05. Dezember 2016, 12:00 Uhr

Vielfältig und anspruchsvoll

Gießen (jou). Die sechste »Nacht der Kammermusik« mit Mitgliedern des Universitätsorchesters am Freitag in der Uni-Aula war gewiss nicht die letzte: Die Musizierfreude der Künstler prägte sich nachhaltig ein und stieß auf begeisterte Resonanz. Für einen gelungenen Auftakt sorgten Leonie Kampmeier (Klavier), Bert Görzen (Klarinette) und Robert Foede (Cello) beim eröffnenden Allegro des Trios a-Moll op. 114 von Johannes Brahms. Gekonnt unterstrichen sie dynamische wie ausdrucksmäßige Kontraste in ihrer weitgespannten, dramaturgisch durchdachten Darbietung. Es zeigte sich wieder einmal, in welch hohem Maße das Musizieren im kleinen Ensemble das genaue Aufeinanderhören schult – dies ist auch für die Orchesterpraxis förderlich.
05. Dezember 2016, 12:00 Uhr
Rahel Schmitz (Violine), Méline Wölfel (Klavier) und Leonie Wollersheim (Cello) ernten kräftigen Beifall für ihre Mendelssohn-Interpretation. (Foto: jou)

Anschließend scheute Violinistin Méline Wölfel nicht vor einem schweren solistischen Brocken zurück: Hingebungsvoll widmete sie sich der Fuge aus der C-Dur-Sonate BWV 1005 von Johann Sebastian Bach, förderte dabei die Themeneinsätze klar zu Tage in ihrer plastischen und feinsinnigen Interpretation; die Besucher lauschten gebannt.
Zum hervorragenden Gesamteindruck trug Universitätsmusikdirektor Stefan Ottersbach entscheidend bei; er moderierte gleichermaßen informativ wie unterhaltsam, getragen von untrüglicher Repertoirekenntnis. Bemerkenswert schien der Abwechslungsreichtum des Programms – da folgte etwa einem barocke und jazzige Elemente erfrischend verbindenden Quartett-Suitensatz von Claude Bolling wenig später das beschwingte Allegro aus einem Duett von Gioacchino Rossini, das Cellist Klaus Gründler und Kontrabassist Elias Rau klanglich rund, mit gutem Rhythmusgefühl meisterten. Ungetrübten Genuss bot auch die gleichermaßen melodisch anmutige wie dynamisch belebte Interpretation des Allegro-Kopfsatzes aus dem Trio d-Moll op. 49 von Felix Mendelssohn Bartholdy mit Méline Wölfel – die vielseitige Künstlerin nun am Klavier –, Rahel Schmitz (Violine) und Leonie Wollersheim (Cello).
Bei dem Jazzstandard »Bésame mucho« von Consuelo Velázquez trat die Cellogruppe des Orchesters in Aktion. In dem farbigen Arrangement wurde deutlich, dass das intime Streichinstrument wie gemacht ist für das sehnsuchtsvolle Liebeslied. Auch unbeschwert-leichte Musik fand an diesem Abend ihren Platz: Mona Feier (Flöte), Laurens Berthold (Klavier) und Manuel Klein (Cajon) trugen rhythmisch prägnant die »Sonata Latino« des englischen Flötisten Mike Mower (geb. 1958) vor. Von ganz anderer Art war der intensive Dialog zwischen Violine (Wölfel) und Cello (Stefan Altmann) im Kopfsatz der Sonate von Maurice Ravel. Als Eigenkomposition steuerte Cellist Claas Johann Voß die beschaulichen Variationen »La Luna« für Celloquintett bei. Zu einem Höhepunkt des Konzerts machte das empfindsame Zusammenspiel von Rahel Schmitz, Friedrich Holzwarth (Violinen), Johanna Dießel (Viola), Klaus Gründler und Robert Foede (Celli) den ersten Satz aus dem Streichquintett C-Dur D 956 von Franz Schubert.
Im letzten Programmteil reichte das Spektrum vom »Tango Ballet« des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla bis hin zum herzergreifenden »Liebesruf eines Fauns« für Englischhorn (Volker Bilz) und Klavier (Leonie Kampmeier).
Besonders faszinierte Wölfels Tanzperformance »pleurant. aspirant. espérant.«, derart geschmeidig-virtuos bewegte sie sich auf der Bühne. Balsam fürs Gemüt war zum Schluss das Lied »Chan Chan« des kubanischen Musikers Compay Segundo mit den Sängern Greta Franken und Lennart Irmer in Begleitung eines stimmungsvollen Instrumentalensembles. Sascha Jouini

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