13. April 2018, 21:46 Uhr

Über 1500 Menschen beraten

13. April 2018, 21:46 Uhr
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Aus der Redaktion
Stefan Port (r.) kennt die Situation der Menschen in der Nord- und Weststadt sehr gut. Viele seiner Klienten haben deshalb zu ihm ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. (Foto: pm)

Wird die gewünschte Wohnung vom Amt bezahlt? Wie beantragt man die Übernahme der Kosten für die Klassenfahrt der Kinder? Was steht in dem Hartz-IV-Bescheid? Stefan Port weiß Antwort auf solche Fragen. Über 1500 Kunden des Jobcenters Gießen hat der Experte in den vergangenen fünf Jahren zu Fragen rund ums Arbeitslosengeld II beraten. Das Besondere daran: Diese Beratungen finden ausnahmsweise nicht im Amt statt, sondern in den Quartieren der Gemeinwesenarbeit in der Nord- und Weststadt. Das Angebot des Jobcenters ist damit eine Erfolgsgeschichte: »Unsere Erwartungen haben sich voll erfüllt«, bilanziert Stadtteilmanager Lutz Perkitny vom Nordstadtverein Gießen.

Stefan Port kennt die Situation in den beiden Gießener Stadtteilen sehr gut. Er führt im Jobcenter Gießen seit vielen Jahren das Leistungsteam, das für die Betreuung der Arbeitslosengeld-II-Empfänger aus Nord- und Weststadt zuständig ist. Er sagt: »Innerhalb der gewohnten Umgebung fassen viele Menschen eher Vertrauen als in den Räumen einer Behörde, es ist für sie quasi ein Heimspiel.« Zudem kämen bei Bedarf auch Sozialarbeiter zu den Beratungen hinzu, die später auch bei den Terminen im Jobcenter eine Schlüsselfunktion übernehmen können.

Wie Ulrike Ess. Die Sozialpädagogin, die in der allgemeinen Lebens- und Sozialberatung tätig ist, meint: »Es ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Das Angebot des Jobcenters Gießen ist zum festen Bestandteil der Sozialarbeit im nord- und weststädtischen Gemeinwesen geworden.«

Mittwoch, 13 Uhr, im Büro des Gießener Nordstadtzentrums. Stefan Port hat sich gerade mit seinem Laptop Zugriff auf die Datenbanken des Jobcenters verschafft, da klopft der 62-jährige Bernd an die Tür. Sein Vermieter hat das Mietverhältnis gekündigt. Bernd will jetzt aus einer Kreiskommune in das Nordstadtviertel umziehen und hat Fragen: »Wie groß darf die Wohnung in Gießen sein? Was ist mit der Kaution?«

Geduldig erläutert Stefan Port die Richtlinien des Landkreises Gießen, er macht sich Notizen und verspricht, dem zuständigen Kollegen im Leistungsteam den Sachverhalt zu übergeben. Bernd bedankt sich zufrieden: »Ich finde es klasse, dass es so eine Sprechstunde gibt und man jemanden praktisch ›zum Anfassen‹ hat«, meint der 62-Jährige.

Eine ganz andere Frage beschäftigt eine Schülerin, die gemeinsam mit ihrer Mutter um Rat sucht. Die junge Frau beginnt im Herbst eine Ausbildung. Sie hat die Stelle fast sicher, müsste im gewünschten Berufsfeld aber hessenweit mobil sein. Also fragt sie nach Fördermöglichkeiten zum Erwerb eines Autoführerscheins. Eigentlich ein typischer Fall für die Integrationsfachkräfte im Jobcenter. Aber Leistungsexperte Port schickt selbstredend keinen Menschen weg, ohne ihm weitergeholfen zu haben. Daher erläutert der Teamleiter der jungen Frau zunächst die aktuellen Fördervoraussetzungen und zeigt ihr, mit welchen Unterlagen sie beim zuständigen Arbeitsvermittler vorsprechen soll. Dieser werde sich dann um das Anliegen kümmern. Mit einem »vielen Dank für die freundliche Auskunft«“ verabschieden sich Mutter und Tochter.

Von Vorbehalten gegenüber dem Jobcenter ist bei den Gesprächen nichts zu spüren. Ulrike Ess bestätigt: »Die Klienten sind sehr zufrieden. Sie erleben ihren Berater als kompetent, freundlich und unterstützend. Einige Menschen kommen regelmäßig, sie haben ein Vertrauensverhältnis aufgebaut.«

»Die Themen ähneln sich, aber trotzdem ist jeder Fall anders. Es ist jedes Mal eine neue Herausforderung«, sagt Port, der vor über fünf Jahren die Idee hatte, ein »Angebot bei den Menschen vor Ort zu etablieren« und damit bei Jobcenter-Geschäftsführer Wolfgang Hofmann offene Ohren fand. »Wir unterstützen gerne die Arbeit der Quartiersmanager«, betont Hofmann. Er sieht mit diesem Angebot, »das wir aber leider noch nicht auf weitere ähnlich strukturierte Zentren im Landkreis ausweiten können«, auch den Dienstleistungscharakter seiner Behörde gestärkt. Zudem erhielten die Teams im Jobcenter wertvolle Eindrücke für die tägliche Arbeit mit den Menschen aus Vierteln mit ähnlichen sozialen Strukturen.



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