14. Dezember 2017, 21:08 Uhr

Tristan trifft auf Helene Fischer

14. Dezember 2017, 21:08 Uhr
Gießens neues Opern-Duo: Hans Hollmann (l.) und Michael Hofstetter. (Foto: mm)

Gießen (mm). Es geht um große Emotionen: Einsamkeit und Trauer treffen auf Liebe und Eifersucht in der hintersinnigen Oper »Ariadne auf Naxos« von Richard Strauss und seinem Librettisten Hugo von Hofmannsthal. Aber auch der Humor kommt nicht zu kurz. Für die Neuinszenierung zeichnet Theaterlegende Hans Hollmann verantwortlich. Er legt nach der gelungenen Oper »Kehraus um St. Stephan« aus dem Jahr 2015 nun seine zweite Regiearbeit fürs Stadttheater vor. Premiere im Großen Haus ist am morgigen Samstag um 19.30 Uhr.

Der formale Clou des Werks aus dem Jahr 1916 ist die Oper in der Oper. Wenn der »reichste Mann von Wien« als Auftraggeber im Vorfeld die »Ariadne auf Naxos« mal eben beiläufig sterbenslangweilig findet, geht dem jungen Komponisten der Hut hoch. Schlimmer noch: Ausgerechnet eine Komikertruppe um die lüsterne Zerbinetta, die eigentlich nach der Oper hätte auftreten sollen, ist nun dazu bestimmt, das ehrwürdige Werk während der Premiere aufzulockern – ernste Oper und heiteres Tanzspiel werden also in einem Stück vereint.

Die Opern-Crew protestiert vergeblich. Beide Truppen, die komische und die tragische, müssen improvisieren. Schon hebt sich der Vorhang und ein Spiel auf zwei Ebenen beginnt, sobald sich die aus der griechischen Mythologie entlehnten Figuren mit den Gauklern messen, getreu dem Motto: Stets muss der Mensch sich wandeln können in der Kunst.

Beim Pressegespräch im Foyer zeigte sich der gebürtige Österreicher Hollmann, der fünf Jahre an der Frankfurter Musikhochschule als Dekan im Fachbereich Darstellende Kunst wirkte, begeistert vom »Ariadne«-Stoff: »Da ist ein Komponist dem Showbusiness auf Gedeih und Verderb ausgeliefert«, sagte der 84-Jährige und wartete mit einem Bonmot auf, das er bereits am Sonntag während der Soiree zum Besten gegeben hatte: »Das ist in etwa so, als ob Wagners Tristan auf Helene Fischer trifft.« Der gelernte Schauspieler Hollmann wird am Samstag selbst auf der Bühne stehen: als herrischer Haushofmeister.

Die musikalische Leitung dieser Opern- komödie liegt in den Händen von Generalmusikdirektor Michael Hofstetter. Der Dirigent war voll des Lobes über den versierten Gastregisseur: »Es ist ein Genuss, mit Hans Hollmann gemeinsam an einer Produktion zu arbeiten.« Hofstetter lässt sein Philharmonisches Orchester Gießen in der schlanken Originalbesetzung aufspielen, die über 36 Musiker verfügt (plus Klavier und Harmonium). Bühne und Kostüme gehen auf das Konto von Lukas Noll.

In der Hosenrolle des Komponisten debütiert Sopranistin Annelie Sophie Müller. Als Ariadne steht die wandlungsfähige Dorothea Maria Marx im Rampenlicht. In der Partie der Zerbinetta gibt es ein Wiedersehen mit Diana Tomsche. Die beiden Schwestern Karola und Sofia Pavone sind als Nymphen unverzichtbar. Bei den Herren mischen unter anderem Clemens Kerschbaumer, Grga Peroš, Tomi Wendt und Gasttenor Michael Siemon mit.

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