25. Juni 2018, 21:24 Uhr

Virtuos und melodisch bezaubernd

25. Juni 2018, 21:24 Uhr
Jan Böhme, Martin Zuckschwerdt, Holger Pfeuffer und Carsten Luz (v. l.) in der Basilika.

Gießen (jou). Schon vor sechseinhalb Jahren begeisterte das Quadriga-Posaunenquartett bei den Winterkonzerten im Rathaus restlos mit seiner anregenden musikalischen Reise durch diverse Epochen. Erfreulicherweise konnte der Meisterkonzertverein das Ensemble nun erneut gewinnen. Den ersten Programmblock zwischen Renaissance und Frühbarock spielten Jan Böhme, Martin Zuckschwerdt, Holger Pfeuffer und Carsten Luz am Sonntagvormittag in der Schiffenbergbasilika auf Nachbauten historischer Instrumente. Unterstrichen durch prägnanten Trommelrhythmus, bildete der »Earl of Oxford’s March« von William Byrd einen feierlichen Auftakt. Die tonstärkemäßig fein differenzierte Interpretation brachte die Echoeffekte bei der »Canzona per sonare II« von Giovanni Gabrieli klar zur Geltung. Insgesamt merkte man den Künstlern, allesamt Mitglieder renommierter Klangkörper wie dem Gürzenich-Orchester Köln, reiche Erfahrung in der historischen Aufführungspraxis an. Da bereitete etwa Pierre Passereaus virtuos-leicht dargebotenes Stück »Il est bel et bon« ein beschwingtes Hörerlebnis und machte die etwas frischen Temperaturen auf dem Schiffenberg vergessen. Durch kühne Betonungen geradewegs moderne Züge erhielt die Musik des franco-flämischen Komponisten Adrian Willaert. Auf heutige Instrumente wechselte das Ensemble bei Kostproben aus Georg Friedrich Händels Oper »Rinaldo«. Recht flüssig und rund in den musikalischen Bögen gelang die Ouvertüre, besonderen melodischen Zauber verströmte die berühmte Arie »Lascia ch’io pianga«. Ebenso ansprechend gerieten drei Sätze aus Johann Sebastian Bachs Orchestersuite Nr. 2 h-Moll: markant akzentuiert und mit beweglicher Stimmführung die Bourrée, tänzerisch anmutig das Menuett, ganz spritzig, doch frei von unangenehmen klanglichen Schärfen die Badinerie.

Einen weiten musikgeschichtlichen Sprung machte das Quartett nach der Pause und bewies unter anderem bei Auszügen aus Verdis Oper »Rigoletto« wieder große Fantasie; hier demonstrierte Bassposaunist Jan Böhme überdies mit seinem dramaturgisch stimmigen Arrangement künstlerisches Geschick.

Inzwischen war das Wetter behaglich, als mit den »Danses d’ailleurs« des schwedischen Komponisten Anders Soldh rhythmisch Komplexes in den Fokus rückte. Mit starkem Beifall bedacht wurde von den zahlreichen Besuchern auch das Auftragswerk »Gilgamesch« von Alexander Reuber, dem das Ensemble den Mythos babylonischen Ursprungs als Leitidee vorgab. Die daraus entwickelte filmmusikartige Komposition entfaltete in der ausgefeilten Darbietung des Quartetts starke Sogkraft. (Foto: jou)

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