Stadt Gießen

Videoüberwachung in Gießen: Woran das Projekt bisher scheitert

In Gießen ist polizeiliche Videoüberwachung an mehreren Punkten in der Innenstadt geplant. Doch nun gibt es Probleme. Das Projekt verzögert sich deutlich.
16. August 2018, 17:37 Uhr
Burkhard Möller
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Wann der Marktplatz wieder von einer Videoanlage überwacht wird, ist derzeit unklar. Das Hinweisschild erinnert noch an die Überwachung, die bis 2012 hier stattfand. Auch die Kamera hängt noch. (Foto: Schepp)

Vor allem für die CDU war diese Vereinbarung wichtig, als im Frühsommer vor zwei Jahren der Koalitionsvertrag mit SPD und Grünen unterschrieben wurde: In Gießen wird es an Kriminalitätsschwerpunkten wieder eine polizeiliche Videoüberwachung geben. Eigentlich sollten die drei Kameras am Marktplatz, am Bahnhofsvorplatz und der Kreuzung Asterweg/Walltorstraße/Dammstraße bereits Ende vergangenen Jahres in Betrieb gehen, jetzt wird es aber wohl sogar in diesem Jahr nichts mehr mit der Installierung werden. »Wir sind an eine technische Grenze gestoßen«, erklärte Ordnungsdezernent Peter Neidel am Donnerstag vor der Lokalpresse.

Der Grund für die Verzögerungen liegt laut Neidel, Ordnungsamtsleiter Alexander Steiß und Sachbearbeiter Dirk Drebes in der Erde. Die dort verlaufenden Kupferkabel sind nicht leistungsfähig genug für die neue Kamerageneration mit ihrer extrem hohen Bildauflösung. »Dafür brauchen wir Glasfaserkabel und ein entsprechendes Netz«, erläuterte Neidel. Und da jetzt nicht auf die Schnelle nur eine Lösung für die drei polizeilichen Überwachungskameras umgesetzt werden soll, sondern auch die am Verkehrsrechner hängende Kamerüberwachung des Straßenverkehrs in die Modernisierung einbezogen wird, kann es mit der Umsetzung noch etwas dauern.

 

Funksteuerung zu aufwendig

 

Laut Drebes habe sich das Problem im Zuge der Kameraanschaffung herauskristallisiert. Erst habe es von einigen Anbietern noch geheißen, man könne die Kameras an Kupferkabel anschließen und/oder das Netz der Telekom nutzen, aber dann sei klar geworden, dass es nur mit Glasfaserkabeln funktioniert. Drebes zufolge hat die Stadt nun zunächst das Unternehmen Siemens mit einer Leitungssondierung beauftragt, um festzustellen, wo vielleicht schon Glasfaserkabel liegen und wo Kabeltrassen erneuert bzw. neu geschaffen werden und Straßen aufgebaggert werden müssen.

Laut Steiß wäre theoretische auch ein Kamerabetrieb mit Richtfunk möglich, aber in einer dichtbebauten Stadt sei diese Technik nur mit ganz hohem Aufwand umsetzbar.

Was die rechtlichen Grundlagen für die Wiedereinführung der Videoüberwachung betrifft, hat die Stadt längst grünes Licht vom Hessischen Datenschutzbeaufragten und der Polizei, sagte Neidel. So habe auch die aktuelle Kriminalitätsstatistik für 2017 bestätigt, dass der Marktplatz, der Bahnhofsvorplatz und das sogenannte Döner-Dreieck Kriminalitätsschwerpunkte sind, die gemäß dem Hessischen Gesetz über die Sicherheit und Ordnung (HSOG) mit Kameras überwacht werden dürfen. »Das wird so schnell wie möglich geschehen, wenn wir diese technische Hürde genommen haben«, versprach Neidel.

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