16. Mai 2013, 19:28 Uhr

Vom 13. bis 22. Juni in Gießen Hessische Theatertage

Vom 13. bis zum 22. Juni ist das Stadttheater Gießen Gastgeber der Hessischen Theatertage. Zum ersten Mal zeigen alle festen Theater aus dem gesamten Bundesland gemeinsam ihre besten Inszenierungen. Das Motto lautet: »Schaulust«.
16. Mai 2013, 19:28 Uhr
Agnes Mann und Matthias Fuchs vom Staatstheater Kassel eröffnen mit Wedekinds »Lulu« am 13. Juni die Theatertage. (Foto: N. Klinger)

Einige Häuser schickten am Donnerstag Abordnungen nach Gießen, um dort gemeinsam mit Intendatin Cathérine Miville im Rahmen einer Pressekonferenz auf ihre Produktionen aufmerksam zu machen: Intendant Manfred Beilharz und Dramaturgin Dagmar Burmann vom Staatstheater Wiesbaden, Alexander Leiffheidt und Miriam Kaufmann vom Schauspiel Marburg, Nils Wendtland vom Schauspiel Frankfurt und Deborah Einspieler von der Oper Frankfurt. Für das Gasthaus informierten Theatertage-Koordinator Alexander Wang, Schauspieldirektor Mathias Schubert, Operndirektor Dieter Senft und Jugendspartenleiter Abdul M. Kunze die Presse. Dabei war auch Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, die betonte, das Stadttheater wachse mit den Theatertagen »noch einmal über sich hinaus«.

Den Anfang der 25. Hessischen Theatertage macht am Donnerstag, 13. Juni, nach der offiziellen Eröffnung im Theaterpark (18 Uhr), das Staatstheater Kassel mit seiner »Lulu«-Inszenierung von Sebastian Schug um 19.30 Uhr im Großen Haus – eine ungewohnt kraftvolle Lulu, gespielt von Agnes Mann, erwartet die Zuschauer. Tags darauf ist das Landestheater Marburg zu Gast. Mit »Mama Medea« zeigt es um 19.30 Uhr eine aktualisierte Version des antiken Stoffes von Tom Lanoye (Regie: André Rößler). An Kinder ab fünf Jahre richtet sich das Gastspiel der Oper Frankfurt am Samstag, 15. Juni, um 15 Uhr sowie am Sonntag, 16. Juni, um 11 Uhr. Aufgeführt wird eine kindgerechte, einstündige Bearbeitung der Rossini-Oper »Der Barbier von Sevilla« (Regie: Caterina Panti Liberovici). Der Barbier macht sich diesmal jedoch im Hundesalon als Kuppler verdient.

Einen eigenen Beitrag präsentiert das Stadttheater mit der langen Hindemith-Nacht am Abend des 15. Juni. Auf Initiative des Philharmonischen Orchesters erklingt an diesem Abend im gesamten Haus am Berliner Platz das komplette Sonatenwerk des Komponisten.

Einen Tag später reist das Staatstheater Darmstadt an, um am Abend »Der Chinese« von Benjamin Lauterbach (Inszenierung: Andrea Thiesen) zu spielen, ein Stück über die Frage, wie deutsche »Perfektbürger« werden, wenn sie mit Fremdem konfrontiert werden.

Am Dienstag, 18. Juni, gibt es ein Wiedersehen mit Tschechows Klassiker »Die drei Schwestern« vom Staatstheater Wiesbaden (Inszenierung Markus Dietz), die aber in der Wiesbadener Fassung aus ihrer Opferrolle geholt und als »Untäterinnen« porträtiert werden.

Neben den Gießener »Stationen einer Jagd/Buch Bühne Büchner« (22. Juni) ist auch »Kommilitonen!«, die neue Oper von Peter Maxwell Davies, die kürzlich unter der Regie Mivilles hier uraufgeführt wurde, im Rahmen der Hessischen Theatertage zu sehen: am Mittwoch, 19. Juni. Einen Tag später zeigt das Schauspiel Frankfurt seine Uraufführung des aktuellen Stücks »Wir lieben und wissen nichts« von Moritz Rinke, einst Theaterwissenschaftsstudent in Gießen. Regie führt Intendant Oliver Reese, Eisoldt-Ring-Preisträgerin Konstanze Becker zeigt sich hier von ihrer komischen Seite.

