03. April 2019, 22:02 Uhr

»Villa Dolorosa« zeigt Tragikomik des Scheiterns

03. April 2019, 22:02 Uhr
R. Kricheldorf (dpa)

Gießen (gl). Mit »Villa Dolorosa«, einem Theaterstück frei nach Anton Tschechows »Drei Schwestern«, steht ein in mehrfacher Hinsicht besonderes Stück auf dem Spielplan des Stadttheaters. Schließlich hat die Autorin Rebekka Kricheldorf an diesem Haus 2003 die Uraufführung ihres ersten Stückes »Prinzessin Nicoletta« erfolgreich gefeiert. Mittlerweile zählt sie zu den gefragtesten Dramatikerinnen des Landes. Rund 20 Theaterstücke hat die mittlerweile 44-Jährige bislang verfasst. Viele davon als Auftragswerk. Erst vor wenigen Tagen wurde die Dramatikerin mit der diesjährigen Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik an der Universität des Saarlandes ausgezeichnet. Für »Villa Dolorosa« erhielt sie 2010 den Förderpreis Komische Literatur der Stadt Kassel.

Man darf also gespannt sein, was Regisseur und Komödienfachmann Thomas Goritzki und Bühnenbildner Heiko Mönnich aus dem grotesken Theaterstück machen werden. Schon 2008 hatte Goritzki am Stadttheater Gießen »Die drei Schwestern« inszeniert. Beim Vorabgespräch gaben er und sein Team sowie Dramaturgin Carola Schiefke nun schon einmal Einblick in die Produktion der aktuellen Überschreibung Kricheldorfs, die am Samstag, 6. April, Premiere hat und jede Menge Witz, Tragik und Unterhaltungswert verspricht. Aber: »Dass es lustig ist, heißt noch lange nicht, dass es eine Komödie ist«, betont Goritzki.

Kricheldorfs »Villa Dolorosa« ist, laut Schiefke, mit zahlreichen »Anspielungen für Bildungs-snobs« auf das Original gespickt: etwa die russischen Namen der Protagonistinnen oder die Sehnsucht nach »Moskau«, das sich in Kricheldorfs Version als Tanzclub entpuppt. Die Geschichte um Lebenssehnsüchte und Sinnsuche wird aber in die heutige Zeit transformiert und um das Thema Arbeit erweitert. »Es ist definitiv ein anderes Stück«, unterstreicht der Regisseur. Heiko Mönnichs Bühnenbild schafft dazu eine »wohnliche Atmosphäre« mit morbidem Charme in der im Verfall begriffenen Villa.

Zum Inhalt: Die Schwestern Irina (Johanna Malecki), Mascha (Anne-Elise Minetti) und Olga (Carolin Weber, die schon 2008 in der vergleichbaren Rolle auf der Gießener Bühne stand) feiern mal wieder Geburtstag. Sie leben mit Bruder Andrej (Stephan Hirschpointner) in der maroden Familienvilla, verbrauchen ihr Erbe und schieben das Leben vor sich her. Während Olga wider Willen und ohne jede Ambition Direktorin ihrer Schule wird, wechselt Irina zum x-ten Mal das Studienfach, genauso wie sie keinem ihrer Verehrer ernsthaft Hoffnung machen möchte. Und Mascha hat sich längst abgefunden mit der gediegenen Langeweile in ihrer Ehe. Bis eines Tages Georg (David Moorbach) vor der Tür steht…

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