07. Juli 2019, 18:32 Uhr

Vom Duo bis zum Oktett

07. Juli 2019, 18:32 Uhr
Jan Ickert (l.) spielt mit drei Schülern einen alten Schlager. (Foto: jou)

Welch wunderbar wandlungsfähiges Streichinstrument das Cello sein kann, demonstrierte am Sonntag beim ausverkauften Basilika-Konzert auf dem Schiffenberg eindrucksvoll die internationale Celloklasse des Frankfurter Musikhochschulprofessors Jan Ickert. Bei der letzten Zugabe von Brahms zeigten die Musiker mit viel Feingefühl, dass man ein besinnliches »Wiegenlied« auch mal mittags spielen kann. Das Stück markierte den gelungenen Schlusspunkt eines recht abwechslungsreichen Konzerts, in dem vom Duo bis zum Oktett alles vertreten war.

Herzerwärmende Zuversicht verliehen Sinem Karasu und Paul Winter eingangs dem Kopfsatz aus Joseph Haydns D-Dur-Duo. Mit deutlicher Artikulation und ausgefeilter Tempogestaltung legten sie die Messlatte hoch. Dem Druck hielten Lucia Falcioni und Calvin Wong bei dem Flamencostück »Bulerias« des spanischen Komponisten Mario Escudero mühelos stand. In ihrer rhythmisch zackigen Interpretation erfüllte die Basilika mediterraner Geist. Zu fesseln vermochten auch Lara Jakobi und Alexios Tassis bei dem Presto aus Jean-Baptiste Barrières G-Dur-Sonate mit ihrem virtuos-eleganten, spannungsgeladenen Spiel.

Durchweg bestach, wie akkurat die Musiker aufeinander eingingen und mit welch feinem Instinkt sie diversen Stilrichtungen gerecht wurden. Bei den Ensemblestücken trat Raquel Rivera Novillo als weitere Studentin hinzu. Oft handelte es sich um Arrangements, beispielsweise ist die »Aria da Chiesa« von Alessandro Stradella eigentlich für Gesangsstimme und Orgel gedacht. Bei der Unisono-Einleitung der Triobearbeitung machte sich getragen-ernste Atmosphäre breit, die das Ensemble feinfühlig fortspann. Auffallend dezent, meist schlank in der Tongebung wirkte die Interpretation des Presto-Finales aus Ludwig van Beethovens Trio C-Dur op. 87, vermittelte gleichwohl große Spielfreude. Leidenschaftlich expressiv wurde es bei dem Intermezzo aus der Oper »Goyescas« von Enrique Granados. Das Quartett ersetzte hier ebenbürtig ein Orchester.

Gleich viermal Zugabe

Der musikalische Erkundungstrip durch verschiedene Epochen führte bis hin zur Motette »Gressos meos dirige« von Orlando di Lasso aus dem 16. Jahrhundert. Gemeinsam mit drei Studentinnen ließ Ickert die Hörer tief in die geistliche Sphäre eintauchen. Ganz andere Ausdruckswelten taten sich bei Schlagern aus den 1930er Jahren auf. Ohrwürmer wie »Ich hab’ das Fräulein Helen baden sehn« amüsierten das Publikum köstlich, manche fühlten sich gar zu einem Zwischenapplaus hingerissen.

Nach der Pause ging es weiter mit dem feinnervig und voller Poetik dargebotenen Largo aus Frédéric Chopins g-Moll-Sonate. Ein starker Kontrast bestand zwischen dem ruhigen zweiten und raschen dritten Satz aus Friedrich Metzlers Cello-Quartett. Wieder auf andere Weise faszinierte Maurice Ravels »Pavane pour une enfante défunte«: Hier wanderte die Oberstimme reizvoll durch die Instrumente. Das Vergnügen setzte sich fort bei Wilhelm Kaiser-Lindemanns unverkrampft-lockerem »Mambo for six«. Für gewichtige Akzente sorgte Johann Strauss’ »Ägyptischer Marsch«. Ziemlich überraschend machten die Cellisten hier von ihrer Gesangsstimme Gebrauch. Das vorzügliche Konzert endete mit einem Suitensatz aus Heitor Villa-Lobos’ »Bachianas Brasilieras« Nr. 1 und nicht weniger als vier Dreingaben.

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