30. April 2015, 18:13 Uhr

Stadttheater stellt Programm für Spielzeit 2015/16 vor

Selbstbewusst präsentieren Intendantin Cathérine Miville und ihr Team das Programm der neuen Spielzeit 2015/16 am Stadttheater Gießen. Und »Selbst« lautet auch der Slogan, der über den ab Mitte September gezeigten Produktionen des Drei-Sparten-Hauses steht.
30. April 2015, 18:13 Uhr
Im fröhlichen Gelb präsentiert sich das neue Programmheft zur Spielzeit 2015/16. Auch Intendantin Cathérine Miville setzt farbige Akzente im Kreis der ganz in Schwarz gekleideten Theatermänner (v. l.) Abdul M. Kunze, Björn Mehlig, Tarek Assam, Guido Hackhausen und Gerd Muszynski. (Foto: Schepp)

Es gilt, Altbekanntes neu zu entdecken, Schätze zu heben und Themen wie Selbstvermarktung oder Selbstverwirklichung im Weggehen und Herkommen wahrzunehmen. Dabei fällt auf: Im Regiebereich tauchen neue Namen auf, die Zusammenarbeit mit der freien Szene wird weiterentwickelt und zugleich dem Publikumswunsch, auch klassische Stücke zu zeigen, Rechnung getragen. Die Intendantin stellte im Foyer der taT-Studiobühne mit den Spartenleitern – dem neuen künstlerischen Betriebsdirektor Guido Hackhausen, den Schauspieldramaturgen Gerd Muszynski, Cornelia von Schwerin und Björn Mehlig, Jugendtheaterleiter Abdul M. Kunze und Ballettchef Tarek Assam – das Spielzeitprogramm 2015/16 vor.

Musiktheater

Die Spielzeit startet – nach einem großen Kulturfest am 6. September am Berliner Platz – am 12. September mit Musiktheater: Peter Tschaikowskis »Eugen Onegin«, Inbegriff der romantischen russischen Oper, erklingt in der Originalsprache. Bettina Bruinier führt Regie und GMD Michael Hofstetter dirigiert. Außerdem kommt eine der beliebtesten deutschen Operetten in ihrer musikalischen Rekonstruktion der Originalfassung von 1930 nach Gießen: Ralph Benatzkys »Im weißen Rössl« wird inszeniert von Thomas Goritzki. Es dirigiert Florian Ziemen (Premiere: 31. Oktober).

Mit Mozarts »La Clemenza di Tito« wird es dann aber auch schon wieder ernst (5. Dezember). Das Inferno aus Eifersucht, Hass und Verrat dirigiert Michael Hofstetter. Es folgt François-Arien Boieldieus komische Oper »Die weiße Dame« (6. Februar), bei der Regisseur Dominik Wilgenbus und Dirigent Jan Hoffmann die Nerven der Opernfans mit musikalischen Einfällen und einer unterhaltsamen Handlung in einem verwunschenen Schloss kitzeln werden.

Miville selbst wird »Gegen die Wand«, eine 2008 uraufgeführte Oper von Ludger Vollmer nach dem gleichnamigen Film von Fatih Akin inszenieren – in Zusammenarbeit mit der »türkischen community mittelhessen«. Unter der musikalischen Leitung von Martin Spahr erklingen auch klassische türkische Instrumente, um die Konflikte der deutsch-türkischen Protagonisten authentisch darzustellen. Letzte Musiktheaterproduktion im Großen Haus ist »Kronos und Kairos«, Musiktheater in Auseinandersetzung mit Werken von Giovanni Gabrieli und Heinrich Schütz, das von »Auftrag: Lorey« in Szene gesetzt wird. Stefanie Lorey und Bjoern »Auftrag« Mehlig haben am JLU-Institut für Angewandte Theaterwissenschaft zusammengefunden. Sie realisieren Projekte an der Grenze zwischen Performance und installativer Kunst.

Ungewöhnliches erwarten darf man auch von zwei Kammeropern im Theaterstudio – »Death Knocks« (Christian Jost/Woody Allen) und »Savitri« (Gustav Holst) – die sich der vielleicht größten Angst der Menschheit, der vor dem Tod, widmen. Die Doppelpremiere (20. Dezember) liegt in der Verantwortung von Martin Spahr (musikalische Leitung) und dem Regieteam Stephanie Kuhlmann und Hans Walter Richter.

