11. September 2014, 22:38 Uhr

Trio werden Misshandlungen vorgeworfen

Gießen (sha). Ein Mann wird mehrfach brutal zusammengeschlagen. Trotzdem sucht er drei Tage später wieder die Wohnung seiner Peiniger auf.
11. September 2014, 22:38 Uhr
(Foto: Red)

Dort muss er Zigaretten essen, eine wird ihm auf der Stirn ausgedrückt. Noch am selben Tag nötigen die zwei Männer und eine Frau den 42-Jährigen, Urin zu trinken und Katzenkot zu essen, filmen diese Tat sogar mit einem Handy. Nahezu unvorstellbar scheint, dass der so Drangsalierte dem Trio eine Woche später bei Renovierungsarbeiten hilft. Erst, als er dabei wieder massivste Schläge und Tritte kassiert und gewürgt wird, nutzt er einen günstigen Moment und flüchtet auf eine Polizeiwache.

Am Donnerstag versuchte ein Kriminalpolizist vor der Ersten Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts dieses kaum nachvollziehbare Verhalten zu erläutern: »Er ist das typische Opfer«, sagte der Beamte. Es gebe ja auch Frauen, die immer wieder zu ihren prügelnden Ehemännern zurückkehrten. Der Mann habe so unter Druck gestanden und »Angst gehabt, dass ihm noch Schlimmeres passieren könnte«, dass er die Angeklagten wiederholt traf. Nach dem 16. Februar dieses Jahres noch am 19. und am 26. desselben Monats.

Zeugen hatten nach Aussagen des Kriminalbeamten beobachtet, wie der Gießener am ersten Tattag auf dem Gelände der Uniklinik verprügelt wurde und die Polizei alarmiert. Die herbeigeeilten Beamten schickte das stark eingeschüchterte Opfer allerdings mit der Bemerkung, es habe nur eine »Meinungsverschiedenheit« gegeben, wieder fort. Zum Dank dafür wurde der Mann von dem ältesten Angeklagten am selben Abend noch einmal so massiv niedergeschlagen, dass er an einem beschrankten Klinikeingang liegen blieb. Eigenen Angaben zufolge wachte der 42-Jährige erst in der Notaufnahme wieder auf. Erneut herbeigerufenen Polizeibeamten nannte der Gießener zunächst falsche Verdächtige. Erst nach dem 26. Februar räumte er mit diesem Irrtum auf.

Wie beim Prozessauftakt schwiegen die mutmaßlichen Täter auch am zweiten Verhandlungstag. Die beiden in Kasachstan geborenen Männer sind 18 und 25 Jahre alt, die aus Gießen stammende Frau ebenfalls 25-jährig. Das Opfer hingegen sprach. Immer wieder musste der Mann zwar Luft holen. Dennoch beschrieb er selbst widerlichste Details seines Martyriums fast emotionslos. Sein häufigster Satz: »Ich hatte – auf Deutsch gesagt – Angst.« Mangelnde Gegenwehr erklärte der 42-Jährige auch mit seinem Naturell: »Ich bin so ein ganz Ruhiger, nicht so ein Schlägertyp – haue mich nicht so gerne.«

Was trieb die Angeklagten zu so brutalen und demütigenden Attacken gegen ihr Opfer? Aus Sicht des Gießeners zweierlei: Seit 2013 habe er einen freundschaftlichen Kontakt zur Mutter der 25-jährigen Angeklagten unterhalten. Allerdings gebe ihm das Trio die Schuld an einem Hüftbruch der 46-Jährigen im vergangenen Jahr. Da habe er die Frau, die wegen einer anderen Erkrankung im Krankenhaus lag, besucht. Bei einer Rollstuhlfahrt sei sie hingefallen, als er sie über eine Stufe schob. Dass die Frau am 16. Februar nach einem »Saufgelage« erneut in die Klinik musste, lasteten die Angeklagten nicht dem Alkohol, sondern dem Gießener an. Er habe der 46-Jährigen Tabletten ins Glas getan. Das bestreitet das Opfer.

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