11. Mai 2015, 21:03 Uhr

Stadttheater zeigt satirische Oper

Zwischen den Weltkriegen: Die satirische Oper »Kehraus um Sankt Stephan« von Ernst Krenek feiert am Samstag, 16. Mai, im Großen Haus Premiere.
11. Mai 2015, 21:03 Uhr
Viel Lob für eine allseits unbekannte Oper gab es am Montag von Regisseur Hans Hollmann und Dirigent Florian Ziemen (r.), links Stadttheaterdramaturg Christian Schröder. (Schepp) (Foto: Oliver Schepp)

Ein Österreicher inszeniert einen Österreicher. Ergebnis: Begeisterung allenthalben. So lässt sich im Vorfeld die letzte Musiktheaterproduktion in dieser Spielzeit skizzieren. Das Stadttheater zeigt ein weithin unbekanntes Werk der Moderne: Ernst Kreneks 1930 komponierte satirische Oper »Kehraus um Sankt Stephan« feiert am Samstag, 16. Mai, um 19.30 Uhr im Großen Haus deutsche Erstaufführung. Die Regie liegt in den Händen des in Graz geborenen Theatermachers Hans Hollmann, der mit seiner Lesung aus Karl Kraus’ »Die letzten Tage der Menschheit« vor einem Jahr am selben Ort noch in guter Erinnerung ist. Der 82-jährige Hollmann war beim Pressegespräch am gestrigen Montag voll des Lobes für Kreneks Oper und ihre konkreten Figuren aus Politik und Gesellschaft, wollte sich aber nicht zu tief in die Karten schauen lassen.

Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Florian Ziemen, der das Stück des Wieners als »unglaublich faszinierend« bezeichnete und ihm »musikalischen Pointillismus« bescheinigte, also das dichte Nebeneinander klanggewordener Miniaturen, die sich zu einem Gesamtbild fügen, ohne dass das Orchester allzu oft im Tutti erklingt.

Als Kreneks »Kehraus« 1990 an der Wiener Staatsoper zur Uraufführung gelangte, wurden das Stück und der damals 90-jährige Tondichter mit Ovationen gefeiert. Sechzig Jahre waren seit der Komposition vergangen – die Nazis hatten Kreneks Werke verboten, der wanderte nach Amerika aus.

»Kehraus um Sankt Stephan« schildert die Jahre 1918 bis 1928 in Wien: Der Krieg hat Narben hinterlassen: Und neues Unheil wirft seine Schatten voraus. Etwa bei Rittmeister Brandstetter, der mit dem Zusammenbruch seiner Offizierskarriere hadert und um seine Beziehung zur Gräfin Elisabeth Torregiani bangt. Schlecht fühlen sich auch der ehemalige Reserveoffizier Koppreiter und der Wiener Weinbauer Kundrater mit seinen Kindern Ferdinand und Mitzi. Und dem Berliner Spekulanten Kabulke legte Krenek bereits 1930 die Kriegspläne der Nationalsozialisten in den Mund.

Ausstatter Lukas Noll hat ein surreal-fantastisches Bühnenbild entworfen, das die Stimmungen der Oper poetisch einfangen soll. Es musiziert das Philharmonische Orchester Gießen. Der Chor des Stadttheaters singt unter der Leitung von Chordirektor Jan Hoffmann.

Als Solisten sind unter anderem Wolfgang Schwaninger, Wilfried Staber, Erik Biegel, Naroa Intxausti, Olga Vogt, Martin Berner, Tomi Wendt und der geschmeidige Dan Chamandy zu hören. mm

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