20. Januar 2014, 18:28 Uhr

Stickoxidbelastung weiterhin zu hoch

Gießen (mö). Es bleibt dabei: In größeren Städten wie Gießen mit viel Straßenverkehr ist die Belastung der Luft mit dem Schadstoff Stickstoffdioxid (NO 2) zu hoch.
20. Januar 2014, 18:28 Uhr
Die Grafik zeigt die Reduzierung der Stickstoffdioxid-Belastung in Gießen seit 2009. Der Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm. (Quelle: HLUG)

Auch 2012 lag der Jahresmittelwert mit 44 Mikrogramm pro Kubikmeter über dem seit 2010 gültigen Grenzwert von 40 Mikrogramm. Dies hat der Magistrat soeben in seinen Antworten auf eine parlamentarische Anfrage des Stadtverordneten Michael Janitzki (Linkes Bündnis/Bürgerliste) mitgeteilt.

Die Antworten enthalten aber auch die gute Nachricht, dass die Belastung mit NO 2, das Atemwegs- sowie Herz-Kreislauferkrankungen hervorrufen bzw. verschlimmern kann, seit dem Jahr 2009 deutlich zurückgegangen ist. Der Jahresmittelwert sank von 53,3 auf besagte 44 Mikrogramm im Jahr 2012. In 2013 kam es offenbar aber wieder zu einer Verschlechterung. In acht der zwölf Monate lag die Belastung teilweise deutlich über 44 Mikrogramm. Dies lässt sich den Messwerten auf der Homepage des Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLUG) für die Gießener Messstation an der Westanlage entnehmen.

Das Problem mit der zu hohen Stickoxid-Belastung in der Gießener City ist nicht neu. Im Vorfeld der Grenzwert-Verschärfung zum 1. Januar 2010 hatte das HLUG darauf hingewiesen, dass die größeren hessischen Städte kaum in der Lage sein werden, den von der Europäischen Union festgesetzten Grenzwert von 40 Mikrogramm einzuhalten. Gießen gehörte schon damals zu diesen Städten, obwohl die Stadtverordnetenversammlung bereits im Jahr 2007 einen Maßnahmenkatalog zur Luftreinhaltung beschlossen hatte, der Teil des vom Land aufgestellten Luftreinehalteplans für das Lahn-Dill-Gebiet ist.

Über die Entwicklung der NO 2-Belastung in Gießen ist zwischen Janitzki und den Grünen nun ein Deutungsstreit entbrannt. Während es Janitzki angesichts der Zahlen für »nicht realistisch« hält, dass die Belastung bis 2015 (EU-Frist) unter den Grenzwert sinkt, sieht die grüne Verkehrsexpertin Bettina Speiser die Stadt »auf einem guten Weg«. Aus Sicht der Stadtverordneten zeigen die Zahlen, dass die im Luftreinehalteplan aufgeführten Maßnahmen mittlerweile »greifen«. Gießen habe die eingeschränkten Möglichkeiten, über die eine Kommune verfüge, um die Luftqualität zu verbessern, »gut genutzt«. Stichworte unter anderem: Umrüstung der stadteigenen Kfz-Flotte auf Erdgas (Stadtbusse), Gebäudesanierung, Ausbau des Fernwärmenetzes, Förderung des Rad- und Busverkehrs. Die entscheidende Verbesserung erwartet Speiser aber von der ab September dieses Jahres gültigen Abgasnorm Euro 6 für Dieselfahrzeuge.

Dagegen wirft Janitzki dem Magistrat vor, »unverantwortlich« zu handeln, wenn er weiterhin davon ausgehe, den Grenzwert allein mit den Maßnahmen des acht Jahre alten Luftreinhalteplans ab 2015 einzuhalten. In diesem Zusammenhang zitierte Janitzki die Landtagsfraktion der Grünen. Die hatte im April 2013 in einem Berichtsantrag zum Thema Stickstoffdioxid – angesichts der zu hohen Messwerte – festgestellt: »Die Wirkung der Maßnahmen in den Luftreinehalteplänen der jeweiligen Kommunen muss leider als unzureichend bewertet werden.«



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