14. Februar 2010, 21:28 Uhr

Über 600 Menschen amüsierten sich bei GFV-Prunksitzung

Gießen (srs). Lametta und Luftballons flogen durch den Saal. Über 600 Menschen in der vollen Kongresshalle schunkelten, klatschten, sangen. »Da wackelt die Wand«, die inoffizielle Hymne der Gießener Fastnachter, erklang von der Bühne - zum Finale nach einem vier Stunden währenden Programm voller Tanz, musikalischer Beiträge und Büttenreden. Unbestreitbarer Höhepunkt der Großen Prunksitzung der Gießener Fassenachts-Vereinigung (GFV) am Samstagabend war indes der Auftritt des »Schlammbeisers« Axel Pfeffer.
14. Februar 2010, 21:28 Uhr
Akrobatische Einlagen bot das GFV-Tanzpaar Jennifer Ruckelshausen und Marco Hofmann.

Und nachdem er im letzten Jahr pausiert hatte, waren entsprechend um so mehr lokale Geschehnisse und Begebenheiten mit scharfer Zunge sowie stets einem Augenzwinkern aufzuarbeiten. Zum überwiegenden Teil gestalteten Formationen der GFV die Prunksitzung.

Die Lichter im Saal erloschen. Nach drei Gongschlägen öffnete sich der Vorhang. Zur Eröffnung marschierten der Elferrat und Sitzungspräsident Werner Nohl in den Saal - und die Jüngsten der Gießener Fassenachter: die Kadetten. In bunten, vor Farben geradezu sprühenden Kostümen mit blauen, gelben und grünen Perücken auf dem Kopf boten sie den jubelnden Gästen unter dem Titel »Der Traum des Clowns« zum Schlager »Oh, mein Papa« den ersten Auftritt des Abends. Mit Trommel- und Paukenwirbel sowie Posaunenklängen spielte anschließend das Musikcorps Großen-Linden in Harlekin-Kostümen auf. »Ich habe gehört, das Musikcorps soll beim nächsten Neujahrskonzert im Stadttheater gastieren«, scherzte Sitzungspräsident Nohl anschließend.

Dann zog schließlich das Prinzenpaar samt Hofstaat in den Saal. »Ich bin überwältigt«, erklärte Prinz Heiko II. auf der Bühne und zog wenige Tage vor Aschermittwoch ein erstes kleines Resümee der Kampagne. »Wir haben so viele nette Menschen kennengelernt, so viel erlebt, so viel gelacht und so viel geweint - vor Freude«, sagte er. Den treuen Begleiter auch des diesjährigen 50. Prinzenpaars, Thomas Hofmann, ernannte Heiko II. feierlich zum Generalobersthofmarschall.

»Oink, oink«, grunzten dann die Sänger der »Gruppe Heinrich« ins Publikum und besangen etliche Schweinereien. Zur Melodie von »Skandal im Sperrbezirk« beispielsweise stimmten sie ein Lied auf den vor drei Wochen mit 140 000 Euro Falschgeld auf der Autobahn verhafteten Gießener Friseur an: »Im Seitenaufprallschutz versteckt, hat viele Blüten man entdeckt. Nun schneidet er die Haare halt - in der Justizvollzugsanstalt.« Als die Presse von der Festnahme eines 49-jährigen Gießener Geschäftsmanns berichtetet habe, so erzählte einer der Musiker im Scherz, seien ihm so einige heimische 49-jährige Unternehmer aus der Fußgängerzone aufgefallen. »Die sind doch den Seltersweg hoch und runter gelaufen. Da hat nur noch das Transparent gefehlt mit der Aufschrift ›Ich war’s net‹.«

Erinnerungen an die Musik der achtziger Jahre weckten die »Proseccos« der GFV. Zu Liedern der Neuen Deutschen Welle wie »Ich will Spaß«, »Kleine Taschenlampe brenn« und »Bruttosozialprodukt« hatten sie sich kleine Showeinlagen einfallen lassen. Während sie beispielsweise »Codo« intonierten und auf ihrem »Himmelsritt im Sauseschritt« die Liebe besangen, hielten sie rote Herzen aus Pappe in die Höhe.

Für viele Lacher sorgten in der Bütt Schorsch Eger aus dem Rheingau als Winzer sowie in einem Sketch Horst Siegholt und Horst Stresemann, die mit höchst unterschiedlichem Fantasievermögen über das Reisen im Zug sinnierten. »Ich fahre in ein Land, wo es warm ist und wo es scharfe Sachen gibt«, verriet Stresemann. Und erntete die Antwort: »Wahrscheinlich, wo der Pfeffer wächst.«

Mit tänzerischen Einlagen unterhielten die Möhnen, die zum Lied »Que sera« ihre Besen schwangen, außerdem das Tanzpaar der GFV Jennifer Ruckelshausen und Marco Hofmann sowie die Midigarde. Als der Sitzungspräsident verriet, dass mit Jette Brückel eine der Midis am Samstag ihren zwölften Geburtstag feierte, stimmte das Publikum ein Ständchen an. Die drei Tanzmariechen Annika Hain sowie Elena und Stefanie Fischer bewegten sich zu den Klängen der US-amerikanischen Nationalhymne. Danach flossen Tränen auf der Bühne: für die drei Tänzerinnen war es vorerst der letzte Auftritt auf der Bühne, da Annika Hain für ein Jahr zu einem Praktikum nach England zieht.

Dann wurde es finster im Saal. Auf der Bühne reihten sich Künstler auf, die bunte Lichtröhren und leuchtende Bälle bewegten und so ein Spiel aus Farben kreierten. Bis am Ende nur noch das Zepter des Prinzen im Dunkeln leuchtete. Nach ihrem Auftritt gaben sie sich unter anderem als das aktuelle Prinzenpaar und jenes des letzten Jahres zu erkennen.

Stefan Wohlfahrth und Kaan Enis Bülte unterhielten mit einem musikalischen Jahresrückblick. Für ein fulminantes Finale sorgte Bärbel Nohl unter anderem mit Liedern wie »Ich schenk dir ein Schloss« und »Da wackelt die Wand«. Musikalisch umrahmten den Abend die Gruppen »Nobody is perfect« und »Simply Good«.



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