28. Februar 2013, 09:33 Uhr

Trauerfeier für Alt-OB Manfred Mutz

Gießen (mö). Mit einer Trauerfeier ohne Pathos, mit ehrlichen Worten und einem Augenzwinkern, nahmen frühere Mitarbeiter, politische Weggefährten am Mittwoch Abschied von Alt-Oberbürgermeister Manfred Mutz.
28. Februar 2013, 09:33 Uhr
Das Schiff der Johanneskirche war bei der Trauerfeier für Manfred Mutz gestern voll besetzt.

Aus allen Himmelsrichtungen streben schwarzgekleidete Menschen der Johanneskirche zu. Gegen elf Uhr setzt das Geläut ein. Das Kirchenschiff ist vollbesetzt. Hier und da sieht man feuchte Augen. Es sind seine früheren Mitarbeiter, die politischen Weggefährten, seine Freunde und Sportkameraden oder ganz einfach die Nachbarn, die am Mittwochvormittag um Alt-Oberbürgermeister Manfred Mutz trauern. Im Altarraum steht ein großes Foto von ihm, daneben die Urne mit seiner Asche, rechts und links liegen Kränze und Blumengebinde. Kurz nach elf Uhr betritt die Familie die Kirche durch einen Seiteneingang und nimmt in der ersten Reihe Platz. Eine knappe Stunde später ist die Trauerfeier für den dienstältesten Gießener Oberbürgermeister vorbei. Eine Stunde, die Manfred Mutz gefallen hätte – ohne Pathos, mit ehrlichen Worten und einem Augenzwinkern.

Es sollte »kein Gottesdienst zum Wehklagen« werden, sondern einer »zum Erinnern und eine Ermutigung zum Weiterleben«, sagt Pfarrer Micha-Steffen Stracke. Mit seiner beeindruckenden Rede, die auf Wunsch des Verstorbenen die einzige an diesem Vormittag bleibt, gelingt dem Odenwälder, der Manfred Mutz zwischen 1995 und 1998 als Magistratssprecher diente und nun für eine Kirchengemeinde in Vielbrunn zuständig ist, genau das. Bei den Zuhörern weicht die Befangenheit des Augenblicks der Erinnerung an Momente, die man selbst mit dem langjährigen Rathauschef erlebt hat. Stracke präsentiert den ganzen Manfred Mutz; den Politiker, der ein feines Gespür dafür hatte, wenn es ungerecht zuging, der den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde und der Synagoge zur Chefsache machte, den Quer-, Vor- und Schnelldenker, »der für manche zu schnell war« und darunter »litt«, wenn ihm die eigenen Leute nicht folgen mochten. Aber auch den unduldsamen, poltrigen Manfred Mutz, mit dem sicher auch einige der Anwesenden manchen Strauß ausgefochten hatten, lässt Stracke nicht aus: »Er war, wie er war.«

Einer, der auch ein gutes Beispiel dafür gegeben habe, dass diejenigen, die in dem anstrengenden Politikbetrieb tätig sind, bei allen Mängeln doch stets an der Verbesserung der Lebensumstände der Menschen arbeiteten. Strackes Appell an die anwesenden Spitzenpolitiker und angehenden Wahlkämpfer, darunter CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier und SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel: »Streitet euch, und zwar so, dass den Menschen deutlich wird, wofür ihr steht. Aber tut es sachlich und ohne Verletzung.«

Es folgt ein bewegender Moment, als die Kinder des Verstorbenen, Aksel, Markus und Martina, über ihren Vater sprechen und dessen Gerechtigkeitssinn und Wahrhaftigkeit betonen. »Papa, wie vermissen dich sehr«, sagt die Tochter zum Abschluss.

Die Musik der Trauerfeier kommt von einem Chor und Streichern des Stadttheaters unter Leitung des früheren Kantors der Petruskirche, Herfried Mencke. Die Kollekte geht an die Tour der Hoffnung, die Manfred Mutz über Jahrzehnte dienstlich und privat unterstützt hatte.

Der Alt-Oberbürgermeister war am Freitag vor einer Woche im Alter von 68 Jahren an den Folgen einer Leukämie gestorben. Seine letzte Ruhestätte wird Manfred Mutz auf eigenen Wunsch in einem Patenschaftsgrab auf dem Alten Friedhof finden – ganz in der Nähe seines Hauses, das ihm zu seiner Gießener Heimat geworden war.

»Erinnerungs-Kaffee«

Im Anschluss wechselt die Trauergemeinde auf Einladung der Stadt in die alte Kunsthalle der Kongresshalle zum »Erinnerungs-Kaffee«. Zu diesem Zweck ist der Raum mit Fotos aus dem Leben von Manfred Mutz gestaltet worden. Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz entrichtet die Grüße von Doris Adam-Mutz. Die große Anteilnahme, die die Angehörigen in den letzten Tagen erfahren hätten, »bedeutet der Familie sehr viel«, gibt die OB die Witwe wieder.

Alt-Oberbürgermeister Manfred Mutz gestorben Große Anteilnahme am Tod von Manfred Mutz Mittwoch Trauerfeier für Manfred Mutz

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