18. Juli 2019, 14:00 Uhr

Justus-Liebig-Universität

Uni Gießen greift ihr »Sparbuch« an

Das finanzielle Jahresergebnis der Uni Gießen war zuletzt leicht positiv. Jetzt führen Gebäudesanierungen aber zu einem Minus im Jahresabschluss 2018. Das ist gewollt, teilt die Uni mit.
18. Juli 2019, 14:00 Uhr
Unter anderem in die Sanierung des Audimax hat die Justus-Liebig-Universität im vergangenen Jahr eigenes Geld gesteckt. (Archivfoto: Schepp)

Das finanzielle Jahresergebnis der Justus-Liebig-Universität war zuletzt leicht positiv, nun ist es ins Minus gerutscht. »Das ist geplant«, erklärt Kanzlerin Susanne Kraus, die den Abschluss für das Jahr 2018 nun dem Senat vorlegte. Die Hochschule habe ihre Gewinnrücklagen - sozusagen das »Sparbuch« - angegriffen, um die Aufgabe anzugehen, »die uns am meisten drückt«, nämlich die Sanierung älterer Gebäude. Auch in diesem Jahr werde die JLU diese Linie verfolgen, um die lange Prioritätenliste möglichst zügig anzugehen. Die erfreuliche Nachricht: Die Erträge sind deutlich gestiegen, vor allem dank zusätzlicher Drittmittel.

Wie »Kostensteigerungen« entstehen

Hier bröckelt die Fassade, dort röchelt die Lüftung, da regnet es hinein: 60 Prozent der Flächen seien in sanierungsbedürftigem Zustand, so Kraus. Was passieren kann, wenn man Erneuerungen auf die lange Bank schiebt, zeigte sich im Juni im Heinrich-Buff-Ring: Weil die Notbeleuchtung ausfiel, musste die Zweigbibliothek Naturwissenschaften teilweise geschlossen werden, Mitarbeiter brachten Taschenlampen mit.

»Trotz der enormen Investitionen des Landes reichen die uns zugewiesenen Baumittel nicht aus«, stellt Kraus fest. Eine funktionierende und ansprechende Infrastruktur sei wichtig, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Erfolge in der Drittmittel-Einwerbung zögen oft weiteren Baubedarf nach sich, weil die Forscher Räume und Geräte brauchen.

Im vergangenen Jahr habe das Präsidium insbesondere bei drei Bauvorhaben eigene Mittel eingesetzt, nämlich bei der Sanierung des Audimax und der Pferdeklinik sowie beim Neubau des Lungenforschungszentrums CIGL. Letzteres illustriere grundsätzliche Probleme der »Haushalts-Arithmetik«, erläutert Guido Eisfeller, Referent für bauliche Entwicklungsplanung. Vermeintliche Kostensteigerungen entstünden häufig, weil die Planer vorhersehbare Verteuerungen - etwa durch Inflation oder die derzeit extremen Kostensteigerungen am Bau - nicht mit einrechnen dürften. Bei der Umsetzung drei, vier Jahre später werde aus einem Zehn-Millionen- fast unvermeidlich ein Elf-Millionen-Projekt. Das liege auch daran, dass Vorschriften für Brandschutz oder Energieeinsparung ständig verschärft werden.

»Einen gewissen Notgroschen behält man«, betont Kraus. Aus Sicht des Landes seien die Rücklagen bisher sogar etwas zu hoch gewesen. Sie sollen höchstens 30 Prozent der Zuweisungen des Landes für laufende Zwecke betragen, diese Quote wurde nun erreicht.

Die unschön besprühte alte Universitätsbibliothek lässt sich wegen Asbestbelastung nicht einfach reinigen. Für die Sanierung habe die Uni beim Land eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, erklärt Eisfeller. »Der planerische Prozess ist angestoßen.«

Erfreut ist die Universität über die deutlich gesteigerte Drittmitteleinwerbung in einem »hochkompetitiven Wettbewerb«. Herausragendes Beispiel sei der Erfolg bei der Exzellenzstrategie.

»Die Ergebnisse der derzeit laufenden Hochschulpaktverhandlungen mit dem Land bilden die Grundlage für unsere weitere Finanzplanung«, sagte die Kanzlerin. Insbesondere die zusätzlichen Herausforderungen der Digitalisierung brächten einen erhöhten Finanzierungsbedarf für die Hochschulen mit sich.

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