Herausforderung«. In Hessen seien die Lebenswissenschaften besonders stark. Der Forschungsverbund soll eng mit Pharmaunternehmen zusammenarbeiten.

Die Kranken in armen Ländern hätten bisher zu wenig »Marktmacht«, um für die Pharmaindustrie interessant zu sein, erklärte JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee in seiner Begrüßung. Das Geld fließe unter anderem in vier neue Professuren mit den Schwerpunkten Parasitologie (Gießen), Virologie (Marburg), Bakteriologie (Frankfurt) und Immunologie (Paul-Ehrlich-Institut). Finanziert würden außerdem weiteres Personal sowie Geräte. Mukherjee hob hervor, Spitzenforschung gelinge nur im Netzwerk. Das zeigten zahlreiche Kooperationen etwa im »Forschungscampus Mittelhessen«. Das Projekt trage außerdem zur Nachwuchsförderung bei.

Prof. Katja Becker erläuterte, das Besondere an DRUID sei die Arbeit an unterschiedlichsten Erregern. Die Fachleute wollten »Zielmoleküle« entwickeln und verstehen, die auch auf andere Krankheiten anwendbar seien.



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