30. August 2013, 22:38 Uhr

Verein »Aktion – Perspektiven« legt Jahresbericht vor

Gießen (si). Armut hat viele Gesichter. Oft paart sie sich mit Arbeitslosigkeit, mangelnder Schulbildung, familiärer Gewalt, Drogen- und Alkoholmissbrauch. Sie trifft Männer, Frauen und nicht zuletzt die Kinder. Armut »vererbt« sich. Diesen Teufelskreis durchbrechen helfen will der Gießener Verein »Aktion«, der in der Schanzenstraße sitzt.
30. August 2013, 22:38 Uhr
Geschäftsführerin Astrid Dietmann-Quurck, Mitarbeiterin Diana Blumentritt und Vorsitzende Inge Bietz (v.l.) mit dem Bericht 2012. (Foto: Schepp)

Er verrät im Namenszusatz, was er leisten will: »Perspektiven für junge Menschen und Familien« geben. Die Mitarbeiter beraten, begleiten und betreuen in unterschiedlichen Bereichen – »Hilfe zur Selbsthilfe« ist das Ziel. Einzelheiten zeigt die am Freitag vorgelegte Bilanz 2012.

Zu den Projekten gehört »Aktino«, eine Kontakt- und Beratungsstelle, die speziell für »Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen in der Gießener Nordstadt« eingerichtet wurde. 150 Ratsuchende kamen in das Büro in der Sudetenlandstraße 1 – wo die Jugendhilfe sitzt – bzw. in die Reichenberger Straße 9 (Nordstadtzentrum) zur Sozialberatung. Hier verdoppelte sich die Zahl der Klienten innerhalb eines Jahres.

Viele Fragen hätten sich auf das Arbeitslosengeld II (samt Unterkunft und Nebenkosten) bezogen, sagten Aktion-Geschäftsführerin Astrid Dietmann-Quurck und Vorsitzende Inge Bietz am Freitag vor Journalisten. Oft sei die Sozialberatung der Einstieg für weitere Gespräche, in denen es dann beispielsweise um Fragen von Schule oder Erziehung gehe.

Aktino organisiert auch ein offenes Mütter-Café, das von über 550 Frauen aufgesucht wurde (ein Plus von 17 Prozent) und Gruppenangebote für Eltern, die Entlastung suchen. 100 Frauen – davon der allergrößte Teil alleinerziehend –, eine kleine Minderheit von elf Vätern sowie 150 Kinder nahmen an den zwölf Maßnahmen teil. Die Palette reicht von Seminaren mit einem angeleiteten Gesprächskreis bis zu mehrtägigen erlebnispädagogischen Outdoor-Programmen für Jungen und Mädchen.

Zehn Jahre Erziehungshilfe

Ein weiterer Schwerpunkt des Vereins ist die ambulante Erziehungshilfe – eine Maßnahme der Jugendhilfe, die von den Jugendämter der Stadt und des Kreises Gießen finanziell getragen wird. Die vier Mitarbeiter begleiteten im Laufe des vergangenen Jahres insgesamt 19 Familien mit 50 Kindern in Stadt und Kreis. In der Regel erhalten die Haushalte wöchentlich zwei Besuche à zwei Stunden, Beistand gibt es in Alltagsfragen: Bei der Beantwortung behördlicher Schreiben, bei Anträgen auf Sozialleistungen, bei Hausaufgaben oder auch, wenn es zwischen den Eltern kriselt und ein Paargespräch sinnvoll erscheint. Bei Bedarf vermitteln die Pädagogen den Kontakt zu anderen Stellen, etwa wenn die Schule für das Kind einen Besuch beim Logopäden empfiehlt. Auch hier steht die »Aktivierung des Selbsthilfefähigkeit« im Mittelpunkt – also das Vermögen, nach einiger Zeit möglichst aus eigener Kraft zurechtzukommen.

Das benötigt Zeit. In der Regel erstrecke sich die Hilfe pro Familie auf etwa zwei bis drei Jahre, sagte gestern Mitarbeiterin Diana Blumenritt. Dass sich die Arbeit vielfach lohnt, erfuhr das Team kürzlich beim Familienfest, das zum Jubiläum ausgerichtet wurde – die ambulante Erziehungshilfe gibt es bei der Aktion jetzt seit zehn Jahren. Rund 30 Erwachsene mit 25 Kindern kamen. Etliche »Ehemalige« hätten stolz davon berichtet, dass sie ihren Alltag heute viel besser organisieren könnten oder dass es weniger Probleme bei der Erziehung gebe. Insgesamt haben im letzten Jahrzehnt rund 70 Familien die Dienstleistung in Anspruch genommen (das Büro sitzt in der Frankfurter Straße 48).

Die »Aktion« berät darüber hinaus Straffällige und Strafgefährdete und macht Angebote im betreuten Wohnen – für junge Menschen, aber auch für ältere Nichtsesshafte. Mehr dazu im Jahresbericht, den es als Broschüre beim Verein und auch online gibt: www.aktion-verein.org.



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