Vor dem Pflanzen kommt das Ackern. Das merken die Teilnehmer des Workshops am Mittwochabend im Rathaus schnell. Sie alle eint die Faszination für das Projekt »Weltacker«, das unter anderem in Berlin 2000 Quadratmeter Ackerfläche zu einer Art symbolischen Fußabdruck macht. Genau so viel steht jedem Menschen rein rechnerisch für seine Versorgung mit Lebensmitteln, Baumwolle und anderen landwirtschaftlichen Gütern zur Verfügung. Und sie alle eint die Frage: Wie lässt sich diese Idee nach Gießen holen?

Ehe sie in Gruppen an die Arbeit gehen, definieren sie, auf Einladung der lokalen Agenda Natur und Umwelt und unter der Anleitung von Peter Damm, drei Themenkomplexe: der Standort eines »Weltackers« gehört dazu, außerdem seine Finanzierung und die Struktur und Organisation des Vorhabens. Die Idee, ein Leitbild zu formulieren, verwerfen die Teilnehmer. »Das Ganze ist in diesem Stadium ein völlig offenes Projekt«, erklärt Gerd Hasselbach, Chef des städtischen Umweltamts . Zunächst müssten konkrete Ideen für erste Schritte her.

Wie ein fertiger »Weltacker« aussieht, hatte vor drei Monaten Benedikt Haerlin, ein Mitinitiator des Berliner Projekts, in Gießen präsentiert. Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft möchte damit den Flächenbedarf jedes Einzelnen sichtbar machen, indem sie ihn modellhaft nachbaut. Verbrauchten alle tatsächlich nur, was auf 2000 Quadratmetern wächst, könnte der Planet zwölf Milliarden Menschen ernähren. Besonders Europäer und Nordamerikaner nutzen aber die Ressourcen einer viel größeren Fläche. So benötigt ein Europäer im Schnitt 700 Quadratmeter mehr – hauptsächlich, weil sein Fleischkonsum die Produktion von entsprechend viel Tierfutter voraussetzt.

Feste Gruppe gründet sich

Während die Gießener am Mittwoch eigentlich Grundsätzliches im Zusammenhang mit ihrem »Weltacker« diskutieren möchten, werfen sie immer wieder auch andere Themen auf: Was genau soll später einmal angebaut werden – gehört Soja als klassisches Tierfutter dazu oder können wir darauf verzichten? Wollen wir gewinnorientiert oder gemeinnützig arbeiten? Ein Teilnehmer plädiert schließlich dafür, grundsätzlicher zu denken: »Es geht ja sowieso nicht ums Anbauen. Es geht um Politik und Pädagogik.«

Als die drei Gruppen ihre Ergebnisse vorstellen, bleiben viele Fragen bewusst offen. Fortschritte gibt es aber bei den Kernthemen: Die »Kröten für den Weltacker« sollten idealerweise von regionalen Unterstützern stammen – ob aus der Politik, aus der Wirtschaft oder von Privatleuten. Der Standort müsse leicht erreichbar sein und eine gute Bodenqualität und Wasserversorgung garantieren, sagt Arbeitsgruppe 2. Beispielhaft nennt sie unter anderem die Umgebungen des Philosophikums, des Schiffenbergs und des Oberen Hardthofs. Am wenigsten konkret sind die Gedanken zu »Form-Struktur-Organisation«: Von einem Verein bis zu einer Genossenschaft reichen hier die Ideen.

Eine festen Projektgruppe soll sich am Mittwoch, 15. August, 18 Uhr im Rathaus konstituieren. Gelingt das, rückt der Gießener »Weltacker« wieder ein Stück näher.

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