15. Oktober 2018, 21:59 Uhr

Stilsicher von Barock bis heute

Gut besucht war angesichts vieler gleichzeitiger Kulturveranstaltungen im heimischen Raum am Samstagabend der Hermann-Levi-Saal des Rathauses. Das Tel-Aviv-Bläserquintett gastierte dort beim ersten Winterkonzert der Saison.
15. Oktober 2018, 21:59 Uhr
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Von Dr. Olga Lappo-Danilewski
Zum Abschluss des Konzerts gibt es für die Musiker zum Dank Riesling. (Foto: rw)

Zum Auftakt der Winterkonzerte begrüßte Impresario Dieter Lindheimer Künstler und Publikum und äußerte Freude über die Weiterführung der Musikreihe. Zu Gast war das Tel-Aviv-Bläserquintett in der Besetzung Roy Amotz (Flöte), Dmitry Malkin (Oboe), Danny Erdman (Klarinette), Itamar Leshem (Horn) und Nadav Cohen (Fagott). Der Flötist kommentierte in gepflegtem Deutsch die Stücke, die an diesem Abend einen Einblick in das zeitlich breit gefächerte Repertoire gaben. Das Ensemble erwies sich als höchst flexibel in den Stilwechseln, denn auf Rossini folgte Hindemith, auf Bach der israelische Gegenwartskomponist Avni, dazwischen Weill und Eisler – nicht nur für die Ohren der Musikfreunde eine Umstellung, sondern auch für die Musiker hohe Anforderung an technisches Können und Einfühlungsgabe.

Eine Fassung der Triosonate Nr. 5 C-Dur BWV 529 für Flöte, Klarinette und Fagott aus Johann Sebastian Bachs Sammelhandschrift für Orgelmusik von 1727 eröffnete den Abend. Lebendig durchgestaltet von jeder Stimme, »jagen« die Themen einander im Allegro. Ein wenig zäh im Klangcharakter wirkte das Largo, während die Instrumentalisten dem dritten Satz mit klarer Artikulation ansprechende Farbigkeit gaben.

Mit Spannung erwartet wurde ein Quintett des 1927 in Saarbrücken als Hermann Steinke geborenen jüdischen Komponisten Tzvi Avni, der mit seinen Eltern 1935 nach Haifa auswanderte und noch heute u.a. an der Musikhochschule Jerusalem lehrt. Wie Flötist Amotz weiter ausführte, steht sein Quintett von 1959 Schönberg nahe. Avni kombiniert klassische Formen mit modaler Tonalität. In dem fünfteiligen Werk kommen Anklänge an Bartok, Ravel und – etwa in den harten rhythmischen Reibungen und Synkopen – auch Strawinsky vor. Kontrastreich, mit solistischen Highlights besonders ansprechend in der Oboe, aber auch in dem elegischen Dialog von Horn und Klarinette von ganz eigenem Zauber, interpretierten die Fünf das Werk mit Temperament und Humor. Jazzige Töne gab es im Schlusssatz, der nach vielen Dissonanzen im schönen Unisono endet.

Big-Band-Sound auf kammermusikalisch herrschte in einem Arrangement, das in Kurt Weills »Dreigroschenoper« führte und die Moritat von Mackie Messer in Legato-Schönklang verwandelte. Kniffligkeiten und technische Raffinessen beeindruckten beim konzentrierten Zusammenwirken in Hanns Eislers Divertimento op. 4. Von seinem Zeitgenossen Paul Hindmith hatten die Israelis eine »Kleine Kammermusik« op. 24/2 ausgewählt. Die Ausdruckspalette reicht von Motorik und persiflierenden Elementen bis zu melodischem Fluss; alle Solisten brachten dabei ihre Instrumente auf höchstem künstlerischen Niveau zur Geltung. Zwischen Eisler und Hindemith der Kontrast in vollendeter Harmonie: Gioacchino Rossini erfreute mit einfallsreichen drei Sätzen des Quartetts in F-Dur, von den Musikern stilsicher intoniert. Für den herzlichen Beifall dankten die sympathischen Künstler mit einem schmissigen Piazzolla-Tango.



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