Stadt Gießen

Umweltzone kommt vorerst nicht nach Gießen

Anders als ursprünglich geplant wird Gießen vorerst keine Umweltzone einrichten, in der nur PKW mit grüner Plakette fahren dürfen. Die Bürgermeisterin nennt Gründe.
31. Mai 2017, 12:02 Uhr
der Redaktion
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Zunächst war eine Einführung für spätestens 2018 geplant. (Foto: Richter/Montage: Engel)
Wie Bürgermeisterin und Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich mitteilt, wird es in Gießen vorerst keine Umweltzone geben. "Das Instrument der Umweltzone, in das nur PKW mit grüner Plakette einfahren dürfen, ist ungeeignet, die Werte für Stickstoffdioxide zu senken. Der Grund ist erschreckend: Nach aktuellen Untersuchungen des Umweltbundesamts überschreiten Diesel-PKW mit grüner Plakette die Grenzwerte für Stickstoffdioxid deutlich stärker als bislang angenommen. Dies ist die Folge der von der Autoindustrie manipulierten Diesel-Messwerte."

Zunächst war eine Einführung für spätestens 2018 geplant.

Der Sachverhalt sei der Stadt durch das Hessische Umweltministerium mitgeteilt worden. Eine Umweltzone mit der grünen Plakette würde demnach keine Verringerung der Stickoxidbelastung bringen. Damit korrigiert das Ministerium seine bisherige Berechnung, die eine Reduzierung um 0,5 bis 1 µg/m3 durch die Umweltzone prognostiziert hatte.

"Damit ist die Stadt Gießen auch unmittelbar vom Diesel-Skandal betroffen", stellt Bürgermeisterin Weigel-Greilich fest. "Wir müssen jetzt verstärkt andere Maßnahmen ergreifen. Wir setzen große Hoffnungen auf das hessische Schülerticket und das Jobticket für Landesbedienstete. Wir ermutigen alle Nutzer, vom Auto auf den Bus umzusteigen."

Darüber hinaus plant die Stadt weitere Maßnahmen, um den motorisierten Individualverkehr in der Stadt zu reduzieren,wie es heißt. Als Beispiel wird hier die Verbesserung und Ausweitung des Angebots an Stadtbussen genannt.

"Falls diese Schritte keinen Erfolg haben, droht uns ein gerichtlich angeordnetes Einfahrverbot für Dieselfahrzeuge wie z. B. in Stuttgart. Das wollen wir für unsere Bürgerinnen und Bürger verhindern", versichert die Bürgermeisterin.

"Auf Bundesebene hilft uns nur die Einführung einer speziell auf Stickstoffdioxide bezogenen Blauen Plakette", ergänzt Weigel-Greilich. Trotz aller Anstrengungen für eine bessere Luftqualität würde es ohne diese Plakette schwer, die Grenzwerte für Stickstoffdioxid einzuhalten. Andere Städte seien noch viel härter getroffen als Gießen. Deshalb sei die Forderung des Deutschen Städtetags nach einer kurzfristigen Einführung einer Blauen Plakette absolut richtig.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Umweltzone-kommt-vorerst-nicht-nach-Giessen;art71,263119

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