14. März 2011, 21:40 Uhr

Über 800 Menschen gedenken der Opfer in Japan

Gießen (pd). Über 800 Menschen haben am Montagabend mit einer Schweigeminute der vielen Opfer der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in Japan gedacht.
14. März 2011, 21:40 Uhr
800 Menschen demonstrierten auf dem Berliner Platz für den Ausstieg aus der Atomkraft. (Foto: Schepp)

Bei der anschließenden halbstündigen Mahnwache am Berliner Platz forderten die Demonstranten mit »Abschalten, abschalten«-Sprechchören angesichts der sich zuspitzenden Lage in der schwer beschädigten Atomanlage Fukushima den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie auch in Deutschland. Doch nicht nur während der Mahnwache waren die Gedanken bei den Menschen in Japan. Auch in Schulen und Unternehmen war die Situation in Asien das beherrschende Thema.

Mit Kerzen und Transparenten (»Die Jugend dankt für eine strahlende Zukunft«, »Aussetzen = Aussitzen bis zur Wahl«) unterstrichen die Teilnehmer der Mahnwache am Berliner Platz, zu der auch lokale Polit-Prominenz wie Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich, SPD-Stadtverbandsvorsitzender Gerhard Merz und Grünen-Fraktionsvorsitzender Dr. Wolfgang Deetjen gehörte, die Abschaltung der Atomkraftwerke. Dieser Forderung soll künftig jeden Montag um 18 Uhr an gleicher Stelle Nachdruck verliehen werden.

Luka Ullrich von der Grünen Jugend, die die Mahnwache kurzfristig gemeinsam mit dem BUND, Attac und anderen Gruppen organisiert hatte, machte sich ebenso für eine sofortige Abkehr von der Nuklearenergie stark wie Gerhard Keller (»Leben nach Tschernobyl«). »Es ist jetzt nicht die Zeit zu schweigen oder Dinge auszusitzen, wie unsere Politiker es vorhaben«, sagte Keller. Man müsse alles dafür tun, »dass dieser Mist endlich aufhört«. Auch der hessische Juso-Vorsitzende Felix Diehl sprach sich für eine »Energiewende vor Ort« aus.

Bereits am Samstag hatten besorgte Menschen in Grünberg mit Transparenten und Theaterelementen demonstriert. Auf Spruchbändern und mit Straßenmalkreide hatten sie sich auf dem Marktplatz gegen Atomstrom gewandt.

Erleichterung stellte sich dagegen bei den rund 230 Mitarbeitern von Canon in Gießen ein. Die neun japanischen Angestellten des Unternehmens konnten nach Kontaktaufnahme mit den Familien in der Heimat berichten, dass sämtliche Angehörigen die Katastrophe unbeschadet überstanden haben, sagte Canon-Sprecherin Harue Zipse-Utsunomiya auf Anfrage. Allerdings seien in einem Werk des Mutterunternehmens 100 Kilometer nördlich von Tokio zwölf Mitarbeiter leicht verletzt worden.

Auch an heimischen Schulen drehten sich gestern viele Gespräche um die Katastrophe in Japan. »Das geht nicht sang- und klanglos an den Schülern vorbei«, sagte Heribert Ohlig. Der Direktor der Gesamtschule Gießen-Ost berichtete, dass die Schülerverwaltung der GGO Geld gesammelt habe für die Opfer in Asien. Außerdem sei eine Unterschriftenaktion gegen Kernkraft gestartet worden. An der Liebigschule werde überlegt, die Einnahmen des geplanten Sommerfestes den betroffenen Menschen in Japan zukommen zu lassen, sagte Direktor Dr. Carsten Scherließ. An Grundschulen sind die Ereignisse in Japan ebenfalls ein Thema. »Es gab zahlreiche Fragen und Ängste« schilderte Goethe-Schulleiterin Heide Kausch den gestrigen Schultag. Darüber habe man mit vielen Schülern gesprochen.

Aus Gießen und Grünberg seien bisher keine Helfer des Technischen Hilfswerks für das betroffene Gebiet in Japan angefordert worden, sagte die stellvertretende THW-Geschäftsführerin Stefanie Lauber. Nur aus Biedenkopf seien THW-Kräfte auf dem Weg nach Asien.

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