27. Mai 2019, 22:12 Uhr

Volltreffer im Keller Theatre

27. Mai 2019, 22:12 Uhr
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Aus der Redaktion
Frank Bäcker als Oberon und Lukas Friedrich als sein Hofnarr Puck (r.). (Foto: bf)

Inzwischen schreckt man beim amerikanischen Keller Theatre zurecht auch vor großen Dichtern nicht zurück - zum Glück. Denn die aktuelle Produktion von Shakespeares Klassiker »A Midsummer Nights Dream« in der Inszenierung von Martin P. Koob kam bei den Besuchern der ausverkauften Premeire bestens an. Kein Wunder, sahen sie doch ein Schauspiel auf sehr hohem handwerklichen und künstlerischen Niveau.

Es überrascht auch den erfahrenen Betrachter, wie gut das Ensemble hier zur Sache geht und im Ganzen agiert. Die Geschichte, angesiedelt auf der Hochzeit des Herzogs von Athen (routiniert bis charismatisch: Lars-Alexander Dallmann) mit seiner Hippolyta (sicher und charmant: Linda Krug), widmet sich im Wesentlichen der menschlichen Natur, dem Hauptthema des Großdichters. Natürlich ergeben sich dabei allerlei Bezeihungsverschlingungen, auch erotischer Art.

Für die typischen Kommentare sorgen unter anderem Oberon (Frank Bäcker ganz sicher und klar im Ausdruck) und sein Hofnarr Puck (Lukas Friedrich schön präzise, situationskomisch und deutlich). Auch im Spiel ist Titania, die Königin der Elfen (herrlich hemmungslos und genau auf den Punkt: Liz Regan). Sie hat auch ihre persönliche körperliche Erbauung im Sinn, ein großer Spaß.

Dann sind da noch die Liebenden. Melanie Stanel als Hermia setzt mit stiller, klarer Präsenz Akzente, sie liebt Lysander (von Leidenschaft geschüttelt oder still leidend: Abraham Abraham). Dazu gesellen sich Demetrius (Patrick Platz mit stiller Wut) und Helena (voller Kraft und Ausdruck und mit schöner aparter Stimme: Jenny Sittler), die auch nicht miteinander klarkommen. Jedenfalls zunächst nicht. Zusätzlich erfand Shakespeare noch ein halbes Dutzend Nebenfiguren, die zur Darstellung diverser Aspekte und Erläuterungen dienen und, höchst erfreulich, ausnahmslos als kompetente ergänzende Darsteller fungieren. Gewandet sind alle in teils todschicke und zeitlose Kostüme (Alexandra Hartmann-Flechtner, Jenny Sittler). Die Bühne wurde eigens umgestaltet, um den zahlreichen Figuren genug Raum zu verschaffen, und sie wird dramaturgisch versiert genutzt. So bringt man mit flotten Auf- und Abgängen Leben in die Sache.

Die ungewöhnlich textsicheren und sprachlich überwiegend kompetenten bis perfekten Darsteller liefern die Komödie sehr lebendig ab und zeigen dabei eine wunderbar durchgehende, konzentrierte Präsenz. Ab und zu gibt es Szenenapplaus.

Mit dieser schwergewichtigen Produktion präsentiert sich das Kaller Theatre darstellerisch gereift und leistungsfähig und packt die Zuschauer. Die Inszenierung zeigt sich dem Anspruch ganz und gar gewachsen, das Werk wurde wohltuend entschlackt. So passt es auf die Bühne und funktioniert tadellos, das Publikum folgte aufmerksam jedem Detail und genoss das sehr heitere Geschehen sichtlich. Zur Belohnung badete man schließlich in dauerhaftem, sehr intensivem Applaus: Volltreffer.

Weitere Vorstellungen gibt es am 31. Mai sowie 1., 7., 8., 14. und 15. Juni, jeweils um 19.30 Uhr in der Bleichstraße 28.



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