Finale des neuntägigen Theatertreffens, zumindest im Hauptprogramm, ist ein Poetry Slam am Freitag, 21. Juni, den Lars Ruppel leitet. Unter der Fragestellung »Wem gehört die Bühne« treten Slammer aus der ganzen Republik gegeneinander an.

Im Anschluss an diese Vorstellung werden beim Sommerfest ab 22 Uhr im Park diverse Theaterpreise verliehen: für junge Experten, für die beste Einzel- und Ensembleleistung, Publikumspreis und ein Ehrenpreis für ungewöhnliches Engagement von Nicht-Theatermachern für das Festival. Alle Preise, die an feste Häuser vergeben werden, sind dabei zweckgebunden: Sie kommen den jeweiligen Jugendclubs zugute.

Freie Theaterszene im TiL

Auf der TiL-Studiobühne und an vielen weiteren Orten der Stadt werden Arbeiten der freien Theaterszene zu Gast sein. »Krieg spielen« heißt eine bissige Performance am 13. Juni. Das Theaterprojekt von Susanne Zaun geht der Frage nach, wie das Böse dargestellt werden kann. Zwei Tänzerinnen konfrontieren bei »Ultra Mania« (14. Juni) menschliche Bewegungen mit Ausdrucksformen von Spielkonsolenfiguren und getanzt wird auch bei »3:1« der Frankfurter Company Muddy Boots (15. Juni).

Das Brachland-Ensemble mit gesunden und acht geistig behinderten Schauspielern interpretiert mit »Idole« die Thematik des Films »Mädchen in Uniform« (16. Juni). Erstmals konnten auch die Bad Hersfelder Festspiele bei den Hessischen Theatertagen eingebunden werden. Sie zeigen ihre brandneue Produktion »Das Tagebuch der Anne Frank« (17. Juni). Brechts »Kleinbürgerhochzeit« bringt Karin Willner von der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst auf die Studiobühne (18. Juni) und das Schauspiel Studio Frankfurt ist mit »Eine Teufeliade« von Michail Bulgakow vertreten (21. Juni). Aus Wiesbaden ist das Musiktheater »Büchners Frauen« von Paul Leonard Schäffer vertreten (20. Juni).

Die enge Kooperation mit den Instituten der Hessischen Theaterakademie bietet zudem eine spannende Plattform für den Theaternachwuchs, sich zu präsentieren. So sind auch fünf Projekte der Angewandten Theaterwissenschaften an den unterschiedlichsten Orten präsent: im Freibad, im Kiosk des neuen Kunstvereins, im Experimentierort der ehemaligen Commerzbank-Filiale in der Johannesstraße 17 oder eben mit einem Audiowalk über die Innenstadt verteilt.

Weil Jugendarbeit am Stadttheater Gießen großgeschrieben wird, ist auch dieser Bereich bei den Hessischen Theatertagen stark vertreten. Jugendclubs andere Theaterhäuser sind zu Gast und geben täglich gegen 18 Uhr im Theaterzelt eine Kostprobe ihrer Arbeit. Delegationen von Jugendclubs absolvieren einen Workshop mit Carlos Trafic (Präsentation ist am 12. Juni mittags beim großen Abschlussfest im Theaterpark). Im Theaterpark wird zudem die Theatersportgruppe Improzeoten am 16. Juni unter dem Motto »Kultur und Sport« die vom langen Sitzen ermatteten Theaterbesucher fit machen.

Vor- und Nachgespräche zu den jeweiligen Vorstellungen finden quasi täglich im Theaterzelt statt, es gibt am Zeughaus an mehreren Mittagen »La Symphonie-Pique-nique« (ein kammermusikalisches Schmankerl), Podiumsdiskussionen laden zum Austausch zwischen Publikum und Theaterleuten, eine Veranstaltung der Freunde des Theaters (19. Juni) steht auf dem Programm und außerdem wird ein kleines Programmbuch erstellt, das über die Ensembles, Produktionen und vieles mehr informiert.

Festivalpass

Alles Wissenswerte zum Programm der Hessischen Theatertage kann man auf einem praktischen Faltblatt nachlesen. Für alle eintrittspflichtigen Aufführungen des Haupt- und Nebenprogramms gibt es bereits jetzt Karten an der Theaterkasse, Telefon 79 57-60/61, oder im Internet unter www.stadttheater-giessen.de. Ein Festivalpass sei allen angeraten, die sich von einer Vorstellung in die nächste begeben wollen. Das gilt dann auch für das Büchnerfestival, das im unmittelbaren Anschluss an die Hessischen Theatertage folgt. Karola Schepp

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