18. Juni 2009, 21:04 Uhr

Universität hofft auf weitere Förder-Millionen

Gießen (si). In der dritten Staffel des Forschungsförderungsprogramms »Loewe« hat die Justus-Liebig-Universität mit drei von vier eingereichten Projekten die nächste Runde erreicht.
18. Juni 2009, 21:04 Uhr

Sie dürfen nun Vollanträge für »Loewe-Schwerpunkte« stellen und können sich damit Hoffnung auf millionenschwere Zuwendungen machen, die Hessen im Rahmen der »Landes-Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz« verteilt. Alle drei Vorhaben sind in den Lebenswissenschaften angesiedelt. Sie sollen im kommenden Frühjahr vor Ort begutachtet werden. Die endgültige Entscheidung über die Förderung fällt voraussichtlich im Sommer 2010.

Ein Gießener Antrag zielt auf ein zu errichtendes »Zentrum für Insektenbiotechnologie«. Auf dem relativ jungen, aber wachstumsstarken Teilgebiet der Biotechnologie will eine Forschergruppe - erstmals in Deutschland - gemeinsam an den Schnittstellen von Roter Biotechnologie (hier geht es um medizinische Anwendungen von der Diagnostik bis zur Therapie), Grüner (sie fragt, wie »Eigenschaften« von Pflanzen verbessert werden können) und Weißer Biotechnologie (sie nutzt biologische Mittel für die Optimierung industrieller Prozesse) arbeiten. Entwickelt werden sollen unter anderem neue Produkte und Technologien für den Pflanzenschutz, außerdem sollen neue Enzyme für industrielle Produktionsprozesse identifiziert werden. Außerdem geht es um den Aufbau von Modellen für die ökotoxikologische Risikobewertung und die Herstellung neuer Biosensoren. Langfristig will die Universität in dem Bereich ein Fraunhofer-Institut für Bioressourcen ansiedeln. Ursprünglich hatte die Hochschule den Antrag für ein besonders lukratives Loewe-Zentrum formuliert, eingruppiert wurde er als Schwerpunkt. Sprecher ist Professor Andreas Vilcinskas, Institut für Phytopathologie und Angewandte Zoologie. Partner sind unter anderem die Fachhochschule Gießen-Friedberg und die Philipps-Universität Marburg.

Eine Runde weiter ist auch der Antrag »Vom Gen zur Kognition und Emotion: Endophänotypen in den Neurowissenschaften«. Ausgangspunkt ist die alarmierend zunehmende Verbreitung neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen. Ziel des medizinisch-psychologischen Schwerpunkts ist unter anderem, die Mechanismen der psychischen Funktionen genauer zu untersuchen, die neurologisch beziehungsweise psychiatrisch auffällig oder beeinträchtigt sind. Die Arbeitsgruppe geht davon aus, dass komplexes Verhalten zur Identifikation und Erforschung möglicher Einflussfaktoren zunächst in einzelne Komponenten zerlegt werden sollte. Als »endophänotyp« wird ein Merkmal bezeichnet, dass einerseits charakteristisch in Patientengruppen auftritt und andererseits eine erbliche Komponenten aufweist. Sprecher sind die Professoren Jürgen Hennig (Psychologie) und Manfred Kaps (Medizin), zu den Partnern gehört die Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim.

Thema des dritten Antrags ist die »männliche Infertilität bei Infektion und Entzündung«, Koordinatoren sind die Professoren Wolfgang, Weidner, Trinad Chakraborty und Andreas Meinhardt (alle Medizin). Das Projekt widmet sich also speziellen Aspekten der männlichen Unfruchtbarkeit und will hier alle wissenschaftlichen und klinischen Kompetenzen der Universitätsmedizin in Gießen und Marburg zusammenführen und fortentwickeln. Die Projektgruppe arbeitet hier auch mit der TransMIT GmbH (Gießen ) und dem Kinderwunschzentrum Mittelhessen (Wetzlar) zusammen.

Nicht in die nächste Runde kam der in den Kulturwissenschaften angesiedelte Antrag »Trans-European Studies of Culture« - ihn hatten das Gießener Zentrum Östliches Europa (GiZO) und das bei der bundesweiten Exzellenzinitiative selbst erfolgreiche »International Graduate Centre for the Study of Culture« (GCSC) gemeinsam eingereicht. Das Präsidium werde mit den Antragstellern sprechen, wie die geleistete Vorarbeit produktiv genutzt werden könne, teilte die Hochschule auf Anfrage mit.

Die Justus-Liebig-Universität hat auch noch in der zweiten Loewe-Staffel Anträge laufen, hier soll eine Entscheidung in den nächsten Wochen fallen. Darunter ist das für ein Loewe-Zentrum nominierte Projekt »Entzündliche und hyperproliferative Erkrankungen der Lunge und der Atemwege«. Hinzu kommt ein Loewe- Schwerpunkt, der sich mit der Entwicklung von neuen bio- und nanoanalytischen (»in-situ«)-Methoden für die Bereiche Gesundheit, Umwelt, Klima und Sicherheit beschäftigt. Die Fachhochschule Gießen-Friedberg ist mit einem weiteren Schwerpunkt - »Optische Technologien und Systeme« - im Rennen.

Über das Programm »Loewe« werden in diesem Jahr 50 Millionen Euro und ab 2010 jährlich sogar 90 Millionen Euro für hessische Spitzenforschung verteilt.

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