Schauspiel

Im Schauspiel treffen in der nächsten Spielzeit illustre Persönlichkeiten aufeinander: Iphigenie begegnet Leonce und Lena, Mao stößt auf Rio Reiser. Goethes »Iphigenie auf Tauris« macht den Anfang und kommt am 26. September in einer Inszenierung von Wolfgang Hofmann (auch er einst Student der Angewandten Theaterwissenschaften) auf die Bühne. Das Stück der Weimarer Klassik thematisiert Humanität und die Frage nach der Heimat und ist damit aktueller denn je. Traurige Aktualität hat auch »1984« von George Orwell, das Thomas Oliver Niehaus inszeniert (14. November). »Big Brother is watching you« hatte Orwell kurz nach dem Zweiten Weltkrieg geschrieben, Robert Icke und Duncan Macmillan verlegen die Handlung in das Jahr 2050 und fragen, wie sehr man Fakten trauen darf.

Wie tückisch es sein kann, in die Ferne zu schweifen, zeigt Ulrike Syha in ihrem Stück »Mao und Ich« (Inszenierung: Dirk Schulz, der in Gießen schon mit Philipp Löhles »Nullen und Einsen« hatte punkten können). Eine Weiterbildung für Geschäftsleute entpuppt sich als Abenteuer mit begrenztem Mehrwert (Premiere: 16. Januar). Und Heiner Kondschaks Rio-Reiser-Revue bringt die schönsten Songs des viel zu früh verstorbenen »Königs von Deutschland« auf die Bühne und beleuchtet schlaglichtartig den gesellschaftlichen Hintergrund des »Ton, Steine, Scherben«-Protests. Die Besucher erwartet »ein berührender, geräuschvoller Konzertabend für alle Altersklassen«. Premiere ist am 5. März im Großen Haus. Es inszeniert Christian Lugerth. Mit einem Stück Weltliteratur endet der Schauspiel-Reigen im Großen Haus dann mit Georg Büchners »Leonce und Lena« Premiere ist am 23. April unter der Regie von Malte C. Lachmann.

taT-Studiobühne

Einer der Höhepunkte auf der Studiobühne werden die »Sonny Boys« sein, die Abdul M. Kunze schon in der aktuellen Spielzeit hatte inszenieren wollen. Premiere ist nun am 19. September. Im taT zu sehen sein werden auch das Stück über Terrorangst und Eventmarketing »Demut vor deinen Taten Baby« von Laura Naumann (11. September), zu Shakespeares 400. Todestag die lustvoll durch die Jahrhunderte springende Hommage »Shakespeare is dead – get over it!« von Paul Pouveur und als Beitrag der freien Szene die Stückentwicklung »I« von Corinne Maier. Hier handelt es sich um »ein Theater über das Theater über einen Film« auf den Spuren des indischen Filmemachers Shaheen Dill-Riaz, dessen Leben in dem Stück »Past is Present« thematisiert wird und dessen Familie über den ganzen Globus verteilt lebt.

Das diesjährige Familienstück zur Weihnachtszeit wird »Moritz in der Litfaßsäule« sein (19. November), ein Plädoyer für mehr Gelassenheit. Für Kinder ab vier Jahre gibt es »Die zweite Prinzessin« und für ältere Kinder »Angstmän«, ein Stück über Mut.

Tanztheater

Drei Tanzabende wird Ballettchef Tarek Assam choreografieren: Am 10. Oktober kreiert er gemeinsam mit Pascal Touzeau aus Strawinskys »Petruschka« und »Der Feuervogel« ein neue Geschichte, am 20. Februar heißt es in einem Crossover zwischen Jazz, Folklore und zeitgenössischer Symbolik zur Musik des Neuseeländers John Psathas »Penelope wartet« und in »Researching and exploring the outside within us« (12. Mai) werden in Zusammenarbeit mit einer Arbeitsgruppe der Technischen Hochschule mehr Sinne als nur Hören und Sehen angesprochen. Als Gastchoreografen konnten die slowenischen Choreografie-Stars Rosana Hribar und Gregor Luštek mit »Glaub an mich« (3. Dezember) gewonnen werden. gl

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