06. Februar 2012, 13:28 Uhr

Universitätsorchester bietet ungetrübtes Hörvergnügen

Ungarische Komponisten bildeten einen Schwerpunkt des Semesterabschlusskonzertes am Sonntag in der voll besetzten Kongresshalle.
06. Februar 2012, 13:28 Uhr
Violinisten des Uniorchesters beim Semesterabschlusskonzert in der Kongresshalle. (Fotos: jou)

In den »Tänzen aus Galánta« von Zoltán Kodály lud das Universitätsorchester die Musik dank nuancierter Spielweise zuweilen mit schwelgerischer Stimmung auf. Universitätsmusikdirektor Stefan Ottersbach entlockte dem Ensemble eine reiche, recht harmonische Farbpalette.

Von großer Intensität waren die Höhepunkte, zudem gefielen die feinen dynamischen Abstufungen. Anklänge an Volksweisen strahlten urwüchsigen Charme aus und schienen reizvoll verarbeitet – bis hin zu dramatischen Steigerungen, die die orchestralen Möglichkeiten ausschöpften. Die beschwingten Passagen meisterte das Orchester in großer Virtuosität; fulminant der Schluss.

Das ungetrübte Hörvergnügen setzte sich beim Bratschenkonzert von Béla Bartók, einem Zeitgenossen Kodálys, fort. Die eröffnende Melodie intonierte Solist Christopher Zack mit leidenschaftlichem Ausdruck. Wenig später verdichtete sich die Bewegung, und die Musik steuerte auf erste dynamische Spitzen zu. Das Orchester agierte höchst konzentriert, ging flexibel auf den Solisten ein. Im »Adagio religioso« beeindruckte die beseelte, emotional tiefgründige Interpretation. Zack bestach durch makellose, über alle Lagen ausbalancierte Tongebung. Solist und Orchester unterstrichen im Allegro-Finale ansprechend die schroffen, derben Züge und rissen die Hörer in einen musikalischen Sog hinein; die straffe Bewegung schien fast unaufhaltsam.

Bei der Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98 von Johannes Brahms bewies das Orchester wieder einmal, dass es selbst sehr schwierigen Kompositionen gewachsen ist und dabei von Ottersbachs großer Erfahrung profitiert. Zwar fing es den Kopfsatz ein wenig zu laut an, die instrumentale Auffächerung traf es im weiteren Verlauf aber sehr überzeugend. Das Orchester nahm das Publikum in den Variationsreihen mit auf eine weite Reise, ließ die sich dahinschlängelnde Motivik sich in aller Breite entwickeln. Der Ausdruck wirkte nicht ganz so abgeklärt-ruhig wie bei einem Profiorchester, gleichwohl war es eine gelungene Interpretation, die den raffinierten formalen Aufbau anschaulich vor Augen führte. Ausgefeilt spielten die Bläser das Hauptthema des zweiten Satzes; die Streicher sorgten für gut unterstützende Pizzicatobegleitung. Insgesamt förderte das Orchester bezaubernde Schattierungen zutage, berührte mit seiner gefühlvollen, den hohen Anforderungen der Partitur gerecht werdenden Darbietung. Pfeffrig akzentuiert brachte es den dritten Satz zu Gehör, demonstrierte dabei ausgeprägten Sinn für die spaßhaften Momente und reizte die Spannung ganz aus.

Im Finale kam die eigentümliche Verbindung von barocker Passacagliaform und romantischer Orchestrierung lebendig zur Geltung. Das verblüffende interpretatorische Niveau hielt bis zum Schluss an. Für den nicht enden wollenden Beifall dankte das Universitätsorchester mit einem »Ungarischen Tanz« von Brahms als Zugabe.

Sascha Jouini

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