05. Februar 2016, 12:53 Uhr

Sturm auf das Gießener Rathaus

Gießen (möhne). Das kommt davon, wenn man Mitleid hat. Aber es war ja auch ein erbarmungswürdiger Anblick gestern am frühen Nachmittag, als die Sturmtruppen der Gießener Fassenachtsvereinigung (GFV) über den Berliner Platz auf das Rathaus zumarschierten.
05. Februar 2016, 12:53 Uhr
(Foto: Oliver Schepp)

Mit Regenschirmen und Plastikjöppchen wollten die Weicheier die Stadtfeste belagern. Aber Festungskommandant und Kostümschützer Egon Fritz hatte ein Einsehen und ließ die Narrenschar nach wenigen Schüssen der »Ari« und einigen Klängen der Fanfaren West in die Vorderburg. Ein Fehler: Gut eine Stunde später waren das Rathaus erobert und der Weibermagistrat verjagt. »Fast schon kampflos«, wie Prinz Axel I. jubelte.

»Da kommen sie wieder und gieren, um Gießen zu regieren«, hatte Rathauskönigin Dietlind den Angreifern trotzig entgegnet und sich für die Schlacht Söldner aus dem fernen Wenzhou besorgt. So stimmte Glabe-Bolz die närrischen Herrscharen denn auch mit einem »dreifach donnernden Gießen Nihau« auf das Kämpfchen ein. Das nutzte erst mal wenig, weil die GFV ihre Brecher Andreas Walldorf und Bernd Hachenberger gegen die Azubis der Stadt und des Stadttheaters anrennen ließ. Mit dem Ruf »fünf Zentner, die können wir nicht halten«, blies Fritz zum Rückzug ins Atrium, wo der Feind gestellt wurde.

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Und zunächst sah es auch gut aus für die Regierenden von Chinatown. Glabe-Bolz gewann das Wettmelken gegen Prinzessin Sabine II. Der Ausgleich durch die Angreifer war dann freilich nur eine Formsache. Beim Wettessen von Hühnerfüßen setzte Prinz Axel seine beleibtesten Krieger ein, was Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich (mit Gießkanne als Stahlhelm) vor eine unlösbare Aufgabe stellte. Da konnten die Stadträte Edith, Monika und Heinrich nicht mitessen. Den Sieg perfekt machten die GFV-Belagerer schließlich beim Spiel, wer sich am schnellsten für die China-Oper umgezogen hat. Kurzum: Das Rathaus ist gefallen und Chinatown in den Händen der Narren. Die feierten den Sieg sogleich mit schwungvollen Tänzen ihrer Gardemädchen, mit Schunkeln und Schlachtgesängen.

Bevor sich Glabe-Bolz und ihre Hofsschranzen gen Fernost absetzten, übergaben sie den Schlüssel und das Stadtsäckel an das neue Herrscherpaar Axel I. und Sabine II. Die dürfen jetzt bis Mittwoch alles bestimmen. Das geheime Sechs-Tage-Regierungsprogramm wurde der GAZ exklusiv zur Verfügung gestellt (Kasten links). (Fotos: Nepp)



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