07. August 2019, 21:40 Uhr

Umbau bei der Wohnbau

Der Einstieg in den Neubau weiterer Sozialwohnungen ist geschafft, der Umbau des Mieterservices läuft: Das sind die zentralen Botschaften des Geschäftsberichts 2018 der Wohnbau GmbH. Deren Geschäftsführer Reinhard Thies und die Gießener Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz zeigten sich beim Pressegespräch stolz auf das, was das Unternehmen leiste.
07. August 2019, 21:40 Uhr
al-khanak_khn
Von Kays Al-Khanak
Die Wohnbau-Zentrale in der Ludwigstraße. (Foto: Schepp)

Der Vorsitzende des Mietervereins Gießen, Stefan Kaisers, hat in der Vergangenheit die Wohnbau GmbH immer wieder in die Mangel genommen. Gerade bei den Geschäftsberichten sparte er selten mit Kritik. Das ist seine Aufgabe als Vertreter der Mieter. In seiner Analyse des Berichts für das Jahr 2018 finden sich aber auch lobende Worte. Ob es daran liegt, dass es der letzte Geschäftsbericht aus der Feder des scheidenden Wohnbau-Gesschäftsführers Reinhard Thies ist? Wohl kaum. Aber es ist die Anerkennung dafür, dass das Wohnungsunternehmen nicht darauf gepolt sei, »eine maximale Geschäftsrendite zu erwirtschaften«, wie Kaisers schreibt. Das hängt laut Thies mit dem Leitbild der Wohnbau zusammen - »Wir bauen Nachbarschaft«: »Wir gewährleisten den sozialen Wohnungsbau und stabilisieren das Miteinander in den Quartieren«, sagte er jetzt im Rahmen eines Pressegesprächs, bei dem er zusammen mit Gießens Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz den Geschäftsbericht für 2018 vorstellte.

Neue Sozialwohnungen entstehen

Jeder sechste Gießener wohnte mit Stand 31. Dezember 2018 in einer der 7121 Wohnungen der Wohnbau GmbH, die zu 100 Prozent eine Tochter der Stadt Gießen ist. Es gab im vergangenen Jahr über 2330 Haushalte, die bei der Wohnbau eine Bleibe angefragt haben. Damit einher geht eine besondere Verantwortung. »Wohnen ist Daseinsvorsorge«, sagte Grabe-Bolz. Die dürfe sich aber nicht nur darauf beschränken, vorhandene Immobilien in Schuss zu halten. Vielmehr müssen neue Sozialwohnungen gebaut werden; im Koalitionsvertrag haben SPD, CDU und Grüne vereinbart, bis 2021 400 davon zu schaffen. Das wird eng; aber der Anfang, betont Grabe-Bolz, sei gemacht.

Thies zählte auf: Die Wohnungen in der Fuldastraße 6 bis 8 seien noch in diesem Jahr fertig. In der Margaretenhütte sollen 20 neue Wohnungen entstehen, im Trieb sei ein fünfstöckiges Haus »baureif«. Hinzu kommen 107 neue Wohnungen auf dem Motorpool-Gelände und weitere 50 am Alten Flughafen; gestern unterschrieb Thies den Kaufvertrag. Auch in der Weserstraße ist der Neubau von 50 Wohnungen in Zusammenarbeit mit der Arbeiterwohlfahrt geplant. Der Mieterverein nennt diese Entwicklung »löblich«, betont aber, der Zuwachs gleiche den Wegfall von vorhandenen Sozialwohnungen nicht aus. Die durchschnittliche Miethöhe liegt bei 5,50 Euro pro Quadratmeter. Bei einem Neubau ist der Mietpreis auf 6,50 bis 6,80 Euro pro Quadratmeter begrenzt.

2017 stand unterm Strich des Geschäftsberichts ein Gewinn von knapp 1,9 Millionen Euro. 2018 gab es ein Minus von rund 240 000 Euro. Thies begründet dies mit dem Verlust des Mieterservices von 673 000 Euro. Vor zwei Jahren hatten sich Stadt und Wohnbau GmbH das »Sorgerecht« für das vor 17 Jahren gegründete Tochterunternehmen geteilt; mittlerweile gehört es zu 100 Prozent zur Wohnbau. Die Palette der Handwerks- und Dienstleistungen reicht von Kleinreparaturen über die Pflege von Garten- und Außenanlagen bis hin zur Komplettsanierung am Gebäudebestand der Wohnbau.

Ein Grund für die hohen Kosten ist die Anzahl der Mitarbeiter: 150 Angestellte gab es beim Mieterservice, als die Wohnbau das Unternehmen komplett übernahm. »Damit ist es zu ambitioniert ausgestattet«, sagte Thies. Ziel müsse es sein, das Tochterunternehmen schlanker zu machen, und zwar auf einem »sozialverträglichen« Weg, ohne Mitarbeiter zu entlassen. Mittlerweile ist die Zahl auf 120 gesunken. Ziel müsse es aber sein, sagt Thies, auf 70 bis 80 Mitarbeiter zu kommen und gleichzeitig Hochqualifizierte zu halten. Denn die werden verstärkt von Unternehmen aus der freien Wirtschaft abgeworben. Grabe-Bolz betonte in diesem Zusammenhang, der Mieterservice stehe nicht infrage. Laut Thies sei der Plan, in Zukunft nur noch kleinere Arbeiten dort abwickeln zu lassen. Außerdem sei eine engere Verzahnung mit der Wohnbau GmbH vorgesehen.

Wenn es nach dem Vorsitzenden des Mietervereins, Stefan Kaisers, ginge, würde es bei der ansonsten positiven Vermögenslage der Wohnbau nicht schaden, wenn die Stadt als Eigentümerin auf die Auszahlung der jährlichen Dividende von 365 000 Euro verzichten würde. Bei dem Betrag, betonte Thies, handele es sich um den Pflichtrahmen, der durch die hessische Gemeindeordnung vorgegeben sei. Grabe-Bolz fügte hinzu, in Zeiten des kommunalen Schutzschirms habe das Land gefordert, auch diesen Betrag zu erhöhen, um damit Schulden abzubauen. Dem sei die Stadt im Hinblick auf die Rolle der Wohnbau aber nicht nachgekommen.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos