22. Oktober 2017, 19:58 Uhr

Krimifestival

Staufrust-Verbrechen in der Autosattlerei Grölz

22. Oktober 2017, 19:58 Uhr
Thomas Schweres bei seiner Lesung in der Autosattlerei Grölz. (Foto: csk)

Wer im Stau steht, kann seine Kaninchen nicht füttern. Und wer seine Kaninchen so liebt wie sonst nur »Mutti«, kommt eben schon mal auf dumme Gedanken, wenn er auf dem Weg zur Arbeit ständig ungeplant zum Stehen kommt. Ob er selbst auch eine Vorliebe für Kaninchen hat, verriet Thomas Schweres am Samstagabend in der Autosattlerei Grölz zwar nicht. Dass das zweite Motiv seines neuesten Kriminalromans viel mit eigenen Erfahrungen zu tun hat, bestätigte der Autor, der im Rahmen des Krimifestivals aus »Die Abbieger« las, aber sofort: »Im Ruhrgebiet steht man ja eigentlich permanent im Stau.

Kein Wunder also, dass dem TV-Journalisten die Idee für das Buch kam, als er gerade mal wieder irgendwo auf der Autobahn 40 feststeckte. So weit, so deckungsgleich die Geschichte im Roman: Dort hat der Protagonist Klaus-Werner Lippermann penibel ausgerechnet, wie lange er im Stau ausharren muss, statt bei »Mutti« und den heißgeliebten Kaninchen zu sein. Anders als Schweres verarbeitet das fiktive Stauopfer dieses für Nordrhein-Westfalen typische Pendlerschicksal allerdings nicht schreibend, sondern kidnappend.

Denn als er »Molly« und »Whitey« getötet im Stall findet, brennen Lippermann die Sicherungen durch. Kurzerhand entführt er gemeinsam mit dem Komplizen Alfred »Freddy« Kruppel den Leiter der fürs Staus verantwortlichen Straßenbaubehörde »Straßen.NRW«. Lippermann sinnt auf größtmögliche Rache: Fortan muss der Entführte seinen Entführer täglich zum Dienst und wieder zurück kutschieren – vorbei an Baustellen und durch alle Staus, versteht sich. Dient er nicht gerade als Chauffeur, wird der Gekidnappte im alten Kaninchenstall gefangen gehalten – auf Stroh gebettet, mit Möhren gefüttert und beim kleinsten Mucks mit Stromschlägen malträtiert.

Behördenchef »Rammler«

Ausgehend von dieser Konstellation entwirft Schweres die Handlung seines vierten Krimis, in dem wieder der Schalker Kommissar Georg Schüppe und der Boulevardjournalist Tom Balzack die Fährte aufnehmen. Dem Publikum der Lesung hatten es am Samstag denn auch vor allem das in kaum einer Szene zu überhörende Lokalkolorit und der von jeder Menge schrägen Typen geprägte Humor des Krimis angetan. Einen nach dem anderen ließ Schweres seine Pappenheimer auftreten: vom Bild-Reporter Andreas Schneidengel (dem »Schreib-Engel«) bis zu Klausis Mutter Elfriede, von verschwitzten Hobby-Pornodarstellern bis zu überforderten Assistenz-Kommissaren mit Migrationshintergrund.

Gemordet wird bei alledem natürlich auch und eine Forderung der Entführer darf ebenfalls nicht fehlen. 55 000 Euro wollen die beiden für das Leben des Behördenchefs, der wegen einer ausgeprägten sexistischen Ader von den Kolleginnen übrigens »der Rammler« genannt wird. Vor allem aber verlangen sie die lückenlose Aufklärung der Kaninchenmorde sowie die Abschaffung sämtlicher Staus im Lande. Ihr Ziel: mehr Stall und weniger Straße

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