17. Oktober 2018, 21:58 Uhr

Stets die Schattenseite im Blick

Für eine goldene Hochzeit braucht man normalerweise einen Partner. Dass die »Aktion – Perspektiven« ihren 50. Geburtstag auch als »Goldhochzeit« sieht, erklärte Inge Bietz selbstbewusst: »Wir sind diesen Weg nie alleine gegangen«. Wie viel Unterstützung die »Aktion« erfährt, wurde auch bei der Geburtstagsfeier deutlich.
17. Oktober 2018, 21:58 Uhr
Freuen sich über 50 Jahre »Aktion – Perspektiven« (v. l.): Festrednerin Hilde Kugler, Astrid Dietmann-Quurck, Friedrike Henn, Inge Bietz und Gerda Weigel-Greilich. (Foto: pd)

Der Anlass für die Gründung vor 50 Jahren ist eher traurig: Ein junger Mann, der kurz vor der Entlassung aus der JVA Rockenberg stand, hatte Selbstmord begangen, weil er nicht wusste, wie es nach seiner Freilassung für ihn weitergehen sollte. »Das hat damals den letzten Anstoß gegeben, den Verein zu gründen«, sagte Inge Bietz am Mittwochnachmittag. Die Vorsitzende der »Aktion – Perspektiven«, der bei der Gründung im Dezember 1968 noch »Aktion – Junge Menschen in Not hieß«, begrüßte im Saal der Petrusgemeinde zahlreiche Unterstützer und Wegbegleiter des Vereins, der mit einem Festakt sein 50-jähriges Jubiläum feierte. Bietz bekräftigte beim Rückblick auf Gründung und Entwicklung der »Aktion«: »Wir haben allen Grund, unser Jubiläum zu feiern.«

Tatsächlich hat der Verein trotz aller Schwierigkeiten, die er im Laufe der vergangenen 50 Jahre zu bewältigen hatte, nie sein Leitmotiv aus den Augen verloren: »Wir wollen Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, eine Perspektive geben.« Beim Versuch, Menschen Chancen zu bieten, um ihre soziale Benachteiligung zu überwinden, stehen für den Verein Grundsätze wie »Hilfe zur Selbsthilfe« sowie ein »klares Beziehungsangebot auf Augenhöhe« und die Begegnung mit Wertschätzung im Vordergrund, sagte Bietz. Die Vorsitzende blickte auch zurück auf Situationen, »in denen wir finanzielle schwierige Situationen zu meistern hatten«. Der »Aktion« sei es jedoch immer gelungen, Antworten zu geben auf gesellschaftliche Veränderungen. Gerade in der heutigen Zeit, in der das soziale Klima rauer werde, gelte es, zu seinen Werten zu stehen. Bietz: »Wenn der Wind der Veränderung bläst, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen. Die ›Aktion‹ wird weiterhin Windmühlen bauen.«

Dass der Verein von Anfang an zu seinen Werten gestanden hat, verdeutlichte Geschäftsführerin Astrid Dietmann-Quurck in Form ihres Rückblicks. Schon vor der Gründung in den 50er Jahren hätten Gießener Pfadfinder Pionierarbeit im Jugendstrafvollzug geleistet. In den ersten Jahre leistet die »Aktion« ihre Hilfe rein ehrenamtlich. 1970 teilen sich zwei Studenten und zwei jugendliche Haftentlassene eine von der Pfarrei St. Albertus zur Verfügung gestellte Wohnung, 1974 stellt die Stadt dem Verein eine Wohnung in der Frankfurter Straße zur Verfügung, 1978 wird die erste hauptamtliche Kraft im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zur Verfügung gestellt. 1987 beginnt das Projekt »Betreutes Einzelwohnen für Jugendliche«, im selben Jahr entstehen die ersten Frauenwohngruppen. Zu Beginn des neuen Jahrtausends gibt es die ersten Seminarangebote für Mütter, die »Aktion« bietet ab 2005 »integrierte Entlassungsbegleitung« in der JVA Rockenberg und ändert 2009 ihren Namen in »Aktion – Perspektiven für junge Menschen und Familien«. 2010 übernimmt Inge Bietz den Vorsitz von ihrem Vorgänger Günter Feußner.

Festrednerin Hilde Kugler legte in ihrem Vortrag den thematischen Schwerpunkt auf Kinder von Inhaftierten, Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und Landrätin Anita Schneider gratulierten der »Aktion« danach in Grußworten zum 50. Geburtstag.

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