05. August 2018, 19:18 Uhr

Start frei für Abenteuer Schule

Nach sechs heißen Wochen beginnt heute das neue Schuljahr. Schafft mein Kind den Weg alleine? Müssen Schüler in der Grundschule per Handy erreichbar sein? Gibt es hitzefrei? Zu diesen und weitere Fragen haben wir Schulexperten befragt.
05. August 2018, 19:18 Uhr
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Von Armin Pfannmüller
An der Grundschule West hat die Sanierung des Gebäudes mit dem Abriss der alten Hausmeisterwohnung und der Verlegung neuer Fernwärmeleitungen begonnen. (Foto: Schepp)

Elterntaxi: »Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, haben dafür sicher gute Gründe«, sagt Stadträtin Astrid Eibelshäuser. Diese Aussage möchte die Gießener Schuldezernentin allerdings nicht als Plädoyer für das Elterntaxi verstanden wissen. Eibelshäuser berichtet, dass sich Stadt, schulische Gremien sowie ein externes Büro derzeit mit dem Thema Schulwegemanagement befassen und dabei speziell die Grundschule West im Blick haben. Vor der Schule herrsche eine »schwierige Verkehrssituation«, die sich durch die Sanierung noch verschärfen werde. Derzeit wird geprüft, wie der Hol- und Bringverkehr ein Stück von der Schule wegverlagert werden kann, wie man den Schulweg in kleinen Gruppen organisiert, die nach Absprache von Eltern begleitet werden und wodurch man das »Erlebnisniveau« auf dem Weg zur Schule steigern kann. Der Startschuss für das Projekt soll im kommenden Halbjahr fallen. Nach Einschätzung des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) kommt der Verzicht auf das Elterntaxi nicht nur der Gesundheit der Kinder, sondern auch der Sicherheit zugute. Eltern sollten noch vor der Einschulung mit ihren Kindern den Schulweg üben, empfiehlt VBE-Landesvorsitzender Stefan Wesselmann. »Auf dem Schulweg erzählen Kinder einander viel, sie verabreden sich und entdecken die Umgebung anders. Zudem berge das »morgendliche Auto-Gedränge« vor den Schulen Gefahren.

Handynutzung: Das vergangene Woche in Frankreich beschlossene Handyverbot an Schulen hat auch in Gießen die Diskussion ums Mobiltelefon und dessen Nutzung in der Schule angestoßen. »In Hessen entscheiden Schulen eigenständig«, sagt Dirk Fredl, Sprecher des Staatlichen Schulamts. Ob und in welcher Form Handys an Schulen genutzt werden dürfen, werde von der Schulkonferenz entschieden, in der Lehrer, Eltern und Schüler vertreten sind. Während diese Frage bei den französischen Nachbarn von der Regierung entschieden worden sei, »entscheidet bei uns die schulische Hausordnung über das Ausmaß der Handynutzung«, erklärt Fredl.

Hitzefrei: Früher war die Sache einfach: Zeigte das Thermometer um 11 Uhr 25 Grad im Schatten, gab es hitzefrei. Heute regelt ein Erlass, wie an Schulen bei großer Hitze zu verfahren ist, erläutert Fredl. In Zeiten von Unterrichtsgarantie und Ganztag sei es nicht so einfach, Schüler bei hochsommerlichen Temperaturen nach Hause zu schicken. »Wenn die Schulleitung feststellt, dass der Unterricht durch hohe Temperaturen beeinträchtigt wird, gibt es die Möglichkeit, Unterricht an anderen Lernorten anzubieten, im Freien oder im Schatten«. Auch ein Verzicht auf Hausaufgaben komme in Betracht. Unter besonderen Umständen könne der Unterricht nach der fünften Stunde beendet werden. Da viele Eltern auf die Betreuungsangebote angewiesen seien, müssten diese eingehalten werden, bekräftigt Fredl.

Lehrerversorgung: An allen Schulen läuft der Unterricht, ohne dass es zu Ausfällen kommt. Mit dieser Prognose hat Fredl die Situation im Schulamtsbezirk Gießen/Vogelsberg in der letzten Ferienwoche beschrieben. Dass die Lehrerversorgung sich im neuen Schuljahr »weiterhin auf hohem Niveau« bewegt, hat auch Kultusminister Alexander Lorz im Elternbrief zu Beginn des neuen Schuljahrs bekräftigt. Der Minister verweist auf 700 neu geschaffene Stellen für sozialpädagogische Fachkräfte, die Grundschulen und weiterführenden Schulen zugutekommen. Im Schulamtsbezirk erhalten 51 Grundschulen und 32 weiterführende Schulen sogenannte »UBUS«-Stellen, ein Teil dieser Stellen an den Grundschulen sei bereits besetzt, »an den weiterführenden Schulen läuft die Ausschreibung«, sagt Fredl.

Schulbaustellen: Mit dem Abriss der Hausmeisterwohnung hat die Sanierung der Grundschule West begonnen. Dort soll im ersten Abschnitt eine Mensa samt Küche entstehen. Dieses Vorhaben wird nach derzeitiger Planung zum Schuljahresende 2018/19 abgeschlossen sein. Anschließend soll der Unterricht in Schulcontainern stattfinden, Für die Gesamtsanierung ist ein Kostenrahmen von 12,9 Millionen Euro vorgesehen. Deutlich früher, nämlich bis zu den Herbstferien, sollen die Arbeiten im Verwaltungsgebäude der Korczak-Schule beendet sein, berichtet Eibelshäuser. Die waren notwendig geworden, nachdem im Herbst vergangenen Jahres bei Messungen erhöhte Formaldehyd-Werte festgestellt worden waren. An der Grundschule am Alten Steinbacher Weg sind derzeit Kollegium und Verwaltung in Containern untergebracht.



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