28. Mai 2019, 22:12 Uhr

Vom Experimentator zum Ehrenmitglied

28. Mai 2019, 22:12 Uhr
Eduard Alter (r.) ernennt Dietmar Linder (l.) zum Ehrenmitglied. (Foto: ta)

Tausende Gießener werden ihn schon erlebt haben im Original-Hörsaal von Justus von Liebig. Denn Dr. Dietmar Linder hat dort unzählige Chemie-Experimentalvorlesungen gehalten. Als Archivar der Liebig-Gesellschaft hat der frühere Biochemiker zudem antiquarische Bücher und Ausstellungsstücke aus dem Bestand des Liebig-Museum restauriert. Von beiden Aufgaben hat sich der 77-Jährige nun zurückgezogen. Seinen großen ehrenamtlichen Einsatz würdigten die Mitglieder der Liebig-Gesellschaft bei der Jahresversammlung mit stehendem Applaus. Zugleich wurde Linder vom Vorsitzenden Prof. Eduard Alter zum Ehrenmitglied ernannt.

Im Jahresbericht hatte Alter unterstrichen, dass die Experimentalvorlesungen nicht nur der Besuchermagnet des Liebig-Museums sind, sondern auch finanziell ein Standbein bilden. Allerdings übersteige die Nachfrage das Angebot. Der Kreis der Experimentatoren benötige deshalb Verstärkung durch Chemie-Kundige. Auch für die Führungen würden noch Helfer gesucht.

Im vergangenen Jahr ist die Mitgliederzahl der Gesellschaft durch 19 Neuanmeldungen, darunter auch junge Gießener, auf knapp 400 angestiegen. Als erfreulich wertete Alter das anhaltend gute Spendenaufkommen, das die Aufgaben des Vereins wesentlich absichere. Dazu gehöre die Beschäftigung der Archivarin Franziska Müller, die bei Klärung und Präzisierung der Herkunft von Ausstellungsstücken im Jahr 1960 angekommen ist.

In den nächsten Jahren werden allerdings mehr Spender und Sponsoren benötigt: Die Heizungsanlage des Museums muss erneuert, die Außenfassade restauriert und das Dach neu gedeckt werden. Schatzmeisterin Karin Machens erwartet, dass alles zusammen rund 500 000 Euro kosten wird. Der erhebliche Eigenanteil wird die Rücklage des Vereins weit übersteigen.

Allmählich voran geht es im Bestreben der Gesellschaft, das Liebig-Laboratorium als Weltkulturerbe anerkennen zu lassen. Der Antrag für die deutsche Nominierungsliste soll in diesem Jahr mit dem Kultusministerium abgestimmt werden. Unterstützung hat die Landesregierung in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben. Für die langfristige Kampagne wurde von Dr. Thomas Rühl das Motto »Liebig lebt!« ausgegeben.

Der 100. Geburtstag des Liebig-Museum, das jährlich rund 8000 Besucher verzeichnet, soll 2020 mit Festakt (26. Mai) und öffentlichen Veranstaltungen gefeiert werden. Details verriet Alter noch nicht.

Als Nachfolger von Linder wurde der Kleinlindener Dr. Werner Schmidt, der sich in Gießen einen Namen als »heimlicher Stadtarchivar« gemacht hat, in den Vorstand gewählt. Aus dem Vorstand verabschiedet wurde Dr. Thomas Rühl, dem für seine Hilfe bei der Umwandlung einer Wohnung im Museum in Verwaltungs- und Archivräume gedankt wurde. Sein Nachfolger ist der Wiesecker Dr. Helmut Lepper. Bestätigt wurden Vorsitzender Alter, Schatzmeisterin Machens, 2. Vorsitzender Gerd Hamscher, Kurator Bernd Commerscheidt und Schriftführer Prof. Klaus T. Preissner.

Den Abschluss der Mitgliederversammlung bildete ein Vortrag von Prof. Hermann Schäfer über die Jahrzehnte währende Freundschaft der beiden Darmstädter Emanuel Merck (1794-1855) und Justus Liebig (1803-1876). Der renommierte Historiker hatte die Merck-Entwicklung in seinem Buch »Von der Apotheke zum Weltkonzern« beschrieben.

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