18. November 2009, 18:38 Uhr

Universitätsleitung räumt Studienprobleme ein

Gießen (fd). An der Justus-Liebig-Universität halten Protestler aus den Gesellschaftswissenschaften seit Montag das Institutsgebäude im Philosophikum II besetzt. Nun wird auch das Gebäude der Pädagogen bestreikt. Im Rahmen einer Vollversammlung im Audimax stellte sich Vizepräsident Prof. Joybrato Mukherjee am Mittwochnachmittag den Fragen von rund 1100 Studierenden - und räumte Probleme ein.
18. November 2009, 18:38 Uhr
Prof. Joybrato Mukherjee sprach bei der Vollversammlung zu den Studierenden, die die Proteste fortsetzen wollen - wie, steht noch nicht fest. (Foto: Schepp)

»Die Struktur des Studiums lässt uns in einem Hamsterrad laufen«, beschrieben die Betroffenen im Audimax ihre Situation. Während man sich eigentlich intensiver mit einer Thematik beschäftigen wolle, sei man in Bachelor- und Masterstudiengängen gezwungen, »sich von Klausur zu Klausur zu beißen.« Längere Regelstudienzeiten, Entstraffung der Prüfungspläne, Garantierte Master-Studienplätze, eine Erhöhung des BAföG sowie eine Verstärkung der studentischen Selbstverwaltung - die geäußerten Forderungen der studentischen Vollversammlung deckten sich mit denen ihrer Kommilitonen bundesweit.

Und bereits jetzt scheinen die bundesweiten Proteste erste Früchte zu tragen. So erklärte Bundesbildungsministerin Annette Schavan gestern der »Berliner Zeitung«: »Ich halte eine Bafög-Erhöhung für richtig und werde sie den Ländern und dem Bundeskabinett vorschlagen.« Das ist Musik in den Ohren auch der Gießener Studierenden.

Doch strukturelle und inhaltliche Veränderungen des Studiums sind Angelegenheit der hiesigen Administration, sofern die europaweiten Bologna-Richtlinien dies erlauben. Unter minutenlangem Applaus forderten die Studierenden daher mit Prof. Joybrato Mukherjee den künftigen Präsidenten der JLU auf die Bühne des Audimax, um dort Rede und Antwort zu stehen: »Wir sind an einigen Stellen über das Ziel hinausgeschossen, was die Strukturierung der Studiengänge betrifft«, räumte er ein. Dennoch warnte er davor, die »alten« Magister- und Diplom-Studiengänge zu glorifizieren: »Bei der Modularisierung handelt es sich im Prinzip um eine studierendenfreundliche Reform«, heiß es weiter. Durch die Bologna-Reformen hätten die Betroffenen ab dem ersten Tag Planungssicherheit. Die Studierenden bezeichnen diesen Wandel als »Verschulung«.

»Es ist nicht so, dass wir uns im Präsidium erst seit dieser Woche Gedanken machen, wie die modularisierten Studiengänge weiterentwickelt werden können«, erklärte er ein Verständnis für zumindest einige Aspekte der studentischen Forderungen. Seit einem Jahr sei man in »intensiven Gesprächen« mit Fachbereichen und auch Fachschaften. Es gehe dabei auch darum »Zwänge und rigide Vorschriften zu verändern, um Freiheiten erkämpfen zu können. « Viele Einzelmaßnahmen seien in diesem Zusammenhang auch bereits getroffen - allerdings greifen diese erst ab dem kommenden Wintersemester. So habe Mukherjee die Dekanate gebeten, die Anzahl der Prüfungen zu reduzieren, um einer Überbelastung der Studierenden zu entgegnen. Auch soll es den Fachbereichen ab Oktober 2010 freistehen, Prüfungsleistungen aus dem ersten Semester nicht in die Endnote einfließen zu lassen. Die Eingewöhnungsphase im neuen universitären Lebensabschnitt soll so weniger folgenschwer ablaufen können.

In welcher Form die Proteste fortgesetzt werden, steht noch in den Sternen. Im Rahmen der Vollversammlung bildeten sich zahlreiche Arbeitsgruppen, in denen das weitere Vorgehen diskutiert werden soll. Gesellschaftswissenschaftler und Pädagogen wollen ihre Institutsgebäude zunächst weiter besetzt halten und Lehrveranstaltungen verhindern. Viele Professoren dieser Fachbereiche sicherten zu, dass eine Teilnahme am Streik keine negativen Folgen für die Studierenden haben werde. Einer Forderung der Studenten an Mukherjee, diese Zusage universitätsweit von den Professoren einzufordern, kam dieser mit Verweis auf die Autonomie des Lehrpersonals nicht nach.

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