20. Oktober 2019, 14:00 Uhr

Stadtbusverkehr

Stadtwerke und Mitbus wollen Service verbessern

Die schärfste Konkurrenz von Verkehrsbetrieben ist nicht das Auto - sondern die Bequemlichkeit der Menschen. Stadtwerke und Mitbus GmbH wollen jetzt ihren Service verbessern.
20. Oktober 2019, 14:00 Uhr
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Von Kays Al-Khanak
Auch an der Ecke Bismarckstraße, Aulweg und Schiffenberger Weg kommt es immer wieder zu Staus. (Foto: Schepp)

Früher war alles besser? Das stimmt so nicht. Da wäre zum Beispiel die Fahrgastzählung. Früher mussten die Stadtwerke (SWG) und die Mitbus GmbH als Gießener Busbetreiber ihre Fahrer die Fahrgäste zählen lassen. Oder Innendienstler zum Erfassen der Daten schicken. Heute haben alle Fahrzeuge GPS, jede Verspätung wird dokumentiert. Zehn von 54 Bussen verfügen über ein Fahrgastzählsystem, jeder Ein- und Ausstieg wird so registriert. Dieser Berg an Daten könnte auf Servern versauern - oder genutzt werden. Um den Verkehr besser zu verstehen. Genau daran arbeiten gerade SWG und Mitbus. Ihre Kenntnisse haben konkrete Auswirkungen auf den nächsten Fahrplanwechsel. Ziel ist es auch, die Daten für Fahrgäste zugänglich zu machen.

Um so viele Daten auszuwerten, braucht es mehr als Excel-Dateien. Ein Mitarbeiter der Stadtwerke hat gerade zusammen mit einer Kölner Beratungsfirma ein Analysetool aufgebaut. Damit können die Daten visualisiert werden. Ganz am Anfang, erzählt SWG-Vorstand Jens Schmidt, habe eine sogenannte Heatmap gestanden - also eine Karte, die in unterschiedlichen Farben anzeigt, wo in der Stadt die Busse im Stau stehen. Schmidt muss schmunzeln, als er sagt: »Es ist nicht verwunderlich, dass es rund um den Berliner Platz und am Bahnübergang an der Frankfurter Straße besonders oft zu Verzögerungen kommt.« Die Karte ist dort rot eingefärbt. Aber dank der Daten könnten die SWG objektiv über das Verkehrsangebot sprechen. Das betrifft nicht nur die Verspätungen, sondern auch die Auslastung der Fahrzeuge. »Ein Gelenkbus hat eine Kapazität von mehr als 150 Plätzen. Manche sagen, der ist bei 70 schon voll«, sagt Schmidt. Die Rechnung ist einfach: Fakten gegen Gefühl, um das ÖPNV-Angebot besser planen zu können.

Beispiel Linie 1 von Lützellinden »Langer Strich« bis zum Bürgerhaus in Rödgen. Zu Beginn der Fahrt, zeigen die Daten, hält sich die Verspätung absolut in Grenzen. Spätestens aber ab der Haltestelle an der Johanneskirche gehen die Balken mit der roten Farbe nach oben. Es werden zwar nur Sekunden angezeigt. »Aber eine halbe Minute Verspätung bedeutet für unsere Busfahrer bereits Stress«, betont Schmidt. Aber bedeutet es für die Fahrer nicht noch mehr Stress, wenn sie wissen, dass ihre Fahrten minuziös erfasst werden? »Nein, ganz im Gegenteil«, sagt SWG-Sprecherin Ina Weller. »Das ist für die Fahrer entspannter, denn wir können den Einsatz unserer Busse und die jeweilige Taktung besser auf die Erfordernisse anpassen. Dadurch kommt es viel weniger zu Verzögerungen.« Mathias Carl, Geschäftsführer der Mitbus GmbH, ergänzt: »Die Linie 1 ist unheimlich schwer zu planen.« Der Bus fahre einmal quer durch die Stadt, halte an zahlreichen Bushaltestellen und verzeichne gerade im Innenstadtbereich viele Ein- und Ausstiege. Dass es da zu Verspätungen komme, sei kaum bis gar nicht zu vermeiden.

Busauslastung aufs Smartphone

SWG und Mitbus sind gerade dabei, die Datenbasis auszubauen. Schmidt kann sich vorstellen, dass Fahrgäste zukünftig auf diese Daten zugreifen können. Eine zentrale Idee in den Plänen der Verkehrsbetriebe ist zum Beispiel eine Karte, die Nutzer im Internet einsehen können. Dort sollen in Echtzeit die einzelnen Linien dargestellt werden: Wo sind sie aktuell? Wie viel Verspätung haben sie? Wie ausgelastet sind die Fahrzeuge? Denkbar wäre auch, spontane Umleitungen wegen Großveranstaltungen oder Demonstrationen darzustellen und Wetterlagen mit einzubeziehen. Der Vorteil für Fahrgäste: Sind sie zum Beispiel flexibel und erscheint ihnen ein Bus zu voll, sehen sie das im Vorfeld auf ihrem Smartphone und können sich für den nächsten Bus entscheiden.

Das ist alles Zukunftsmusik. SWG und Mitbus haben einen Förderantrag eingereicht, um ein solches Programm für ihre Kunden zu entwickeln. Die bisher erfassten Daten fließen aber auch in die Planungen für den nächsten Fahrplanwechsel Mitte Dezember ein. Für die Linien 1, 2 und 5 zum Beispiel, erzählt Carl, sei den Analysten aufgefallen, dass die Busse samstagmorgens eng getaktet, aber kaum frequentiert seien. Nachmittags fahren die Busse der Linien 1 und 2 seltener, sind aber sehr gut frequentiert. Aufgrund dieser Daten wird die Taktung dieser Buslinien ab Mitte Dezember verändert. Digital ist besser? In diesem Fall ganz bestimmt.



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