19. April 2017, 14:00 Uhr

Trump und Medien

»Verhaftungen von Journalisten sind denkbar«

Am Mittwoch um 19 Uhr spricht Politologe Christoph Bieber in der Uni-Aula über das Verhältnis von Politik und Medien unter Trump. Wir haben den Laubacher gefragt, wer den Konflikt gewinnt.
19. April 2017, 14:00 Uhr
US-Präsident Donald Trump wettert auf Pressekonferenzen immer wieder gegen angebliche »Fake News« etablierter Medien. (Fotos: dpa/Uni Duisburg-Essen)

Donald Trump beschreibt sein Verhältnis zu einem Großteil der Medien als »Krieg«. Wer wird diesen Krieg am Ende gewinnen?

C. Bieber
C. Bieber

Prof. Christoph Bieber: Das ist alles andere als klar. Wie es in Kriegen so ist. Aber die Wortwahl ist doch sehr drastisch. Richtig ist: Der US-Präsident und die Medien stehen sich konfrontativ gegenüber.

In der Türkei lässt Präsident Erdogan kritische Journalisten verhaften. Ein solches Vorgehen wäre in den USA selbst unter Trump undenkbar, oder?

Bieber: Ich würde es nicht völlig ausschließen. Es gibt derartige Drohungen des US-Präsidenten, er geht mit drastischen Mitteln vor. Man sollte ihn beim Wort nehmen. Auch wenn ein solcher Schritt von einem Gericht schnell rückgängig gemacht würde.

Sie erforschen das Verhältnis zwischen Trump und den Medien. Welche Erkenntnisse gewinnen Sie aus Ihrer Analyse?

Bieber: Auffällig ist die starke Polarisierung zwischen liberalen Medien und konservativen, rechten Angeboten wie Fox. Es fehlt an neutralen Positionen. Die Polarisierung ist logisch, wenn der Markt alles bestimmt. Eine Zeitung, die polarisiert, verkauft sich eben besser. Ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk spielt in den USA nur eine marginale Rolle.

Die New York Times und die Washington Post verzeichnen hohe Anstiege bei den Abozahlen. Hat Trumps Feindseligkeit vielleicht auch positive Auswirkungen?

Bieber: Trump – wie übrigens auch sein Vorgänger – schafft ja zum Beispiel per Twitter selbst quasi-journalistische Angebote. Die Politik tritt in Konkurrenz zu den etablierten Medien. Für den Bürger wird es immer schwieriger, zwischen neutraler Nachricht und PR zu unterscheiden. Deshalb ist es wohl eine logische Folge, dass Bürger auf traditionelle Medien zurückgreifen.

Info

Vita

Der Politologe Christoph Bieber ist seit 2011 Inhaber der Johann-Wilhelm-Welker-Stiftungsprofessur für Ethik in Politikmanagement und Gesellschaft an der Uni Duisburg-Essen. Zuvor forschte und lehrte der gebürtige Laubacher am Institut für Politikwissenschaft sowie am Zentrum für Medien und Interaktivität in Gießen.

 

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