Stadt Gießen

Steuerzahler sind bei Gießen 46ers raus

Gießen (mö). Rund acht Jahre nach der ersten Gewährung einer Bürgschaft haften Gießens Steuerzahler nicht mehr für die Basketballer der 46ers.
06. Februar 2015, 22:13 Uhr
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Die Basketball-Party geht weiter, auch dank der Gießener Steuerzahler. (Foto: Friedrich)

Wie der Magistrat am Freitag mitteilte, hatte das Profisportunternehmen tags zuvor die letzte Zahlung an die Stadt geleistet. Das städtische Engagement zur Rettung der Gießener Profibasketball-Tradition sei damit »erfolgreich beendet«.

Oberbürgermeisterin und Sportdezernentin Dietlind Grabe-Bolz erinnerte in ihrer Mitteilung noch einmal an die Geschichte dieser Kreditgarantie, die im Februar 2007 erstmals vom Stadtparlament beschlossen worden war, um einen Zahlungsengpass bei der 46ers-Trägergesellschaft GISPO überbrücken zu helfen. Mit der seinerzeit gewährten Ausfallbürgschaft in Höhe von 200 000 Euro, die zunächst nur ein Jahr laufen sollte, konnten die damals noch erstklassigen Korbjäger ihren Spielbetrieb aufrecht erhalten. Da das Profisportunternehmen aber weiter knapp bei Kasse war, wurde die auf 180 000 Euro reduzierte Garantie, die die Stadt gegenüber der Sparkasse und der Volksbank abgegeben hatte, immer wieder befristet verlängert. Auf Rat der Kommunalaufsicht des Regierungspräsidiums, das solche Ausfallbürgschaften genehmigen muss, entschloss sich schließlich eine Mehrheit der Gießener Stadtverordneten im Jahr 2010, die Kreditgarantie bis 2015 zu verlängern. Gleichzeitig wurde mit der GISPO ein Abbaupfad vereinbart.

Großer Knall im Dezember 2012

Zum großen Knall kam es dann im Dezember 2012. Kurz vor Weihnachten meldete die 46ers-Trägergesellschaft beim Gießener Amtsgericht die vorläufige Insolvenz an. Folge: Die Banken, bei denen die Basketballer in der Kreide standen, teilten der Stadt mit, dass die Bürgschaft nun fällig wird. Nun schienen sich die Befürchtungen der Skeptiker zu bewahrheiten, wonach das Geld angesichts der Probleme bei den klammen Basketballern eines Tages weg sein würde.

Um die Frage, warum es zur Insolvenz gekommen war, kam es zwischen dem Management und einem Gesellschafter der 46ers sowie der Oberbürgermeisterin zwischenzeitlich zu einem heftigen Streit. Denn die Basketballer begründeten den Gang zum Amtsgericht damit, dass sie von der Reduzierung der Ausfallbürgschaft zum 1. Januar 2013 um 60 000 Euro überrascht worden und plötzlich zahlungsunfähig gewesen seien. Grabe-Bolz wies dies als Versuch zurück, der Stadt den »Schwarzen Peter« zuzuschieben, denn die Reduzierung um die besagten 60 000 Euro war Bestandteil der Jahre zuvor getroffenen Vereinbarung zur Rückführung der Bürgschaft. Mithin wussten Management und Gesellschafter der 46ers, dass die Summe zum Jahresende fällig wird.

Nachdem sich die Wogen geglättet hatten, verständigten sich Stadt, 46ers und die Banken auf ein Verfahren, dass den Fortbestand des Profibasketballs sichern sollte, ohne dass dies zu Lasten des städtischen Haushalts geht. Die Basketballer stiegen zwar aus der ersten Liga ab, verhinderten aber die Pleite und konsolidierten sich in der zweite Liga (Pro A) sportlich sowie wirtschaftlich.

Um die Bürgschaft wurde es ruhig, nun ist sie vollständig abgelöst. Die Stadt habe letztlich keinen finanziellen Schaden erlitten, betont Grabe-Bolz. Zudem habe die Gießen 46ers GmbH bei den Banken auch Restschulden der Vorgängergesellschaft beglichen. Gestriges Fazit der Oberbürgermeisterin: »Der derzeitige Tabellenstand in der Pro A zeigt, dass sich nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern auch ein sportlicher Erfolg einstellt. Dazu gratuliere ich den 46ers. Der Einsatz jedes Einzelnen bei Rettung und Krisenmanagement der letzten Jahre hat sich gelohnt.«

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