22. Juli 2016, 19:13 Uhr

Vier Pferde infizieren sich in Uniklinik mit Virus

Gießen (srs). Vier Pferde haben sich in der Gießener Pferdeklinik mit einem aggressiven Herpes-Virus angesteckt. Eines von ihnen ist inzwischen gestorben.
22. Juli 2016, 19:13 Uhr
Schwer und schnell atmet »Vagabund«. Am Freitag scheint er auf dem Weg der Besserung, ist fieberfrei, berichtet Tierärtzin Dr. Anna Wogatzki. (Foto: Schepp)

»Das ist für uns ein Desaster«, erklärt Dr. Anna Wogatzki von der Veterinärklinik, Infiziert wurden die Tiere durch ein Pferd aus Beselich. Dort grassiert das Virus wie berichtet in einem ganzen Reiterhof.

Das Pferd aus Beselich wurde am 4. Juli in der Pferdeklinik eingeliefert. Anzeichen für das Virus gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Das eingelieferte Tier litt unter Bauchschmerzen, wurde wegen einer Kolik operiert. Danach bewegte sich das Pferd allerdings unkoordiniert, ließ kein Urin mehr, hatte starkes Fieber. Fünf Tage später musste es eingeschläfert werden. Bei einer anschließenden Untersuchung stellten die Ärzte in allen Organen den Herpes-Virus fest. Inzwischen ist klar, dass in Beselich der ganze Reiterhof von einer Herpes-Epidemie betroffen ist. Elf Tiere mussten dort eingeschläfert werden.

Nach der Entdeckung des Virus habe man in Beselich sowie auch in der Uniklinik »alle notwendigen Hygienemaßnahmen sofort eingeleitet«, erklärt Tierärztin Wogatzki. Für vier Pferde im Uniklinikum an der Frankfurter Straße kamen die Maßnahmen allerdings zu spät. »Wir bedauern das sehr«, hält Wogatzki fest. Wie sich die vier Tiere angesteckt haben, ist nicht klar. Oft reicht ein einziges Schnauben zur Übertragung. Wogatzki fügt hinzu, dass noch nicht hunderprozentig nachgewiesen sei, dass sich die Pferde tatsächlich bei dem Tier aus Beselich angesteckt hätten. Es sei aber sehr wahrscheinlich. erklärt sie, und spricht daher von Verdachtsfällen.

Am Freitag führte sie Reporter der Gießener Allgemeinen Zeitung durch mehrere Sicherheitsschleusen bis zum Stall von einem der betroffenen Pferde. Geschlossen sei die Tierklinik nicht. Nur der Bereich mit den drei betroffenen Tieren sei isoliert. Die Pferde in den zwei weiteren Stallbereichen würden untersucht, Anzeichen für dasVirus habe es bislang aber nicht gegeben. Im Kreis Gießen gebe es bisher keine weiteren Verdachtsfälle.

Eines der betroffenen Pferde ist der Kaltblüter »Vagabund«. Still und schwer atmend kämpft er gegen das Virus. Kein Schnauben, kein Wiehern. Lautlos steht das Tier in einem Stall der Pferdeklinik. Der Besitzer des Pferdes dagegen tobt vor Wut. »Es ist ein Drama«, sagt der Hobby-Landwirt Ulrich Winter aus Reichelsheim. Anfang Juli entdeckte er, dass sein Pferd nicht rund lief. »Es war eine Entzündung an den Vorderhufen, eine leichte Hufrehe.«, erklärt er. Am 4. Juli brachte er das Tier daher in die Pferdeklinik – ausgerechnet am selben Tag, als dort das Pferd aus Beselich eingeliefert wurde. Der Kaltblüter »Vagabund« leidet nun seit Tagen unter Fieberschüben. Die Atemwege der betroffenen Pferde sind zudem entzündet, oft ist auch die Ausscheidung von Harn und Kot blockiert. Das Virus sei »ungewöhnlich aggressiv«, erklärt Wogatzki. Das Pferd aus Reichelsheim leide unter einem Brusthöhlenerguss. Behandelt würden die Pferde mit Entzündungshemmern, Vitaminpräparaten sowie Medikamenten zur Stärkung des Immunsystems.

Auf dem Weg der Besserung scheint zumindest »Vagabund«. Am Freitag ist er fieberfrei. Sein Besitzer ist derweil zum Warten verdammt. Frühestens vier Wochen nach der letzten Feststellung von Symptomen könne die Isolation aufgehoben werden, erklärt Tierärztin Wogatzki.



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