23. April 2009, 22:34 Uhr

Sternstunden einer Ruderlegende

Gießen (srs). 1972 in München wurde dem frischgebackenen Olympiasieger Hans-Johann Färber die Goldmedaille überreicht. Der aus Wetzlar stammende Ruderer hatte mit seinen Kameraden im Vierer mit Steuermann triumphiert.Gestern besuchte die Ruderlegende für zwei Stunden die Sportklasse 5a der Herderschule und erzählte von sportlichen Sternstunden.
23. April 2009, 22:34 Uhr
Hans-Johann Färber hatte Autogrammkarten mitgebracht. Im Hintergrund posiert ein Schüler mit der Goldmedaille von München um den Hals. (Foto: srs)

Gießen (srs). Die Medaille schimmert in den Händen der Fünftklässler. Mit bewundernden Blicken betrachten die Schüler das Metall und reichen es untereinander weiter. Ein Mädchen streicht vorsichtig mit den Daumen über die Legierung. »Ist das echtes Gold?«, fragt ein Schüler. Ein Junge hängt sich die Medaille derweil um den Hals und streckt die Arme zu einer Siegerpose in die Höhe. Im Jahr 1972 in München wurde die Trophäe einst überreicht - an den frischgebackenen Olympiasieger Hans-Johann Färber. Der aus Wetzlar stammende Ruderer hatte mit seinen Kameraden im Vierer mit Steuermann triumphiert. Es war die Krönung einer sportlich äußerst erfolgreichen Karriere. Gestern besuchte die Ruderlegende für zwei Stunden die Sportklasse 5a der Herderschule und erzählte von sportlichen Sternstunden.

»Im Sportunterricht war ich eine Riesenniete«, begann der heute 62-Jährige seine Schilderungen. »Ich hatte immer eine Vier oder eine Fünf.« Bis er auf einen Sportlehrer gestoßen sei, der seine Begeisterung geweckt habe. »Von ihm habe ich die wichtigste Lektion gelernt: ›Sport muss Spaß machen‹. « Als 17-jähriger habe er sein Talent für den Rudersport beim Wetzlarer Ruderverein entdeckt. Nur vier Jahre später nahm er in Mexiko an seinen ersten Olympischen Spielen teil. »Aber es wurde eine große Enttäuschung.« Zwei Kameraden seien aufgrund der hohen Lage von über 2000 Metern Höhe und großer Temperaturschwankungen krank geworden. Der Vierer erreichte nicht das Finale.

Danach sei ein neues Ruderteam gebildet worden. Färber berichtete den gebannt zuhörenden Schülern von Trainingseinheiten im Winter auf dem Bodensee. »Unsere Finger sind um die Riemen herum steif gefroren.« Die Disziplin habe sich jedoch ausgezahlt. Es folgten ein Welt- und zwei Europameistertitel. Und am 2. September 1972 der Höhepunkt in München. »Im Finale lag nach 950 Metern der Vierer der DDR um eine halbe Bootslänge voraus.« Dann jedoch habe Färbers Team zum Endspurt angesetzt. »Das Kennwort dafür war ›Otto‹. Unser Steuermann hat nur noch ›Und Otto‹ gerufen.« Nach 1500 Metern habe Färbers Boot dann vorne gelegen. »Der DDR-Vierer hatte seine Bahn direkt vor der Tribüne, hatte daher keinen Seitenwind und ist uns nochmal nahe gekommen. Aber wir sind als Erste über die Ziellinie. « Ein Schüler wollte wissen, in welcher Zeit sie siegreich gewesen seien. Ein Lächeln machte sich im Gesicht Färbers breit. »Sechs Minuten, 31 Sekunden und 85 Hundertstel. Das vergesse ich nie im Leben.«

Kurz vor dem Halbfinale in München sei der Mannschaft indes beinahe eine Panne unterlaufen. »Wir hatten Hunger. Unser Steuermann ging los, um halbe Hähnchen zu kaufen. Als er unterwegs war, kam plötzlich über Lautsprecher die Aufforderung, wir sollten uns bereit machen.« Die Mannschaft habe sich ins Boot gesetzt. Als Ersatz sei der Steuermann des deutschen Achters eingesprungen. »Kurz vor dem Start hörten wir plötzlich eine Sirene und sahen Blaulicht. Es war unser Steuermann. Die halben Hähnchen musste er im Auto lassen.«

Die Fünftklässler hatten Fragen vorbereitet. Ob er denn noch rudere, wollte ein Schüler wissen. »Ganz selten. Aber ich habe einen Ergometer zu Hause«, berichtete Färber. »Haben Sie mal an Doping gedacht?«, fragte ein Junge. »Nie«, so die kurze Antwort. An alle Schüler gerichtet betonte er schließlich: »Sportler sollten in der Schule immer die Besten sein. « Dann packte er Autogramme und Goldmedaille von München aus sowie eine Bronzemedaille, die er 1976 in Montreal errungen hatte. Den Boykott der Olympischen Spiele von Moskau 1980 nahm er zum Anlass, mit dem Leistungssport aufzuhören. 25 Jahre lang war er dann im Münchener Olympiazentrum in leitender Funktion tätig. Noch heute lebt er in der bayerischen Hauptstadt.

Der Termin in der Herderschule war zustande gekommen, da Färbers Enkelin Laura die Sportklasse 5a besucht. Deutschlehrer Jan Hofemeister hatte die Initiative ergriffen und die Ruder-Legende eingeladen.

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