18. Juli 2010, 20:20 Uhr

Trauerzug und Kinderfest zum Abschied der Dinosaurier

Gießen (srs). Mit einem Kinderfest und einem Trauerzug wurde am Samstag der bevorstehende Abschied von den über 50 Dinosaurier-Modellen aus der Innenstadt begangen. Vier Urzeittiere werden aber im September zurückkommen und eine dauerhafte Bleibe in Gießen finden.
18. Juli 2010, 20:20 Uhr
Trauermarsch mit den »Black Shadows« am Kreuzplatz: Auch der Tyrannosaurus Rex scheint nicht begeistert davon zu sein, dass er Gießen wieder verlassen muss. (Fotos: srs)

Finster und trist sind die Mienen. Regentropfen nieseln herab. In den vergangenen zwölf Wochen haben die Studenten Tausende Besucher der Dinosaurier-Ausstellung durch die Fußgängerzone begleitet, in Führungen die einzelnen Tiere vorgestellt. Jetzt stehen sie am Samstagmorgen auf dem Kirchenplatz vor einem der Giganten der Urzeit, einem Plateosaurus - und lassen die Köpfe hängen. Denn die Dinos verlassen Gießen. Trauerflor tragen die Studenten. Nur hin und wieder setzt sich in den Gesichtern ein Schmunzeln durch, das verrät: ganz so tiefernst ist die Trübsal nicht. Schließlich setzt sich der Zug in Bewegung, angeführt von einem in schwarz gekleideten Musikcorps.

Der Trauerzug und anschließend ein buntes Kinderfest der Gießen Marketing GmbH sowie der BID-Quartiere bilden den Abschluss der Dino-Ausstellung in der Innenstadt, der eine erfreuliche Nachricht birgt: Vier Dinosaurier werden ab September dauerhaft ihren Platz in der Innenstadt finden.

Getragene, melancholische Melodien trägt der aus Osnabrück angereiste Musikcorps unter dem Namen »Black Panthers« vor. Schweigend folgen den Musikern die Studenten und ihr Professor Dr. Hans-Peter Ziemek. »Wir sind Trauernde«, hält er zu Beginn fest, »der Tag des Abschieds ist gekommen.«

Später, am Kugelbrunnen, ruft er noch: »Mach’s gut, kleiner T-Rex«. Einige Studenten haben gar kleine Abschiedsreden und Gedichte vorbereitet. Am Marktplatz richtet Natalie Pasurka die letzten Worte an den kleinen »Deinonychus antirrhopus« auf dem Buswartehäuschen: »Wie majestätisch und erhaben du doch wirktest.« Gleichwohl habe er viele Tauben ertragen müssen - »und zum Schluss auch noch Menschen, welche dich umstießen.«

Anne Spitzner reimte: »Die Dinos nehmen ihren Hut. Wir sagen danke. Und: macht’s gut.« Zum Halten kommt der Zug in der Katharinengasse, vor dem Iguanodon direkt neben dem Kinderspielplatz. Eine rote Schleife ziert den Dinosaurier. Warum, erklärt kurz darauf der Inhaber der »LTi Holding GmbH«, Dr. Wolfgang Lust. Der Dinosaurier und drei weitere werden ab Mitte September wieder nach Gießen kommen, und zwar dauerhaft dank einer Spende Lusts an die »Akademie für junge Forscher«, die die Justus-Liebig-Universität ins Leben rufen will.

Vor dem Iguanodon haben sich auch die Vizepräsidentin der Uni, Prof. Eva Burwitz-Melzer, und Stadtrat Harald Scherer eingefunden. Burwitz-Melzer lobt das didaktische Konzept der Ausstellung und die erfolgreiche Zusammenarbeit« zwischen Universität und Stadt. Scherer hebt einen »enormen Imagegewinn« für Gießen hervor: »Überall waren in den letzten zwölf Wochen Kinder und Familien in der Stadt und haben sich an den Dinos erfreut.«

Anschließend, als sich die Sonne endlich zeigt, ist das Fest für die größten Fans der Dinosaurier bereitet: die Kinder. Clown Ichmael fährt auf einem hohen Einrad durch die Fußgängerzone, marschiert später auf Stelzen und sucht das Gespräch mit den jungen Besuchern der Ausstellung. Auf dem Kreuzplatz heißt es, Teller und Keulen zu jonglieren. Kinder lassen sich am Selterstor grüne Gesichter von Dinosauriern schminken. In der Sonnenstraße messen sich Jungen und Mädchen in Bobbycar-Rennen. Auf dem Kirchenplatz lädt Rebeeca Dobrick zum Balancieren auf einem Drahtseil ein.

Die größte Aufmerksamkeit genießen an dem Wochenende aber immer noch die Dinosaurier. Ein letztes Mal ist das Ritual zu beobachten: Kinder nähern sich den Tieren, springen hoch, greifen in deren Mäuler. »Weil sie so groß sind«, »wegen der scharfen Zähne«, begründen die Kleinen ihre Faszination. Ein Zehnjähriger aus Villmar erklärt, gelernt habe er in der Ausstellung nichts: »Ich weiß doch schon alles über Dinosaurier.« Die Eltern haben derweil ihre Kameras gezückt und halten die Begegnung zwischen Urwesen und Spößling fest. Mögen die Dinos zwar Gießen verlassen - in unzähligen Fotoalben aber dürften sie weiterleben.

In der Plockstraße malt der neunjährige Hendrik in aller Seelenruhe einen Dinosaurier, während sich neben ihm ein Tyrannosaurus Rex bedrohlich aufzurichten scheint. »Schade ist es schon, dass die Dinos bald nicht mehr da sind«, sagt der junge Kleinlindener. »Gerade jetzt, wenn die Schulferien angefangen haben.«

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