07. Februar 2012, 13:38 Uhr

Susanna Henkel und Milana Chernyavska im Winterkonzert

Zwei ausgezeichnete Künstlerinnen hatte der veranstaltende Meisterkonzertverein zum fünften Winterkonzert gewinnen können. In der Largo-Einleitung zu Wolfgang Amadeus Mozarts Sonate B-Dur KV 454 ließen Susanna Yoko Henkel (Violine) und Milana Chernyavska (Klavier) die Musik in aller Breite dahinströmen.
07. Februar 2012, 13:38 Uhr
Susanna Yoko Henkel (Violine) und Milana Chernyavska (Klavier) beim Schlussapplaus.

Schon hier bestachen die edle, farbige Intonation der Violinistin und der fein dosierte Anschlag der Pianistin. Wie befreit stürmte die Bewegung im anschließenden Allegro davon. Die finessenreich artikulierte Interpretation ließ keine Wünsche offen. Frappierend schön brachte Henkel ihr Instrument zum Singen, bewältigte überdies in müheloser Leichtigkeit technische Hürden. Der feine, musikalisch geschliffene Vortrag machte gute Laune.

Ideal aufeinander eingespielt agierte das Duo auch im melodisch reizvollen Andante, hielt hier perfekt klangliche Balance und führte im Mittelteil in düstere, von Leidenschaft geprägte Ausdruckssphären, die sich besonders in der nun weit intimeren Tongebung widerspiegelten. Das Finale mit dem munteren Hauptthema rundete dank der dynamisch genau austarierten Spielweise den starken Gesamteindruck ab. Henkels nie anstrengend wirkender Musizierstil ließ sich auch an ihrer lockeren Körperhaltung ablesen. In Chernyavska fand sie eine kongeniale, vorzüglich führende Klavierpartnerin.

Danach versetzte die Sonate g-Moll von Claude Debussy mit der schwebenden Harmonik und der warmen, suggestiven Melodie in ganz andere Klangdimensionen. Das Duo ging im Allegro-Kopfsatz mit gestalterischem Kalkül vor, ließ zugleich emotionale Komplexität nicht missen. Federnd-leicht meisterte die Violinistin die Bewegung im zweiten Satz, die Pianistin lieferte eine tragkräftige Akkorduntermalung. Insistierende Ostinati führten in magische Passagen, in denen das Duo vollends zu fesseln vermochte. Nach der Steigerung zu Beginn des Finales gelangen die Ausbrüche ziemlich energisch. Dazu kontrastierte ein poetisch-ruhiger Abschnitt. Die virtuose Steigerung setzte einen markanten Schlusspunkt.

Im letzten Teil des abwechslungsreichen Programms widmete sich das Duo wieder einem völlig anderen Werk: Das eröffnende Allegro der Sonate Es-Dur op. 18 von Richard Strauss war gefühlsmäßig extrem aufgeladen, wartete zudem mit hochdramatischen, mit geballter Kraft vorgetragenen Passagen auf. Davon hoben sich lyrische Gedanken ab, denen das Duo subtile Nuancen abgewann. Im Ganzen ergab sich ein ausgesprochen sinnliches, opulentes Hörerlebnis.

Beim »Andante cantabile« gefiel am meisten der weiche klangliche Schmelz in beiden Instrumenten, daneben die ungeheure Intensität der Steigerungen. Durchweg zogen beide Musikerinnen am gleichen Strang, ließen sich von einem harmonischen interpretatorischen Konzept leiten. Die markante Akkordpartie des Klaviers weckte im Finale Aufmerksamkeit, ehe die Violine mit heftigen melodischen Aufschwüngen hinzutrat. Die im Spannungsaufbau stimmige Darbietung bildete den würdigen Abschluss eines hervorragenden Konzertes. Für den begeisterten Applaus dankten Henkel und Chernyavska mit einem Prélude von Dmitri Schostakowitsch als Zugabe. (jou/Foto: jou)



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