05. Februar 2018, 21:41 Uhr

Vom Räuber geküsst

05. Februar 2018, 21:41 Uhr

Die beiden Männer haben ein schweres Verbrechen begangen. Vor Gericht haben sie bereits zugegeben, in den frühen Morgenstunden des 12. Juni vergangenen Jahres in ein Reihenhaus in der Weststadt eingedrungen zu sein und die beiden dort lebenden Frauen überfallen zu haben. Einer der beiden Männer soll direkt auf das Bett eines Opfers gesprungen sein und der 55-Jährigen ein Messer an den Hals gehalten haben. Doch genau das will auf einmal keiner der beiden gemacht haben. Die zwei 20 und 22 Jahre alten Männer – ein Syrer und ein Somalier – werfen sich gegenseitig vor, der Aggressivere gewesen zu sein. Jeder der beiden Angeklagten will das Messer erst gesehen haben, als der jeweils andere damit auf das Bett der Frau gesprungen ist. Eine Befragung beider Täter vor der Siebten Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts blieb am Montag ohne Ergebnis.

16 000 Euro Bargeld gesucht

Allerdings machten die beiden als Nebenklägerinnen auftretenden Frauen sehr deutlich, wer ihrer Meinung nach das Messer gezückt hatte. Als der Jüngere von beiden – der Syrer – beteuerte, nicht auf das Bett gesprungen zu sein, nickte das 55-jährige Opfer mehrfach mit dem Kopf. Später hätten er und sein Komplize diese Frau und ihre 61-jährige Mitbewohnerin in einen Nebenraum gebracht. Ihnen seien die Handys abgenommen worden. Er sei davon ausgegangen, dass zur Tatzeit niemand in dem Haus gewesen sei, sagte der junge Mann. Bevor die beiden Räuber flohen, habe er sich noch bei dem älteren Opfer entschuldigt und sie auf die Stirn geküsst. Auch diese Frau quittierte die Darstellung des Syrers mit Kopfnicken.

Als hingegen zuvor der angeklagte Somalier seinen jüngeren Komplizen beschuldigt hatte, der Hauptaggressor gewesen zu sein, schüttelten beide Frauen energisch den Kopf.

Einig waren sich die Angeklagten jedoch in dem, was sie in dem Haus gesucht, aber nicht gefunden hatten: 16 000 Euro Bargeld. Beide berichteten, von einem türkischstämmigen Weststädter angestiftet worden zu sein. Der 30-Jährige sei dem Sohn einer der beiden Frauen bekannt. Der habe beiläufig erwähnt, eine Abfindung von 13 000 Euro bekommen zu haben. Das Geld habe er nicht zur Bank gebracht, sondern im Haus seiner Mutter deponiert. In der Summe mit anderen Geldern habe der mutmaßliche Anstifter von 16 000 Euro gesprochen. Die Beute hätte später geteilt werden sollen. Auch ein in der Weststadt lebender Spanier hätte etwas abbekommen. Er soll den beiden Männern Mützen, Tücher und Handschuhe gegeben haben, damit diese sich maskieren konnten.

Diese beiden weiteren Angeklagten schweigen bisher zu den Vorwürfen. Der 30-Jährige grinste lediglich immer wieder ins Publikum. Allerdings droht ihm als mutmaßlichem Anstifter bei einer Verurteilung dieselbe Strafe wie den beiden anderen Tätern. Mindestens fünf Jahre Gefängnis. Da mehrere Zeugen die zwei geständigen Räuber auf der Flucht beobachtet hatten, kamen die Ermittler nach und nach allen vier Angeklagten auf die Schliche.

Der Syrer hatte schon im vergangenen November vor einem Jugendschöffengericht des Gießener Amtsgerichts gestanden. Aber der Prozess wurde abgebrochen. Eine Sprecherin der Jugendgerichtshilfe regte an, den durch seine Flucht »verselbstständigten« Angeklagten nach Erwachsenenstrafrecht zu verurteilen. Da dies bei schwerem Raub mindestens fünf Jahre Haft bedeutet, wurde sein Fall an das Landgericht verwiesen.

Am 19. Februar sollen die beiden Opfer aussagen.

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