16. November 2009, 21:54 Uhr

Studenten protestieren für bessere Studienbedingungen

Gießen (si). Die bundesweiten Proteste für bessere Studienbedingungen haben die Justus-Liebig-Universität erreicht. Am Montag besetzten Studierende aus den Gesellschaftswissenschaften das Institutsgebäude im Philosophikum II. Für den morgigen Mittwoch (14 Uhr) wurde eine studentische Vollversammlung in das Audimax einberufen, bei der das weitere Vorgehen beraten werden soll.
16. November 2009, 21:54 Uhr
Das Institutsgebäude der Gesellschaftswissenschaften im Philosophikum II ist seit gestern Nachmittag besetzt. (Foto: Schepp)

Ihre Forderungen hatten rund 200 Studierende der Sozial- und Kulturwissenschaften bereits am Donnerstag in einer einmütig verabschiedeten Resolution zusammengefasst. Unmittelbarer Anlass waren Raumprobleme, die zu Beginn eines Wintersemesters fast immer für Ärger sorgen. Darüber hinaus geht es um grundsätzliche Fragen, etwa der Studienorganisation und -inhalte. Insbesondere kritisieren die Studierenden, dass durch dem »Bologna-Prozess«, mit dem der europäische Hochschulraum vereinheitlich werden soll, das Studium viel zu stark verschult worden sei. Die gleichzeitig eingeführten Bachelor- und Masterstudiengänge ließen zu wenig Raum für individuelle Neigungen und intellektuelle Neugier, lautet ein weiterer Vorwurf. Die Protestler fordern deshalb eine grundlegende Reform, die Abschaffung sämtlicher Gebühren eingeschlossen, darüber hinaus mehr Geld der öffentlichen Hand für das Bildungssystem. Im Detail geht es auch um einen Rechtsanspruch auf Master-Plätze, mehr und besser ausgebildete Dozenten und eine Anhebung der Bafög-Sätze (»kein Start ins Berufsleben mit Schulden«).

Die Studierenden aus den Gesellschaftswissenschaften haben schon Arbeitskreise gebildet, die die Proteste unterstützen und organisieren sollen. Eine weitere Vollversammlung am Montagnachmittag forderte die Dozenten auf, in dieser Woche keine Anwesenheitslisten zu führen, damit es keine Probleme bei den Leistungsnachweisen gibt.

Die letzten größeren studentischen Proteste an der Justus-Liebig-Universität gab es 2005/06 aus Anlass der geplanten Studiengebühren (die dann von CDU und FDP eingeführt, von SPD und Grünen nach einem Jahr wieder abgeschafft wurden). 1997 war die Gießener Universität sogar der Ausgangspunkt für bundesweite Demonstrationen gegen Mittelkürzungen im Bildungsbereich, an der sich letztlich weit über 100 Hochschulen beteiligten. Die diesjährigen Aktionen hatten ihren Ursprung im Oktober in Österreich. Anfang November folgten die ersten Universitäten in Deutschland, etwa zwei Dutzend haben sich inzwischen angeschlossen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • CDU
  • Dozenten
  • FDP
  • Justus-Liebig-Universität Gießen
  • Kulturwissenschaften
  • Philosophikum Gießen
  • SPD
  • Studenten
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos