11. Oktober 2010, 17:54 Uhr

Verblüffende Vielfalt beim Kammerkonzert

Die Barockkompositionen beim ersten Kammerkonzert mit Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters am Sonntag im oberen Foyer des Stadttheaters zeichneten sich durch verblüffende Ausdrucksvielfalt aus.
11. Oktober 2010, 17:54 Uhr
Musizierten im oberen Foyer des Stadttheaters: Andreas Küppers (Cembalo), Torsten Oehler (Cello) und Wolfgang Plümacher (Bassetto), v. l. (Foto: jou)

In Johann Michael Nicolais Sonate C-Dur zu Beginn etwa, gespielt von Jorid Höfner (Viola), Torsten Oehler (Cello), Andreas Küppers (Cembalo) und Wolfgang Plümacher (Bassetto), folgte einem getragen-ernsten Präludium ein lebhafter Satz, bei dem das Thema reizvoll durch die Instrumente wanderte. Bei der tänzerisch beschwingten Gigue konnte man sich eine höfische Festgesellschaft vor Augen malen, innere Ruhe und Stabilität strahlte die Chaconne aus.

Carol Brown verlieh dem eröffnenden »Dolce« der Fantasie Nr. 6 d-Moll für Flöte solo von Georg Philipp Telemann - unterstrichen durch die ausgeprägte, recht freie Agogik - suchenden Charakter. Mit Nachdruck interpretierte sie das energische Allegro. Ebenso interessant schien die Fantasie Nr. 3 h-Moll, bei der der Wechsel von kurzem Largo und ausgedehnterem Vivace wie ein Frage-und-Antwort-Spiel wirkte. Hier, aber auch im Allegro-Finale bestach Browns durchdachte Gestaltung.

Die drei Fantasien für Viola, Cello und Violone von Henry Purcell vermochten in ihrem formalen und ausdrucksmäßigen Abwechslungsreichtum zwischen Fugenteil, rhythmisch-bestimmten und bleiern-schweren Passagen in den Bann zu ziehen. Das Ensemble zeichnete das Stimmengeflecht transparent und bewies Gespür für die lebhaften Kontraste. Gleichermaßen hörenswert die Sonate g-Moll für Cello und Basso continuo von Jean-Baptiste Loeillet de Gant. Oehler trug die Melodie im Largo mit intensiv melancholischem Ausdruck vor. Wie befreit wirkte demgegenüber die Bewegung daraufhin im entschlossenen, virtuos-leichten Allegro. Die fein ausbalancierte Intonation des Cellisten gefiel rundum; sehr ansprechend seine kantable Spielweise im Adagio.

Im zweiten Satz der Sonate Nr. 4 e-Moll für Flöte und Basso continuo von Georg Friedrich Händel riss dank der außerordentlichen Musizierlaune von Brown, Küppers und Maria Oliveira-Plümacher (Fagott) die Munterkeit mit, während im Largo-Kopfsatz der Sonate für Viola und Basso continuo von Antonio Vivaldi dank Höfners gefühlvoller Darbietung die leidenschaftliche Solomelodie berührte. Beim schnellen zweiten Satz der Vivaldi-Sonate beeindruckten die rhythmische Genauigkeit und die stimmigen dynamischen Verläufe, viel Lebensenergie brachte in der temperamentvollen Interpretation des Trios Höfner, Küppers und Oehler das Allegro-Finale herüber.

Fagottistin Oliveira-Plümacher trat in der Sonate Nr. 5 G-Dur aus der Sammlung »Les délices de la solitude« op. 20 von Michel Corrette solistisch hervor und begeisterte durch natürliche, atmende Artikulation. Das ganze Ensemble zusammen war zum Schluss in Telemanns Quartett G-Dur TWV 43 für Flöte, Viola, Cello und Basso continuo zu erleben. Hervorgehoben durch die klanglich trockene, rhythmisch profilierte Musizierart vermittelte das Vivace eingangs ausgiebig ansteckende Spontaneität. Danach bildete das Andante einen beschaulichen Ruhepunkt vor dem packenden Finale.

Die zahlreichen Hörer spendeten für das niveauvolle Konzert lang anhaltenden Beifall.

Sascha Jouini

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