17. Februar 2019, 21:38 Uhr

Tanz und Musik als Synthese

17. Februar 2019, 21:38 Uhr
Mitglieder des Marburger Unichors bei ihrem Vortrag. (Foto: jou)

Unterwegssein war das Thema des Semesterabschlusskonzerts des Unichors Marburg – vom einfachen Wandern, dem Überwinden von Hindernissen bis hin zum Aufbruch ins Ungewisse. Die jungen Sänger widmeten sich in der Johanneskirche mit Hingabe Kompositionen aus dem 19. und 20. Jahrhundert in einer in sich runden Werkzusammenstellung. Pädagogisch geschickt animierte sie Dirigent Nils Kuppe zur Hochform. Bereichert wurde der Abend durch Tänzerinnen der Jazz- und Modern-Dance-Leistungsformationen »Lichtblicke« und »Mondschein« der Tanzsportgemeinschaft Marburg. Zu Orgeldarbietungen Constantin Scholls lieferten sie eine beeindruckende Performance. Ein tänzerischer Zug kam auch beim eröffnenden »Midsummer Song« von Frederick Delius zum Tragen; der Chor meisterte ihn mit vorzüglichem Rhythmusgefühl und lebhaftem Ausdruck. Durch die Psalmtextvorlage führte Ernst Friedrich Richters Motette »Da Israel aus Ägypten zog« in eine ernste Sphäre und wurde gleichermaßen stilsicher dargeboten.

»Drei Madrigale nach slowakischen Liebesliedern« von Heinrich Poos verlangten dem Chor in besonderem Maße künstlerische Wandlungsfähigkeit ab zwischen sprechgesangartigen Elementen, folkloristischem Kolorit und markanten Ausrufen.

Vom Gedanken des Weggehens geleitet war auch die Performance im ersten Intermezzo, dabei erstarrten die Tänzerinnen in immer neuen Posen. Die Geräuschebene steigerte die Wirkung noch, bis schließlich Orgelklänge – das »Moto Ostinato« aus Petr Ebens »Sonntagsmusik« – eintraten. Den darin zentralen thematischen Aspekt des Kampfes zwischen Gut und Böse schien die virtuose Choreographie aufzugreifen; Tanz und Musik gingen eine spannende Synthese ein.

Ebenso zu faszinieren vermochte Robert Schumanns doppelchöriger Gesang »Ungewisses Licht« über einen unerschrockenen, rastlosen Wandersmann. Bei der im Timing akkuraten Interpretation von Wilhelm Bergers »Niss Puk« bestach wieder die Liebe des Ensembles für musikalische Details. Im Zentrum des Programms stand mit Cyril Jenkins‹ »Out of the silence« besinnliche Musik. Den wohl größten Ohrwurm bildete Harold Arlens poetisch nuanciert vorgetragener Song »Over the rainbow«.

Von ganz anderer Art das zweite Intermezzo: Bei Olivier Messiaens schlicht strukturierter Orgelkomposition »Apparition de l’église éternelle« schienen gewöhnliche Zeitgrenzen aufgehoben, zusammen mit der ebenso wagemutigen wie eleganten Tanzperformance lotete die Musik geistliche Dimensionen aus.

Als Höhepunkt des Abends lebte Jaakko Mäntyjärvis »Canticum calamitatis maritimae« über den Untergang der MS Estonia 1994 von mannigfaltigen Konstellationen wie dem Wechselgesang zwischen Solisten und Chorgruppen. Der finnische Komponist verbindet stimmig Disparates in seiner gemäßigt modernen Musik – bis hin zu Geräuscheffekten. Für einen friedvoll-ruhigen Ausklang des Konzerts sorgte Rudolf Mauersbergers Abendlied »Herr, bleibe bei uns«. Tags darauf wurde das Programm in der Universitätskirche Marburg wiederholt.

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