05. März 2018, 11:47 Uhr

»Tulpen, die keine Blumen sind«

05. März 2018, 11:47 Uhr
Im Gemälde »CCTV« verbindet Jonas Fahrenberger (links) zwei Fotos zu einem Bild – im Vordergrund ein Überwachungsfoto der G7-Krawalle in Hamburg, im Hintergrund ein Haus in Göttingen. In Jens Bleckmanns Werk »Schiffsmeer« (r.) türmen sich mehrere Segelschiffe vor einem aufgewühlten Meer. (Fotos: sue)

»Auf den ersten Blick ist das Verbindende der beiden Künstler ihre Arbeit mit Schwarz und Weiß«, so näherte sich die Gießener Kunsthistorikerin Susanne Ließegang in ihrer Laudatio den Werken von Jens Bleckmann und Jonas Fahrenberger. Dass die ansonsten sehr unterschiedlichen Kunstwerke jedoch eine ganz eigene Tiefe besitzen, davon konnten sich die Ausstellungsbesucher am Freitag bei der Vernissage der Ausstellung in der Galerie 23 überzeugen. Es ist ein Zusammenprall zweier Kunststile und zweier Künstlergenerationen.

Die Kuratorin der Ausstellung »Von Tulpen, die keine Blumen sind«, Andrea Lührig, hat bei der Auswahl der Künstler durchaus ein glückliches Händchen bewiesen, denn der Besucher erlebt genau das: Er entdeckt in den Werken Dinge, die sich jeder Einordnung entziehen, sei es durch grafische Brechungen von scheinbaren Perspektiven in Bleckmanns Zeichnungen oder durch die Verhüllung plakativ aufgetragener Farbe mit einer Plastikplane in Fahrenbergers Gemälden. Und so hält die Ausstellung, was sie verspricht: Meint man Tulpen zu entdecken, so sind es hier keine Blumen.

 

Noch bis 9. Juni zu sehen

Auf der einen Seite des Gewölbekellers hängen in weiße Rahmen gefasste Grafiken von Jens Bleckmann (49). Oftmals ist es schwer mit Bestimmtheit zu sagen, wo hier oben und wo unten ist. Je nach Abstand des Betrachters lösen sich seine Bilder in Fragmente auf oder finden sich zu einem wilden Durch- und Nebeneinander zusammen. Grazile Linien, mit einem schwarzen Fineliner auf Papier gebracht, verschwimmen zu Figuren oder Gebäudeteilen, brechen sich aber und verweigern sich letztlich jeder räumlichen Logik.

Bleckmann arbeitet seit Ende 2010 in dem von der Lebenshilfe betriebenen Atelier 23 und stellt seine Werke nicht zum ersten Mal in der Galerie aus. In der neuen Ausstellung präsentiert der Künstler zwölf neue Arbeiten, alle ein Spiel in Schwarz und Weiß und mit grafischen Elementen, die sich hin und wieder um bunte Zeitungscollagen weben.

Auf der anderen Seite hängen sechs großformatige Gemälde, auch sie vorwiegend in Schwarz und Weiß gehalten. Jonas Fahrenberger (22), in Gießen aufgewachsen, ist Kunststudent in Offenbach und auch er ist trotz seines jungen Alters in der Gießener Kunstszene kein Unbekannter. Seine hier ausgestellten Arbeiten sind mal figurativ, mal abstrakt. So verhüllt ein Gemälde mit einer bräunlichen »Mülltüte« eine mit großen Pinselstrichen aufgetragene Farbfläche aus weiß, schwarz und grau. Durch die Folie schimmert die Komposition in einem ganz eigenen Licht. Ein anderes in schwarz gehaltenes Gemälde verstört den Betrachter mit einer perfekten schwarzen Fläche, deren Leinwand jedoch durch Knitterspuren das Licht bricht.

In seinen figurativen Werken bringt Fahrenberger, der auch als Tätowierer arbeitet, oft Fotos zusammen, die er zu neuen Bildebenen vereint, so in seinem Werk »CCTV«: Zu sehen sind hier zwei Vermummte der Hamburger Krawalle vor einem historistischen Gebäude, das überall stehen könnte.

Beide Künstler haben eine eigene Handschrift. Beide regen mit ihren Werken zum Hinschauen und Hinterfragen des Gesehenen an. Durch ihre Andersartigkeit setzen sie Kontrapunkte, hinterfragen die Wirklichkeit und lassen dadurch den Ausstellungsbesuch zu einem Erlebnis werden.

 

Die Werke sind noch bis 9. Juni in der Galerie 23 im Seltersweg 55 zu sehen.

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