18. Januar 2019, 21:53 Uhr

Strategische Kooperationspartner

18. Januar 2019, 21:53 Uhr

Dass sich die politischen und gesellschaftlichen Systeme in Deutschland und China stark unterscheiden, wird in dem zehnseitigen Papier deutlich herausgearbeitet. In diesem Kontext komme es in besonderer Weise darauf an, »die Interessen der Justus-Liebig-Universität zu definieren, aktiv zu vertreten und Interessensgemeinschaften mit chinesischen Partnern auszugestalten«, heißt es in der »Regionalstrategie China«, die in der jüngsten JLU-Senatssitzung vorgestellt wurde. Das intern versandte Papier biete einen »Orientierungsrahmen für alle Mitglieder der Universität«, sagte JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee.

In China gebe es eine »sehr dynamische Entwicklung, an der wir als Universität mehr beteiligt sein möchten«, berichtete Julia Volz, Leiterin des Akademischen Auslandsamts. Für diese These sprechen auch die Zahlen. Mit 160 von insgesamt 2600 internationalen Studierenden bilden chinesische Studenten die größte Ländergruppe der »Bildungsausländer«. In den vergangenen zehn Jahren lag der Anteil chinesischer Hochschüler konstant bei rund sechs Prozent. Von den 380 an der JLU eingeschriebenen Promovierenden besitzen sogar 45 (zwölf Prozent) die chinesische Staatsbürgerschaft.

Die Justus-Liebig-Universität hat in einer substanziellen Analyse drei »sehr gut geeignete Kooperationspartner« in China identifiziert. Mit der Jilin University in Changchun, der Sichuan University in Chengdu und der Lanzhou University sollen die Verbindungen im Rahmen von Kooperations- und Forschungsabkommen systematisch weiterentwickelt werden. Gemeinsam decken die drei neuen strategischen Kooperationspartner das gesamte Fächerspektrum der Gießener Universität ab.

Konstruktive Auseinandersetzung

Für eine forschungsstarke und zukunftsorientierte Universität mit internationalem Anspruch wie die Justus-Liebig-Universität sei es wichtig, diese Entwicklung mitzugestalten. Durch die Intensivierung der Zusammenarbeit mit Partneruniversitäten im chinesischen Hochschulraum wolle man der wachsenden Bedeutung Chinas in der internationalen Wissenschaftskooperation und Hochschulbildung Rechnung tragen. Ihre Zusammenarbeit mit China richte die Gießener Universität auch an den »übergeordneten strategischen Interessen Deutschlands« aus, heißt es in dem Regionalstrategiepapier weiter.

Dass die Überlegungen zur Kooperation mit dem Reich der Mitte durchaus ambivalent sind, wird in der Analyse zu den Entwicklungen in China ebenfalls deutlich. In der sich neu aufteilenden Weltordnung werde China ein wesentlicher Akteur sein, »dessen politisches System in direkte Konkurrenz zu Liberalismus und Rechtsstaatlichkeit tritt«. Der Einfluss, den das Land zunehmend erfolgreich auf allen Politikebenen entfalte, werde auch auf internationale Hochschulkooperationen und die Zusammenarbeit in Forschung und Lehre ausstrahlen. So resultierten aus dieser Zusammenarbeit grundsätzlich unterschiedliche (wissenschafts-)politische Positionen, etwa im Bereich der Menschenrechte. Aufgrund seiner direkten Auseinandersetzung mit ausländischen Einflüssen unterliege das Hochschulwesen unter dem Einfluss der aktuellen chinesischen Regierung »in besonderem Maße verstärkter Aufsicht und Kontrolle«. Die JLU sei davon überzeugt, »dass im direkten Kontakt und Dialog miteinander – gerade auch in der Wissenschaftskooperation – eine konstruktive Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Positionen notwendig ist«.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Entwicklung
  • Gießen
  • Justus-Liebig-Universität Gießen
  • Liberalismus
  • Mitglieder
  • Papier
  • Politische Systeme
  • Prof. Dr. Joybrato Mukherjee
  • Rechtsstaatlichkeit
  • Studentinnen und Studenten
  • Gießen
  • Armin Pfannmüller
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen