16. Februar 2017, 19:21 Uhr

Versiert und einfühlsam

16. Februar 2017, 19:21 Uhr
Das Ensemble verabschiedet sich mit einer Gute-Nacht-Zugabe. (Foto: jou)

Das hohe künstlerische Niveau des Leipziger Vokalsextetts Audite Lipsiam gleich auf der ersten Konzertreise durch Deutschland ist bemerkenswert. Zum Valentinstag widmeten sich die jungen Sänger in der Bonifatiuskirche inspiriert geistlicher und weltlicher Musik zum Thema Liebe. Merle Hillmer (Sopran), Lea Vosgerau und Tobias Schneider (Alt), Sebastian Seibert (Tenor), Benedikt Kantert (Bariton) sowie Thomas Stadler (Bass) horchten in Werken von der Renaissance bis zur Gegenwart so konzentriert aufeinander, als würden sie schon jahrelang zusammen auftreten. Die Versiertheit der Musikhochschulstudenten kommt indes nicht von ungefähr, basiert vielmehr auf hervorragendem technischem Rüstzeug und sicherem musikalischem Gespür.

Davon lieferte gleich zu Beginn das »Laudate« des norwegischen Komponisten Knut Nystedt ein eindrucksvolles Bild: Der kristallene, klanglich perfekt ausgewogene Gesang des Sextetts bestach durch Warmherzigkeit; unmittelbar zu berühren vermochte die tiefe Harmonie der Musik. Wie fein das Ensemble die Melodie intonierte, begeisterte auch in dem ruhigen Renaissancestück »If ye love me« vom Thomas Tallis. Bei Johann Sebastian Bachs Choral »Jesu, meine Freude« zeigte sich erneut die sensible religiöse Ader der Künstler an der lebhaften Textgestaltung. Ebenso anschaulich trugen sie Heinrich Schütz‹ Komposition »Also hat Gott die Welt geliebt« vor, durchweg dynamisch differenziert und mit gezielter Betonung einzelner Phrasen.

Ganz sanft entfalteten sich die Melodiebögen in Maurice Duruflés »Ubi caritas«, nahmen dann fließend an Tonstärke zu, um schließlich wieder abzuebben. Der gediegene, stets elegante Interpretationsstil faszinierte auch in weiteren Kompositionen von Henry Purcell und Robert Schumann. Alle Sänger integrierten sich nahtlos ins Ensemble. Da leuchteten etwa bei Felix Mendelssohn Bartholdys Komposition »Lord, now lettest thou thy servant depart« selbst filigrane musikalische Details ein, merkte man vom ersten bis zum letzten Takt die sorgfältige Einstudierung.

Romantische Orgelstücke, gespielt von Sebastian Seibert an der Eule-Orgel, sorgten für instrumentale Bereicherung des Programms. Im andächtigen »Gebet« von Léon Boëllmann bezauberte das reizvolle Klangspektrum der Orgel ebenso wie die kontemplative Atmosphäre. Besonders nahe ging Seiberts empfindsame Interpretation des »Préludes« h-Moll von César Franck. Mustergültig deutlich förderte die Struktur und Form zu Tage; in der vollendeten Reinheit schien die Musik aus einer fernen Welt an den Hörer heranzutreten.

Auf romantischen Pfaden blieb das Ensemble bei Werken von Friedrich Silcher und Johannes Brahms. Nur ein Beispiel: Wie Silcher das volksliedhaft Schlichte in den Vertonungen »Ännchen von Tharau«, »In einem kühlen Grunde« und »Wenn alle Brünnlein fließen« in ein raffiniertes Gewand kleidet, brachten die Sänger fantasievoll zur Geltung, gingen dabei wieder behutsam aufeinander ein. Nicht fehlen durfte John Dowlands berühmtes Lied »Come again« mit immer neuen Steigerungen. Das Konzert ging zu Ende mit Billy Joels »And so it goes« und Gregor Meyers »Dat du min Leevsten büst«.

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