28. Juni 2017, 11:00 Uhr

Prügelei

Tritte gegen am Boden liegendes Opfer »schäbig«

Zwei Männer, die in der Galerie Neustädter Tor einen Ladenbesitzer zusammenschlugen, sind verurteilt worden. Spielte der Konflikt zwischen Türken und Kurden eine Rolle?
28. Juni 2017, 11:00 Uhr

Unweit des eigenen Ladens zusammengeschlagen, mitten in einem Einkaufszentrum. Was einem 41-Jährigen kurz vor Weihnachten 2015 in der Galerie Neustädter Tor widerfuhr, klingt erschreckend. Für den Staufenberger selbst war es vor allem schmerzhaft. Er verlor einen Schneidezahn und trug eine aufgeplatzte Lippe sowie Prellungen davon. Die Täter wurden am Dienstag von einem Schöffengericht des Gießener Amtsgerichts wegen Körperverletzung verurteilt. Ein 25-Jähriger erhielt sieben Monate Haft auf Bewährung, sein drei Jahre älterer Bruder muss 800 Euro Strafe zahlen.

Einen wirklichen Grund für diesen Gewaltausbruch vermochten die Richter nicht zu finden. Ob es schlicht daran lag, dass das Opfer ein Kurde aus Syrien war, die beiden Angeklagten hingegen Türken, blieb ebenso unbeantwortet. Dabei war es schwierig gewesen, geeignete Dolmetscher zu finden.

 

Sprachen-Wirrwarr

 

Der für weitere Zeugen geladene Türkisch-Übersetzer war für das Opfer keine Hilfe, da der 41-Jährige Kurdisch und Arabisch sprach. Sein Deutsch hielt das Gericht für zu schlecht, um den Sachverhalt konkret schildern zu können. Eine Kurdisch-Dolmetscherin scheiterte jedoch ebenfalls, weil sie nur das in der Türkei gesprochene Kurdisch beherrschte, und es deshalb Verständigungsschwierigkeiten gab. Als um 15 Uhr eine Übersetzerin für Arabisch hinzukam, konnte das Opfer seine Sicht schildern: Er sei kurz in einen Elektronikfachmarkt gegangen, um dort nach Weihnachtsgeschenken für seine Kinder zu sehen. Grundlos hätten ihn die beiden Angeklagten – die für Handyverträge warben – von »ihren« Tischen verscheucht. Das sei nur wenige Wochen zuvor schon einmal so gewesen. Am Tattag seien die beiden ihm jedoch zu seinem Geschäft, das er mit seiner Frau betreibt, gefolgt. Lautstark hätten sie ihn aufgefordert, herauszukommen, um alles »unter Männern zu klären«. Das hieß Prügel. Er sei mit den beiden um die Ecke zu den Aufzügen gegangen, wo er zunächst von dem Jüngeren einen Faustschlag ins Gesicht bekommen habe und hingefallen sei. Am Boden habe er von dem Älteren noch einen Tritt in den Rücken bekommen.

Beim Versuch, die beiden Angreifer zu verfolgen, sei er ausgeglitten und von dem Jüngeren erneut getreten worden. Diesen zweiten Tritt hatte auch die herbeigeeilte Ehefrau beobachtet. Ein weiterer Zeuge hatte auch den Angriff vor dem Aufzug mitbekommen.

Auf bereits am Boden liegende Opfer einzutreten, sei besonders »schäbig«, rügten Richterin Sonja Robe und die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Die Argumentation der Verteidigung, ihre Mandanten hätten in Notwehr gehandelt, weil sie von dem 41-Jährigen angegriffen worden seien, hielt Robe für »absurd«.

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