23. Dezember 2009, 19:52 Uhr

VHS-Kurs: So feiern die Polen das Weihnachtsfest

Gießen (son). Sobald am Heiligen Abend der erste Stern am Himmel blinkt, beginnt für die Polen das Weihnachtsfest. Es wird die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel vorgelesen, gebetet und dann werden Oblaten miteinander geteilt. Diese Tradition wurde an der Volkshochschule nachvollzogen.
23. Dezember 2009, 19:52 Uhr
Zwölf Speisen, darunter Fischgerichte und süßer Mohnkuchen, sind Bestandteil des polnischen Essens am Heiligen Abend. (Foto: son)

»Beim Oblatenbrechen bricht man sich ein Stück von der Oblate eines anderen ab, isst es und wünscht demjenigen von Herzen alles Gute zu Weihnachten und Frieden für das Neue Jahr«, erzählt Sprachlehrerin Maria Legiec-Abramov beim polnischen Weihnachtsabend ihres Polnisch-Kurses in der Volkshochschule. In ländlichen Gegenden werden die Oblaten auch mit den Tieren geteilt. Dabei bedenkt man besonders Schafe, Kühe und Esel, denn diese waren bei der Geburt von Jesus dabei.

Zentrale Rolle spielt am Heiligen Abend das gemeinsame Essen. Zwölf verschiedene Gerichte kommen am Heiligen Abend, der auf polnisch wigilia heißt, auf den Tisch. Schon Tage vorher werden die Speisen vorbereitet. Alle Gerichte sind fleischlos, denn die Advents-Fastenzeit endet erst um Mitternacht. »Erst dann darf man auch ein Gläschen trinken«, meint Marie Legiec-Abramov. Zu einem polnischen Weihnachtsmahl gehören auf jeden Fall eine Rote-Beete-Suppe, gefüllte Teigtaschen und Fisch in vielen Variationen. Auch Süßes darf nicht fehlen: In verschiedenen Regionen stehen dabei unterschiedliche Speisen auf dem Tisch.

Es wird immer ein Gedeck mehr aufgelegt, als Menschen am Tisch sitzen. »Damit zeigt die Familie, dass sie immer noch Platz hat für jemanden der unerwartet vorbeikommt oder einsam, hungrig und ohne Obdach ist«, sagt Legiec-Abramov. Damit erinnert man sich an die Herbergssuche von Maria und Josef, die an vielen Türen vergeblich klopften. Auch ist es eine Erinnerung an verstorbene Familienmitglieder.

Auf dem Tisch liegt auch ein kleiner Ballen Stroh, um an die Einfachheit des Stalls zu erinnern, in dem Jesus geboren wurde. Nach dem Essen findet die Bescherung statt. »Die Geschenke bringt aber nicht das Christkind oder der Weihnachtsmann, sondern das Sternchen«, erzählt Legiec-Abramov. Den Kindern werde geraten, dass sie an diesem Abend besonders brav seien sollen, denn ein polnisches Sprichwort sagt: »So wie Weihnachten ist, so wird das ganze Jahr«.

Auch das Singen von Weihnachtsliedern gehört zur polnischen Tradition. Um Mitternacht versammelt man sich noch einmal zur Messe pasterka in der Kirche. »In den dörflichen Gegenden Polens wird die Strecke oft zu Fuß oder mit dem Pferdeschlitten überwunden«, erzählt die Lehrerin. Die Kirchen sind immer voll. »Nach der pasterka darf man Fleisch essen, und obwohl es dann schon zwei Uhr nachts ist, schmeckt es ausgezeichnet, besonders warmer bigos«.

Schlagworte in diesem Artikel

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen