13. Dezember 2018, 09:56 Uhr

Untreue-Prozess

Untreue-Prozess um Hausverwalter: Franco Bauer bleibt ein freier Mann

In der Berufungsverhandlung belässt es das Landgericht bei einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung für den betrügerischen Ex-Hausverwalter aus Lich. Die Opfer dürfen nun hoffen.
13. Dezember 2018, 09:56 Uhr
In der Clevelandstraße in der Gießener Marshall-Siedlung befinden sich vier der insgesamt sieben geschädigten Wohnungseigentümergemeinschaften. (Foto: mö)

Der Licher Immobilienunternehmer Dr. Franco Bauer muss nicht ins Gefängnis. Dies hat die 3. Kleine Strafkammer des Landgerichts am Mittwoch entschieden und bestätigte im wichtigsten Punkt das Urteil des Amtsgerichts aus dem Sommer 2017. In erster Instanz war der Ex-Hausverwalter und Geschäftsführer der Dr. Bauer Immoconsult GmbH wegen gewerbsmäßiger Untreue zu einer Hafstrafe von zwei Jahren verurteilt worden, die für eine Dauer von vier Jahren zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Kammer unter Vorsitz von Dr. Johannes Nink reduzierte die Bewährungsdauer auf drei Jahre, verfügte einen Vermögenseinzug in Höhe von knapp 90 000 Euro und verurteilte Bauer zudem zur Ableistung von 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

Eine Überraschung war das Urteil nicht mehr, nachdem auch die Staatsanwaltschaft, die zunächst Berufung eingelegt hatte und Bauer hinter Gitter bringen wollte, von ihrer Forderung nach einer Gefängnisstrafe abgerückt war. Bauer, gegen den parallel wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung ermittelt wird, sei nicht vorbestraft, haben sich seinen Taten »persönlich gestellt« und arbeite nachweislich an der Wiedergutmachung des von ihm als Hausverwalter in Gießen, Lich, Lollar und Reiskirchen angerichteten Schadens, sagte Staatsanwalt Jakob Frost in seinem Plädoyer.

Als günstiger Umstand erwies sich für den Angeklagten, dass zwischen dem ersten Verhandlungstag im Berufungsprozess und der gestrigen Verhandlung ein Jahr vergangen ist, das Bauer nach Angaben seines Verteidigers Dietmar Kleiner nutzte, um weitere gut 30 000 Euro an die von ihm betrogenen Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) zurückzuzahlen. Den strafrechtlich relevanten Schaden hatte die Staatsanwaltschaft auf 157 000 Euro beziffert.

 

Genug Insolvenzmasse vorhanden

Die Anklage hatte dem vollumfänglich geständigen Bauer, der als Verwalter die Konten mehrerer Wohnungseigentümergemeinschaften in der Gießener Marshall-Siedlung, in Lich (Hohler Weg), Reiskirchen (Dieselstraße) und Lollar (Am Alten Bahnhof) abgeräumt hatte, in 33 Fällen gewerbsmäßige Untreue vorgeworfen und ursprünglich eine Haftstrafe ohne Bewährung gefordert.

Anders als in dem Verfahren vor dem Amtsgericht, dem das Geständnis Bauers für ein Urteil gereicht hatte, führte Richter Nink eine Beweisaufnahme durch, hörte Bauers Insolvenzverwalter und zwei Opfer aus der Clevelandstraße und dem Hohler Weg in Lich als Zeugen an. Im Publikum saßen weitere geschädigte Wohnungseigentümer aus der Clevelandstraße und frühere Mitarbeiter von Bauers insolventer Immoconsult.

Um einschätzen zu können, ob und inwieweit Bauer den Schaden trotz der laufenden drei Insolvenzverfahren über die Vermögen von ihm selbst, seiner Frau und der Immoconsult gutmachen kann, hatte Nink Insolvenzverwalter Ralf Diehl als Zeuge geladen. Diehl ist zuständig für die beiden Privatinsolvenzen der Eheleute Bauer und sprach von einem »ungemein komplexen« Verfahren. Da Bauer über einen erheblichen Immobilienbesitz verfügt habe, der nach und nach für die Insolvenzmasse verwertet werde, könnten am Ende unter Umständen bis zu 70 Prozent aller Forderungen erfüllt werden, schätzte Diehl vorsichtig Allerdings summierten sich die Ansprüche aus den von Bauer ausgeplünderten WEG bislang auf nur rund 80 000 Euro.

 

Bei Ex-OB Haumann angestellt

Möglicherweise haben andere Geschädigte ihre Ansprüche gegenüber der Immoconslut GmbH geltend gemacht, aber das ließ sich am Mittwoch nicht klären. »Die lukrativere Insolvenz ist die private. Da können Sie unter Umständen noch richtiges Geld kriegen«, gab Nink den im Saal 15 anwesenden Geschädigten quasi einen Tipp, wo sie mit ihren Ansprüchen an der richtigen Stelle wären.

Wiedergutmachung soll Bauer übrigens auch mit seinem Gehalt betreiben, das er als angstellter Immobilienmakler der Baugesellschaft Mittelhessen erhält. Geschäftsführer der Gesellschaft ist der frühere Gießener Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann, den Nink als Zeugen für den dritten Verhandlungstag vorgemerkt hatte. Aber zu dem wird es ebensowenig kommen wie zu einer Revision, denn Staatsanwaltschaft und Verteidigung werden keine Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen.

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