24. September 2019, 06:00 Uhr

Energiekosten

Stadtwerke Gießen kündigen Fernwärmeverträge

Schlechte Nachrichten für die 12000 Fernwärme-Kunden der Gießener Stadtwerke: Das Unternehmen kündigt alle Altverträge. Außerdem gibt es Preiserhöhung zum 1. Oktober und 1. Januar.
24. September 2019, 06:00 Uhr
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Von Stephan Sippel
Das stadteigene Unternehmen sitzt in der Lahnstraße. (Foto: Schepp)

Die rund 12 000 Fernwärme-Kunden der Gießener Stadtwerke sollen zum 1. Januar 2020 neue Verträge erhalten. Gleichzeitig werden deren Altverträge gekündigt. Das teilte das stadteigene Unternehmen am Montag mit. Hauptgrund ist, dass die Stadtwerke damit künftig auch den sogenannten »Verrechnungspreis« erhöhen können, der für den Zähler und die Abrechnung erhoben wird. Das war nach den bisherigen Verträgen nicht möglich. Der neue Verrechnungspreis beläuft sich ab dem 1. Januar auf 125,82 Euro brutto im Jahr statt bisher 81 Euro brutto jährlich - ein Anstieg um 3,74 Euro brutto im Monat oder 44,88 Euro im Jahr. Das entspricht einem Anstieg von etwas mehr als 50 Prozent. Die Kunden sollen das Kündigungsschreiben samt den bereits ausgefüllten neuen Verträgen in den nächsten Tagen per Post erhalten.

Die Erhöhung wirke auf den ersten Blick »dramatisch«, räumte Stadtwerke-Sprecherin Ina Weller ein. Allerdings hätten die Stadtwerke den Verrechnungspreis mehr als 20 Jahre lang konstant gehalten. Trotz der Anpassung liege Fernwärme der SWG kostenmäßig immer noch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Die übrigen Preiskomponenten - der Arbeitspreis und der Leistungspreis - sollen zum 1 . Januar 2020 nicht erhöht werden.

Sie steigen allerdings bereits zum 1. Oktober, wie die Gießener Allgemeine von Kunden erfahren hat. Ihnen teilten die Stadtwerke bereits mit, dass die Erhöhung zum 1. Oktober für einen Durchschnittkunden mit einer fernwärmebeheizten Wohnung (Leistung vier Kilowatt, Verbrauch 7400 kWh pro Jahr) 16,94 brutto im Jahr beträgt. Bei einem Haus mit Fernwärme kommen im Durchschnitt 52,50 Euro pro Jahr zusammen.

Zum 1. Januar passen die Stadtwerke auch die sogenannten »Preisgleitklauseln« beziehungsweise die in ihnen enthaltenen Formeln für die Berechnung der Preise an. Diese Vertragsergänzungen sorgen dafür, dass die Lieferanten von Fernwärme steigende Kosten - vor allem für die eingesetzte Primärenergie - an ihre Kunden weiterreichen können. Gleichzeitig stelle sie sicher, dass sinkende Kosten automatisch zu Preissenkungen führen. Schließlich enthalten die neuen Verträge auch eine Gleitklausel für den Verrechnungspreis. Auch hier dreht es sich um Material- und Personalkosten. Der Ausgestaltung dieser Klauseln setze der Gesetzgeber allerdings enge Grenzen, so die Stadtwerke.

Unterlagen kommen per Post

Künftig sind nach den neuen Verträgen Preisänderungen nur noch zum 1. April und 1. Oktober möglich. Die bislang verfügbare dritte Option zum 1. Januar entfällt.

Aus ökologischer Sicht sei die Gießener Fernwärme mit ihrem Primärenergiefaktor von 0,28 von keinem herkömmlichen Heizsystem zu schlagen, betont Weller. Fragen zur Fernwärme und zu den Tarifen beantworten die Berater der SWG von Montag bis Freitag zwischen 7 und 19 Uhr unter der Servicenummer 0800 2302 100 (kostenlos aus den deutschen Netzen). Mehr im Internet unter www.swg-energie.de.



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