03. September 2012, 21:33 Uhr

Uniklinikum bleibt (vorerst) bei der Rhön AG

Gießen (si). Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) wird kurzfristig keinen neuen Eigentümer erhalten – das ist seit Montag klar.
03. September 2012, 21:33 Uhr
(Foto: Red)

Der Konzern Fresenius, der vier Monate lang versucht hatte, die Mehrheit beim Rhön-Konzern zu bekommen – zu dem auch das mittelhessische Uniklinikum gehört –, werde den Rhön-Aktionären »bis auf Weiteres« kein neues Übernahmeangebot unterbreiten. Das teilte Fresenius am Morgen mit. Es war der zweite Anlauf des Bad Homburger Unternehmens, sich Rhön einzuverleiben, der erste war Ende Juni gescheitert. Für die 9700 Beschäftigten des Uniklinikums, die Patienten und für die beiden Universitäten, die in Forschung und Lehre auf das Klinikum angewiesen sind, sind damit die Unsicherheiten allerdings längst nicht beseitigt.

Im ersten Anlauf hatte Fresenius eine mindestens 90-prozentige Mehrheit bei Rhön angestrebt, dann hätte der Mitbewerber voll kontrolliert werden können. Am Ende wollte sich das Unternehmen mit einer geringeren Quote zufriedengegeben. Dass nun auch dieser Plan aufgegeben wurde, lag letztlich an den Mitbewerbern der beide Konzerne, vor allem Asklepios und B. Braun. Sie hatten sich in den vergangenen Monaten über die Börse in den Rhön-Konzern eingekauft, inzwischen halten sie jeweils über fünf Prozent der Anteile. Hinzu kommen weitere Eigentümer, die nicht einfach dem Fresenius-Lager zugerechnet werden können. Die damit verbundenen Unsicherheiten seien zu groß, sagte Vorstandsvorsitzender Ulf Schneider am Montag, der das bedauerte – wie auch der Rhön-Vorstand, der sich für ein Zusammengehen mit dem etwa gleich großen Bad Homburger Konzern ausgesprochen hatte.

Die Landesregierung hielt sich am Montag mit einer Bewertung zurück. Der Rückzug von Fresenius ändere nichts an den Zielen des Landes, sagten Ministerpräsident Volker Bouffier, der sich offen für ein Zusammengehen von Rhön mit Fresenius ausgesprochen hatte, und Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann – die sogar die Meinung geäußert hat, am Uniklinikum Gießen und Marburg sei »jeder Eigentümer besser als Rhön«. Im Klinikum müssten Forschung und Lehre gesichert, die Patienten optimal versorgt und Arbeitsplätze erhalten werden, sagten beide in einer gemeinsamen Presseerklärung. Bouffier und Kühne-Hörmann wollen einen »deutlich verbesserten Informationsfluss zwischen dem Land und der Rhön AG« ausgemacht haben – nachdem die Stimmung im Frühjahr am Tiefpunkt war, weil Rhön ohne Rücksprache mit der Landesregierung die Streichung von 500 Arbeitsplätzen am Klinikum angekündigt hatte.

Die Gespräche mit allen Beteiligten, auch den Präsidenten der Universitäten und den Dekanen der Medizinfachbereiche sowie mit den Betriebsräten und der UKGM-Führung liefen. Das Land werde weiter seine Einflussmöglichkeiten geltend machen, sagten die CDU-Politiker. Offen ist nach wie vor, ob sie Pläne verfolgen, den fünfprozentigen Anteil des Landes am Klinikum aufzustocken.

Die SPD sprach von einem »persönlichen GAU« für Bouffier, da dieser die Fresenius-Übernahme als seine Initiative reklamiert habe. Die Grünen forderten die Regierung auf, umgehend ein Konzept für das UKGM vorzulegen. Die Linke vermutete, dass die »Hängepartie« für die Beschäftigten nun weitergehe. Die Gewerkschaft ver.di verlangte von der CDU/FDP-Regierung, ihre »Untätigkeit« aufzugeben. Die FDP bedauerte die Fresenius-Absage und plädierte dafür, die Streitschlichtung am Klinikum mit den eingesetzten Mediatoren fortzusetzen.

Der Gießener Betriebsratvorsitzende Klaus Hanschur sagte der Gießener Allgemeinen Zeitung, für die Beschäftigten werde sich mit dem gescheiterten Übernahmeversuch vorläufig gar nichts ändern. Die Mitarbeiter fühlten sich als »Spielball der Kapitalinteressen«. Mit Entscheidungen zum künftigen Kurs des Klinikums rechnet Hanschur frühestens im Oktober, wenn die Unternehmensberatung McKinsey ihren Bericht zum Klinikum vorlegen wird.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Arbeitnehmer
  • Die Linke
  • Eva Kühne-Hörmann
  • FDP
  • Fresenius
  • Fresenius SE & Co. KGaA
  • McKinsey
  • SPD
  • Universitätsklinikum Gießen und Marburg
  • Ver.di
  • Volker Bouffier
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos